L e b e n s m u t
 
Herzlich willkommen auf der Homepage von Traugott Giesen, ehem. Pastor in Keitum auf Sylt!

Aktuelles

Predigten
Kolumnen
Bibelenergie
Tägliche Losung
Gastpredigten
 

Archiv

Nachhören
Archiv Predigten
Archiv Kolumnen
Themenverzeichnis
Weitere Texte
Bibelstellen
Aufgelesenes
 

Informationen

Bücher
Links
 

Kontakt
Emailkontakt
Webmaster
Gästebuch
Impressum

Besucher seit
12.03.2001
0983462

Keitumer Predigten   Traugott Giesen   01.01.2003

Neujahr

Psalm 103:

Lobe den Herrn meine Seele, und was in mir ist seinen heiligen Namen, lobe den Herrn meine Seele und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat und tun wird: der dir alle deine Sünden vergibt und heilt alle deine Gebrechen, der dein Leben vom Verderben erlöst und dich krönen wird mit Gnade und Barmherzigkeit, der deinen Mund fröhlich macht, und du wieder jung wirst wie ein Adler. Der Herr schafft Gerechtigkeit und Recht allen die Unrecht leiden, er hat seine Wege Mose wissen lassen und die Kinder Israel sein Tun, barmherzig und gnädig ist der Herr, geduldig und von großer Güte. Er handelt nicht mit uns nach unseren Sünden und vergilt uns nicht nach unserer Missetat. Denn so hoch der Himmel über der Erde ist, lässt er seine Gnade walten, über den Seinen, so fern der Morgen ist vom Abend lässt er unsere Übertretungen von uns sein. Wie sich Eltern über Kinder erbarmen, so erbarmt sich der Herr, über die, die ihn achten. Denn er weiß, was für ein Gebilde wir sind, er gedenkt daran, dass wir vom Staub genommen sind. Lobe den Herrn, meine Seele.

Brüder und Schwestern!

Es ist so ganz wichtig, dass wir mit einem großen Mut ins neue Jahr gehen denn jede, jeder von uns ist eine ganz wunderbare, handgearbeitete, vertrauensbildende Maßnahme des lieben Gottes. Dazu müssen wir uns trainieren, denn wir sind ja auch durchschnittlich verzagt und sind auch nur schwache Menschen von schwachen Eltern. Davon erzählt es zwischen den Zeilen - dieses Zwiegespräch zwischen dem besseren Ich in mir und der ermatteten Seele: Lobe doch den Herrn, meine Seele. Und vergiss nicht. Da spricht etwas in mir, das es besser weiß, zu mir, dummer Hund, der träge und müde und manchmal sogar richtig stolz ist auf seine Gebrechen.

Was ich gerade gestern gehört habe: er trägt eine Fettschürze vor sich her, vielleicht auch als Angstschürze, als ginge es darum, dass man noch mehr Angst hat als der andere - gut, wir haben ja alle gelernt, dass Angst zur Kultur gehört und dass sie wichtig ist, Bert Brecht gemäß: "Ich habe kein Rückrat, um es mir zerschlagen zu lassen" - ein Stück Angst schafft Klugheit.

Vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat und tun wird: vor allem dir deine Sünden vergeben - das lockt doch auch, nicht nur Sünde zu vermeiden. Es gibt Menschen, die sind dauernd damit beschäftigt, nichts Falsches zu tun. Ich glaube bei IBM stand: „Wann machen Sie ihren nächsten Fehler?“ Bitte, mach doch endlich mal deinen nächsten Fehler! Dann tust du auf dem Weg dahin ja auch was Richtiges anstatt, dass es dein höchstes Ziel ist, nichts Falsches zu machen. Der dir alle deine Sünden vergibt, der weiß doch, was für ein Kerl du bist, was für ein Weib du bist. Gott weiß, vor ihm brauchst du dich doch nicht zu verstellen. „Der dir alles vergibt, - das heißt doch: Du, leb dich, erleb dich. Auch mit deinem Schrott kommst du schon klar. Du musst ihn sowieso ausbaden, und Gott badet ihn mit aus, du bist ja seine Kreatur. „Der dir alle deine Sünden vergibt“, das heißt damit sind alle Versuche zum Scheitern verurteilt, dass wir die Welt unterscheiden zwischen dem Reich des Bösen und dem Reich des Guten.

