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Andacht 08. Juli 2005

Keitumer Predigten Traugott Giesen 08.07.2005

Andacht zur 125-Jahrfeier der Keitumer Feuerwehr

Das ist viel Holz fürs Freudenfeuer des Dorfes. Immer war Feuer und Wasser auch des Menschen Feind. Was genau uns leben lässt, das Wasser, kann uns auch ersäufen. Mittels Feuer können wir kochen und braten und uns wärmen. Und es kann uns verzehren. Gegen Feuer hilft nur, Feuer nicht an Brennbares zu lassen. Wenn aber alles zu spät ist, dann gut, daß es euch gibt, zu retten, was zu retten ist.

Und immer dies Herausgerissenwerden aus seiner Arbeit, seiner Ruhe. Was ist nun schon wieder? Ein Brand? Und wie bilden wir, die gerade auf dem Sprung sind uns zu formieren, eine taugliche Mannschaft. Wer hat die Übersicht vor Ort, und wie kann man mutmasslich eingeschlossene Menschen in Sicherheit bringen, wie an den Brandherd kommen, wo ist der nächste Hydrant, wie schnell fahren, ohne selbst zur Gefahr zu werden ? Oder man wird zum Unfall gerufen - Menschen eingeklemmt, vielleicht sogar ein Altersgenosse, ein Freund,- und einer muß sterben, - und du bist der letzte Verbindung zum Leben, hältst ihm die Hand, versuchst ein letztes Wort von ihm aufzufangen. Und du darfst leben, und sollst es. Du musst noch deine Arbeit tun, bist noch nicht reif für den Himmel.

Jeder Einsatz kann um Leben und Tod gehen - ob Katastrophe oder Fehlmeldung - in diese Spannweite ruft jeder laute oder stille Alarm. Dem Tod ins Auge blicken, möglicherweise, ist das Schlimmste nach dem eigenen Dranglauben. Wieso ist das auch ein Wort für Sterben? Er musste dran glauben... Gut daß wir beim großen Fest auch ans Ehrenmal gehen, derer zu gedenken, die uns starben. Sie sind nur einen Hauch weiter, vorangegangen ins Glück, nach vielen Mühen. Wir gedenken dann auch der Feuerwehrleute rund um die Erde, die in Ausübung ihres Dienstes von ihrem Leben lassen mussten, gedenken besonders auch der New Yorker Firemen des 11.9.

Und wir dürfen leben! Und dürfen uns freuen, wenn der Ruf nur zur Absicherung der Biike gilt oder Pferde oder Kühe müssen von den Gleisen. Oder ein Bienenschwarm soll sachgerecht verpflanzt werden, nicht nur im Sack und weg damit. Bei 125 Jahren kommen Generationen in den Blick. Einige kommen aus Familien, deren Wurzeln tief in diesem Sandknust stecken, und deren Väter und Großväter auch diese Uniform trugen, und deren Urgroßväter und Ururgroßväter diese Feuerwehr gründeten. Andere sind zugereist, Gott sei Dank, die Feuerwehr eines Dorfes muß die Bevölkerung spiegeln, darum gut,daß Frauen auch zur Truppe kommen können, so langsam. Keitum soll immer genug Menschen haben, die freiwillig den Dienst tun und nicht dienstverpflichtet werden müssen.

Und was lockt zur Wehr? Auch Feste und Feiern und Orden und schmucke Uniformen. Auch Sichbeweisenkönnen als brauchbar – eben ein echter Kerl sein. Kein Wunder, daß zu den frühesten Spielzeugen ein Feuerwehrauto gehört. Aber für die Wehr spricht noch mehr: daß eine Hand die andere wäscht. Wir machen unser Dorf sicherer und damit auch unser Haus. Indem wir Nachbarschaft schützen, bauen wir sie auch. Wie sagt man: Nachbarn kommen in Pantinen, Verwandte müssen erst packen. – Aber wir alle sind nicht mehr sesshaft wie früher- in der Stadt zieht jeder alle acht Jahre um, im Schnitt. Und auch unser Dorf hat ja die Motten, Dunkelhäuser liefern keine Wehrmänner.

