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Schatzkammer Kirche

Rundfunkinterview "Glaubenssachen" NDR - Kultur 5. Juni 2005, 8.40 Uhr

Schatzkammer Kirche - Über den Reichtum des Glaubens

"Nach 39 Jahren Pastordasein soll ich sagen, was das Schatzhaus Kirche zu bieten hat. Ja, es hat mich und meine Familie auskömmlich ernährt. Und ich hab ihm treu gedient. Ich habe aber auch oft gutgeheißen, was ich nicht mal hätte dulden dürfen. Auch war ich nicht frei von Gefallsucht - schränke ich also lieber ein mit Willy Brands Grabstein- Inschrift: "Man hat sich bemüht."

Doch, es hat schon was wiegeschrittartiges an sich: Mit Wehmut loslassen und die Freude nichts mehr zu müssen: Der Psalm 90 sagt dies Beiderlei klar: "Und wenn das Leben köstlich gewesen ist, so ist es Mühe und Arbeit gewesen." Ich weiß noch nicht , wer ich ohne die St-Severin Kirche bin und ohne das Gebrauchtwerden und die Aufmerksamkeit und das Suchen der einzig richtigen Worte. Aber die Gnade, nichts Katastrophales angerichtet zu haben, nicht vor Gericht gezerrt worden sein, keine Schulden, keinen beim Unfall schwerverletzt zu haben, nicht Gespött geworden- noch nicht: will sagen: Alles hat seine Zeit. Abschied ist jetzt gut. Und die Beute?

Ich kenne keinen Beruf , der umfassender mit Leben zu tun hat. Der Pastor, wenn er lange am Ort ist, überblickt Lebensläufe und sieht das Schicksal keimen und die Verwandlung von Trauer in neuen Aufbruch; aber auch, wie hochgemute Treueschwüre in Öde zerfallen. Viel Dummheit ist unter uns und Verdruss, viele Menschen konnte ich nicht erreichen. Ich wollte sie alle erwecken. Pfarrersein ist Hebammenarbeit- wollte helfen, daß sie ihr besseres Ich zur Welt bringen. Ich war Restlichtverstärker. Viele halten so wenig von sich, darum auch nicht viel von anderen- Irgendwas Anerkennendes suchte ich für jeden. Jeden wertschätzen, jeder Sohn oder Tochter Gottes- dies ihm in kleiner Münze austeilen, war mein Beruf. Einer sagte mal Seelsorger wären Bienen des Unsichtbaren...so etwa.

Soll ich mein Tun im Schatzhaus Kirche gliedern, dann so: Als Pastor sollte ich Hüter des Alltäglichen sein und Hirte das Jahr über und Wegweiser an den Stationen des Lebensbogen.

Kirche hat Religion im Alltäglichen bereitzuhalten, Kirche betreibt die Feste des Lebensbogen und gibt zu den Festen des Lebenslaufes das Sinnhafte hinzu. Eine herrliche Arbeit: Menschen staunen machen, was sie taugen und können und daß sie zu genießen wert sind. Leben soll keine Straf sein, die Nacht soll für den Schlaf sein, die Alten sollens erreichen, die Jungen desgleichen"so Brecht- und das im Alltäglichen, übers Jahr, übers Leben hin. Aufmerksamer Mitmensch sein im Alltag, im Heiligen Alltag und die Feste des Jahres feiern, die verschiedenen gottvollen Seiten des Daseins auftun im Jahreslauf. Und die Feste des Lebenslaufes den Menschen gewichtig machen: sie persönlich auf den Leuchter stellen.- Manche vergessen ja ihren eigenen Geburtstag, haben keinen, den Sie einladen- wenn man da kommt, und singt ihnen vielleicht ganz allein ein "Viel Glück und viel Segen"- ruft die vergesslichen Kinder an oder lässt sich erzählen von der großen Zeit- jeder hatte eine große Zeit- man muß sie nur erfragen. Und dann kommt Glanz auf ihr Gesicht.