Ja, es gibt auch in der Bibel solche Zwei-Welten-Theorien, als vergäbe Gott nur „denen, die ihn fürchten“. Das kann nicht Gottes Bedingung sein. Wenn wir ihn für nicht existent halten, dann kann von ihm uns keine Kraft erreichen, aber er wird schon mit uns fertig. Gott nutzt auch die Schwierigen. Ja, wenn nur die Besten Kinder zeugen dürften, wäre die Menschheit längst ausgestorben. Schon das erste Brüderpaar schlug aufeinander ein und der verlorene Sohn war mitschuld, dass der Älteste zu Hause versauerte und der Älteste war mitschuld, dass der Jüngste sich überflüssig vor kam.

" Der dir alle deine Sünden vergibt" stachelt uns an, an sich als einen Gott der Liebe zu glauben, und die Liebe hält Verbindung, die Liebe sucht zum anderen hinüber zu gelangen und mit ihm, wenn nicht eins zu werden, so doch eins zu machen, eine ganze Sache zu machen. Der dir alle Deine Sünden vergibt, tut das auch als Verwandler, der vom Bösen erlöst.

„Erlöse uns von dem Bösen“, ist ja gerade auch gesagt, weil Gott nicht mit einem Schlag eine heile Welt hinstellt. Die Welt war heil, als er mit den Äffchen fertig war, aber sie war dem lieben Gott nicht spannend genug, er wollte ein Gegenüber haben, das ernst genommen werden kann von Gott. Auch die Äffchen werden von ihm ernst genommen, aber als Spielgefährten vielleicht, nicht als Partner, nicht als Gesprächspartner. Der muß ein Stück Freiheit haben, sogar die Freiheit, sich selbst auszurufen, als Herr seines Schicksals. Nur dann lohnt es, zu fragen. „Adam wo bist du, Eva wo bist du“, wer bist du? Gott zieht uns in einen Dialog, ein Leben lang, wo das Ergebnis sein wird: Lobe den Herrn!

" Lobe den Herrn" heißt, mit ihm einverstanden zu sein, wissend, dass er dein Dilemma und das der ganzen Welt mitträgt. Er heilt alle deine Gebrechen. Manchmal geht das Heilen nur durch das Sterben hindurch, das Sterben gehört mit zur guten Schöpfung. Aber nicht, dass wir Menschen uns einander missbräuchlich Tod antun; nicht, dass wir den Tod instrumentalisieren. Aber das Sterben ist ja der Umsteiger, in Gottes Haus, wir bleiben in Gottes Haus, gehen nur in ein anderes Stockwerk, manche Gebrechen können nur dadurch geheilt werden, dass wir einen neuen Leib kriegen, weil unser alter Körper ausgebrannt ist. Jedes Flugzeug hält nur eine Spanne Zeit, ein Körper auch; wir sind vom Staub genommen, aber dem Staub ist angesprochen worden; dem Staub ist eingebildet, eingeprägt das einzigartig, unverwechselbare Ich und Du. Gott, die unermesslicher Energie, sagt, ich brauche dich, damit du mich lobst, damit du mich anerkennst, du mich achtest, du mich ehrst. Ich brauche dich. Das ist dann ein Heilwerden, wenn wir diese innere Kommunikation mit Gott leben, aber wir leben sie immer nur bruchstückweise, weil wir noch ganz viel Staub sind, weil unsere Seele ganz schön abhängig ist von Bio-Haushalt, Stimmungen, Medikamenten. Darum ist natürlich unsere Seele ein Feuer, ein Flämmchen, dass diesen Sauerstoff der Zugehörigkeit, der Zuwendung immer wieder braucht, den Sauerstoff der Achtung und Ehre und sicher auch von einander, aber wir brauchen sie erst recht vom Geheimherz der Zeit, wir brauchen diese Zustimmung von dem, der uns ins Leben gerufen hat: das heilt unsere Gebrechen. Und das erlöst unser Leben vom Verderben und das krönt uns mit Gnade und Barmherzigkeit.

Das ist natürlich der schönste Satz für die Beerdigung: jetzt geht er auf die Krönung zu, "jetzt wird er gekrönt mit Gnade und Barmherzigkeit." Der Satz ist viel zu schade, um ihn erst bei der Beerdigung für dich und mich anwenden zu dürfen das steht uns bevor, wir werden gekrönt mit der Gottähnlichkeit, mit der Energie, des Lebendigen in ganzer Fülle. Also fang jetzt schon mal an, du darfst jetzt schon mal fröhlich werden. „Der deinen Mund fröhlich macht und Du wieder jung wirst wie ein Adler.“

Es gibt ja auch alte Adler, aber wir wissen ja, wie das gemeint ist mit dem jungen Adler, der einfach das Leben in einer großen Energie nutzt. Ein Fohlen vielleicht ist uns einleuchtender, ein Fohlen, das ausschlägt mit allen Vieren und sich einfach unsere Liebe holt. Es zwingt uns, den Sack Möhren anzuschleppen und noch mehr.