Um so wichtiger: Gut, daß wir da sind, noch sind, ihr seid noch fit und habt noch Nachwuchs, das soll auch so bleiben, also ihr im richtigen Alter legt noch mal nach. Zur Wehr lockt die Kameradschaft und die Einsicht: Wir müssen uns wehren können in der Not. Wir sind hilfsbedürftig. Keiner kann einen Brand alleine löschen. Wir brauchen einander. Also was ich will, daß mans mir tu, das füg ich auch dem andern zu. Feuerwehr ist vorbildliche Nächstenliebe. Die Geschichte vom barmherzigen Samariter habt ihr ja in der Seele. Wer ist mein Nächster? Der mich braucht. So einfach ist das. Und ihr lebt es. Bitte weiter so.

„Gott zur Ehr – dem Nächsten zur Wehr“ - Dieses Wort auf der Fahne weist euch den rechten Weg. Denn zur Nächstenliebe müssen wir uns immer wieder überreden. Der einzige Mensch der echt total an dir hängt, bist du selbst (Peter Rühmkorf). Und doch ziehst du los, zu helfen, ihr verabredet euch: keiner soll aus Angst oder Trägheit zurückbleiben. Egal, ob ihr den in Not kennt oder nicht: Auch der Fremde isst, verdaut, fürchtet, will leben, lieben, noch hier bleiben unter der Sonne. Wir alle sind hier um einmal einen Menschen zu retten, einen ins Leben zurückzuholen, einem den eigenen Atem spenden, und wissen, kein Lob ist nötig, es ist Gott zur Ehre getan. Dem Herz aller Dinge beistehen dürfen, was kann schöner sein. Liebe ist das Gegenteil von Gleichgültigkeit. Daß euch des andern Schicksal nicht gleichgültig ist, ist wunderbar. Ihr ehrt damit den Herrn. Sind seine Menschen in Not, kommt ihr Gott zu Hilfe, leiht ihm eure Arme, eure Power. Unsere Kraft gehört doch zu seinem Werkzeugkasten. Wenn wir in Not sind, schreien wir doch den Nächstbesten um Hilfe, rufen darin Gott um Hilfe. Bleibt Hilfe aus, fragen wir traurig: wie kann Gott das zulassen? Geschieht uns Rettung, sagen wir Gott sei Dank!  Er ist die letzte Adresse für Dank und Klage, darum ihm zur Ehr sind wir dem Nächsten eine Wehr gegen das Leid. Und wir rauben ihm seine Ehre, wenn wir Menschen verkommen lassen, das Menschenantlitz hat doch seine Heiligkeit aus der Gottesverwandtschaft. Darum ist es auch Gottesdienst, wenn ihr Dienst bei der Feuerwehr tut. Ihr müsst es nur wissen.

Feuerwehrdienst - das ist mit die feinste Art der Nächstenliebe. Da kommt man nur zur Hilfe, ganz praktisch, schnell, direkt, handfest. Beim Beraten weißt du nie, wie viel deiner Wünsche du mit einflechtest, beim Erziehen greifst du leicht in fremdes Leben ein, beim Geldgeben weißt du nicht, welche Übel mit du hervorrufst. Aber euer Tatütata ist Labsal, sind Heimatklänge, ist Versprechen: Gleich wird’s besser.

Und aus welchen Verwicklungen steigt ihr aus, wenn ihr zum Dienst geht. Da, bei der Wehr ist klare Weisung und die Abläufe leuchten ein, da weiß jeder wo er dran ist. Jedenfalls fürs nächste Mal. Und die Wehr trainiert auch Freundlichkeit, macht umgänglich: ein Mensch ist manchmal wie verwandelt, sobald man menschlich ihn behandelt (Eugen Roth).

Euch sei noch viel Lebenszeit eingeräumt, auch für Dienste bei der Wehr, gesegnet sei Eure Arbeit. Wenn es sein muß, dann bringt hilfreiche Einsätze. Und noch viele Feste, Feiern, Fröhlichsein. Bleibt stark. Amen.


 




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