Die Schätze des Lebens heben, das ist eigentlich die Begabung und der Sinn der Kirche. Ja, als Fachmann für Leben hab ich mich oft gebraucht gesehen- Allein die Gespräche im Konfirmandenunterricht. Sie kreisten um: Gott liebt dich und braucht dich- darum lebst du! Wir haben noch nie den Eltern gedankt, daß sie uns gezeugt und geboren haben- daß wir wir selbst wurden verdanken wir Gott, der uns ins Leben gerufen hat, mittels der Eltern. Daraus können junge Leute ein ungeheures Wissen entfalten: Geliebt, gebraucht vom Grund aller Dinge, wie du auch bist, du gut, du in einem guten Werden. Auch wenn die Eltern mal Ärger machen, oder andere dich nicht mögen: Das gräbt dir nicht dein Sein ab. Gottes Erfindung bist Du, sogar dein Daumen hat einen eigenen Fingerabdruck, dein Gewissen erst recht hat eine eigene Prägung.- Soviel Mühe gibt sich der Schöpfer aller Dinge mit dir, du sein Versteck, du sein Depot an Kräften Du, seine Filiale an Hilfe.

Ich sehe mich bei den Jungen und Mädchen als Trainer in Selbstbewußtsein aus tiefen Quellen. Der Psalm 23 ist dafür ein Lotsengrundtext: "Der Herr ist mein Hirte mir wird nichts mangeln... auch im finstern Tal .. bist du bei mir... Und ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar" - leben, nicht in der Fremde, sondern die Welt als Heimat, schon, ja doch.

Und im Supermarkt einfach reden, hören, über Kinder und Kranke, Schnäppchen und Träume - die deuten an der Fleischtheke, oder die Alleinerziehende mit der anderen gleichen Schicksals verknüpfen. Oder mit dem Filialchef immer mal reden über die schwierige Lage. Und mal zum Gemeinderat gehen, wenn der tagt, und mal danken für Gemeinsinnarbeit, und, und. Das ist ja nur ein Ausschnitt des Heiligen im Alltäglichen. Im Alltäglichen liegt Segen. Das ist auch so ein Schatz der Kirche: Nicht abfällig von der Arbeit reden, Luther hat das Arbeiten des Schuhmachers einen Gottesdienst genannt. Und es hat was Heiliges, mit Zerstrittenen reden, daß man die Waage baut, auf der die verschiedenen Interessen dann in die Wagschale gelegt werden können.

Schon die Lust, Menschen anzusprechen auf der Straße, den Verschatteten in der Kneipe zur Seite nehmen: Mensch, komm red: Du musst mal wieder hin zu deinen Eltern, auch wenn sie dir Unrecht getan haben, oder du das so denkst. Pastor im Alltag heißt auch wissen, wer kurzfristig die Kinder nehmen kann. Oder noch mal mit der Bank reden wegen des verschuldeten Hauses. Überhaupt, hat der Pastor eine ziemliche Achtung, wenn er selbst achtet, dabei offen und verschwiegen ist.

Das Alltägliche ist Gottes Acker. Hingehen zum Richtfest, ein Gebet sagen, eine segnende Gebärde tun, auf einmal ist ein glücklicher Ernst da, man geht feierlicher zum Schmaus und lässt die Flaschen kreisen einen Hauch nachdenklicher. Überhaupt zum Gelingen gratulieren, loben, anerkennen, wahrnehmen, die Mühe der Mitmenschen wahrnehmen - das ist: den Kirchenschatz unters Volk bringen. Jeder ist auch Stellvertreter Gottes dem andern, der Pastor besonders, darum nimmt man ihm auch so übel, wenn er nicht grüßt oder mundfaul scheint.

Also wenig Dünkel, normal - wie der Tierarzt: wenn er nötig ist, soll er da sein mit seinem Können, sonst ist er einer von uns, geht auch Einkaufen oder flickt das Fahrrad der Kinder. Und läßt den Müllwerkern was zukommen, ist den Bettlern eine gute Hausnummer. Im Alltäglichen den Kirchenschatz ausstreuen, das verlangt vom Pastor jedenfalls in einer übersichtlichen Gemeinde, viele Besuche machen und sich anständig benehmen, gute Nachbarschaft, Fairness gegen Mitarbeiter und Kollegen, vergeben können, um Vergebung bitten können: "Ich habs nicht so gemeint, verzeih mir, ich war schlecht drauf"- das sagen, öffnet den Himmel.