Also, jetzt geht es darum, dir zu gestatten, dass Gott dir deinen Mund fröhlich macht. Aber für wie an uns angewachsen halten wir unsere Sorgen, für wie identisch halten wir uns mit unsern Sorgen. Wir sind auf dieser Erde, um zu arbeiten, und Gott arbeitet ja auch, das merkt man ja, also den Kosmos im Gang halten, braucht ja Energie, und woher kommt sie?! Ich wundere mich immer wieder, wie die Astrophysiker meinen, so aus dem Nichts kommen da immer wieder neue Energien. Von nichts kommt nichts, hatten wir doch mal gelernt, also was ist? Es ist ein ungeheures Energiefeld namens Gott, das will Dich glücklich machen und das ist nicht ein neutraler Magnetismus oder so was, das alles sind auch seine Techniken, sondern Gott ist ein Gegenüber, der dich bei deinem Namen ruft, dich meint und dich überhaupt erst zu dir selbst macht.

Wie wir uns gegenseitig behandeln - schon das Wort "behandeln" ist ja ein Unwort, - und trotzdem, wenn wir uns gegenseitig anreden, sprechen, dann ist ja der andere Informationsträger und ist Geldbesitzer und ist Weisheitsträger, und wir sehen im anderen Vertreter von Interessen, von irgendwas, was uns wichtig ist. Gleichzeitig sind wir ja natürlich auch Mann oder Frau oder Mann und Frau, manchmal mischt sich das ja zum Glück auch ein bißchen. Ehe wir dann zu dem einzigartigen Du kommen, nehmen und geben wir doch viel Sympathie, und darein sind Erinnerungen, Erwartungen, Hoffnung gemischt. Wieviel Mutter, Großmutter ist im Frauenbild jedes Mannes; und an den Vätern kommt doch keine Frau vorbei, entweder heiratet man das Contra des Vaters, oder man heiratet die Verdoppelung des Vaters, natürlich als jungen Adler, klar. Frage bleibt, wie können wir uns einzigartig persönlich annehmen? Ich glaube, wir brauchen für unser Selbstbewusstsein ein Ich, das zu dir spricht: „Fürchte dich nicht, du bist mein, ich habe dich bei deinem Namen gerufen“ (Jesaja 43,1) „eh ich noch nicht geboren war, da warst du mir geboren und hast mich zu eigen gar eh ich dich kannte erkoren“ (EG37).

Es kann sein, dass einer an Gott zweifelt, aber dass einer sagt, ich brauch Gott nicht, das wäre doch wahnsinnig; es kann sein, dass es Gott nicht gibt, aber es kann nicht sein, dass wir ihn nicht brauchen. Und dass ich ihn brauche ist mir mehr Gewissheit, dafür dass er existiert, als noch so viele intelligente Argumente dagegen. Der dich bei deinem Namen ruft und der deinen Mund fröhlich macht und du wieder jung wirst wie ein Fohlen…. Auch dadurch, dass Gott Gerechtigkeit und Recht schafft, allen die Unrecht leiden - das ist ein großes Problem, weil wir selber nur in Maßen daran beteiligt sind, Gerechtigkeit zu schaffen, wir alle die wir zum etablierten Teil der Menschheit gehören. Wir sitzen doch auf einem Haufen Privilegien, dass wir überhaupt so erweckt sind, heute morgen zur Kirche zu gehen und nicht zu schlafen, ist ja schon ein Privileg.

Also Gott schafft Gerechtigkeit und Recht und er leidet am Unrecht, er leidet das Unrecht. Das Unrecht, das darin besteht, dass Menschen mehr nehmen, als Ihnen zusteht, wenn sie liebten. Aber Gott hat uns ja so gebaut, dass wir nicht automatisch lieben müssen. Er hat uns am Hals, uns Egoisten und leidet unter uns und liebt uns. Das ist das Dilemma Gottes... Und dann ging der Vater hinaus zum ältesten Bruder und bat ihn, hinein zu kommen (Lukas 15). Gott bittet uns, so schafft Gott Gerechtigkeit und erzwingt nicht mit einer großen Keule die Gerechtigkeit. Wenngleich wir natürlich als Deutsche wissen, wieviel Unrecht geschehen kann dadurch, dass Unrecht nicht verhindert wird.

Der deinen Mund fröhlich macht, das gilt auch inklusive Vergangenheit, inklusiv dem, was uns obliegt und was als Erbe zu uns gehört, er handelt nicht mit uns nach unseren Sünden, vergilt uns nicht nach unserer Missetat, so hoch der Himmel über der Erde ist, lässt er seine Gnade walten, so fern der Morgen ist vom Abend, lässt er unsere Übertretungen von uns sein. Wie sich Eltern über Kinder erbarmen, so erbarmt sich der Herr über die, die ihn achten, er erbarmt sich auch über die anderen, die ihn nicht achten, sie hätten doch sonst gar keine Chance für den nächsten Atemzug, aber sie merken es nicht so deutlich und wir sind eben die Glücklichen, die mit so viel Gewissen ausgestattet sind, dass wir es merken, diese ungeheure Widmung: Gut, dass du da bist, gut dass du du bist. Gönn dich dir jetzt und sei so freundlich wie du kannst und mute auch ein Stück Wut zu dem anderen über dich, der kommt damit zurecht, sonst muss er eben einen suchen, der ihm hilft, dass er mit dir zurecht kommt, wir können nicht dauernd nur Rücksicht nehmen, wir müssen an die Vergebung der Sünden glauben. Wie soll man als Lehrerin vor die Klasse treten, wenn man alle gleich behandeln sollte, das geht schon gar nicht, die Liebe muss ja ungerecht sein. „Suum cuique“ - jedem das Seine, nicht dasselbe: jedem, was er braucht. Wir müssen zulassen, dass wir missverstanden werden, wir müssen auch zulassen, dass wir nicht geliebt sind, wir müssen manchmal hart werden, auch in der Klasse als Lehrerin.

Der letzte Teil ist mir ganz glückhaft, lobet den Herrn, Ihr seine Engel. Ich finde das so ganz schön, dass der liebe Gott Boten braucht, Menschen, Wesen, auch Schmetterlinge können Engel werden, wenn man sie als Engel annimmt. Engel müssen angenommen werden, sonst sind sie keine, auch Boten, Prediger, das sind entweder Engel oder Langweiler, dass liegt aber daran, ob sie angenommen werden, ob sie verstanden werden, ob sie eingeladen werden, ob einer zwei, drei Körnchen für sich mit nach Hause nehmen kann, die Wahrheit ist im Prozess, die Wahrheit ist doch zwischen uns, die Wahrheit ist auch zwischen Gott und uns, Gott hat sich gedemütigt, dass er nicht die Wahrheit ist, sondern die Wahrheit ist zwischen Gott und seiner Kreatur, die Wahrheit ist die Liebe und das Fröhlichsein.

Darum bitte, gerade wenn du matt bist. Jeder muß seine Methode finden, wie man ohne zuviel zu deformieren klar kommt, wir haben den Auftrag, Engel zu sein, die Gottes Wort "Gott liebt dich und Gott braucht Dich" - das ist Gottes Wort, dem anderen so sagen, dass er es annehmen kann, dass er in den Mantel dieser Zusage hineinschlüpfen kann und sich ihn anziehen kann. Die Idee mit den Klappflügeln, die man dem Engel anhängt, damit er weiß, dass er Engel ist, ist gar nicht so schlecht, beim Krippenspiel hatten wir das ja immer. Das man dem anderen Flügel andichtet, dem anderen zusprechen seine Fähigkeit, dass er von Gott gebraucht ist als Engel.

Und zeig dein freundliches Gesicht ab und zu; gut, Silvester kann man verschlafen und die Welt geht davon nicht unter aber Wahrnehmen, dass man noch viel darf, vielleicht sich noch mal verlieben darf, vielleicht noch mal das kaputte Verhältnis zum Geschwister ändern, noch mal wirklich entscheidend was für Brot für die Welt tun, tausend Sachen. Ach, wir haben noch vielleicht ein Jahr Zeit, wir hoffen es doch. Die Juden sagen nächstes Jahr in Jerusalem, wir sagen nächstes Jahr in St. Severin, wenn's sich trifft, Amen.


 




Service

Startseite
Druckvorschau

Presse-Feed EKD

© 1996-2024 Evangelische Kirche in Deutschland
Weitere News...  

 
Online 18