Man wird mehr geliebt, wenn man auch Schwächen zeigt, wird glaubwürdiger auch als Prediger der Vergebung, wenn man selbst auch Vergebung braucht. Man darf nicht Wasser predigen und Wein trinken, die Menschen wissen, was läuft: Nimm das sechste Gebot: Du sollst nicht ehebrechen - man muß es wie alle andern Gebote als Betroffener predigen. Dann kommt man schon selbst auf die bessere Übersetzung: nämlich: Liebe, und schütze Ehen.

Und wichtig: bei Krisen ansprechbar sein, Kirche ist für Krisen da, oder sie ist mal nicht mehr da.- Also im Alltag die Schätze des Lebens, die Schätze der Kirche ausbreiten ist das eine.

Ein anderes ist, im Jahreskranz die Schätze bereitstellen: Das fängt damit an, zu staunen, daß wir alle im Rohbau denselben Kalender haben: Die Tage heißen für alle gleich, jeder siebte Tag ist Sonntag und dann die Feste des Jahres, außer dem Tag der Arbeit und dem der Einheit haben alle Festtage kirchlichen Gehalt - wie leer wäre unser Kalender ohne das Grundmuster der gemeinsamen Feiertage.

Früher fing das Jahr mit 1.Advent an. Und auch heute bilden die etwa 24 Tage bis Weihnachten die erwartungsvolle Zeit. Dieses langsame auf ein Ziel Zugehen und Freude vorbereiten, noch in dem schlichten Kaufen und selbst - schön - Einpacken ist die Sehnsucht tätig, doch einem lieb und wichtig zu sein. Und nicht zu enttäuschen. Man muß das nur mal gedeutet bekommen. Und dazu ist Kirche im wesentlichen da: zu deuten, was los ist, nicht den Verkauf von Weihnachtsdeko schon im Oktober zu bekritteln. Am Fest der Liebe sind wir ganz tief berührt, da können wir so weit weglaufen wie wir wollen. Vom Kind in der Krippe geht ein Versprechen aus, ein Licht scheint in die Finsternis und du: Auch über dir leuchtet der Stern Gottes. Dies in die Seele sagen, umleuchtet von den Heimatliedern der Seele, und die Kinder hören ihre Väter singen - zu schön. Und eben auch so schwierig ist es, den fast Ahnungslosen Gottes- zur- Welt- Kommen in diesem Kind, in jedem Kind mit zu teilen.

Silvester, Neujahr predigte es sich mir leichter: Jahresringe schreiben, wenigstens eine Seite lang festhalten die privaten Ereignisse des Jahres- dazu anregen in Dank und Klage, das Jahr durchgehen, die Chancen, die Irrungen, die Schicksale, und ob man die Spuren gemerkt hat, wo Gott einen auf Händen trug? Auch die zwei, drei gemeinsamen Erschütterungen und Sensationen des Jahres noch mal aufrufen und den Weltenlauf bedenken. Dann mit "Nun danket alle Gott" und Orgelbrausen ins neue Jahr starten. Und die Glocken läuten über die Häuser. Neujahr dann mit einem guten Losungswort das neue Jahr als weites Land ausbreiten: Gott stellt deine Füße auf weiten Raum - so predigen, daß wir behütet und tatendurstig loslegen. Schön wars, schön wärs.

Dann Passionszeit. Sie ist ja zur Karwoche geschrumpft. Vielleicht ist nur noch Karfreitag merkbar. Am Abend vorher das letzte Mahl Jesu mit seinen Jüngern. Wir sind dazu einladen, wir auch Petrus, verleugnend, wir auch Judas, dem kein Hahn nachkräht. Wir auch Pilatus, der meint, seine Hände in Unschuld waschen zu können, Wir auch Simon von Kyrene, der das Kreuz dem Herrn eine kurze Strecke tragen soll, dann darf er wieder seines Weges gehen, und ist doch unvergesslich geworden. Jesus am Kreuz- warum? Immer wieder der Kampf ums Verstehen dessen, was höher ist als alle Vernunft.

2000 Jahre in der Sprachschule des Jesus lehrt uns eine Sohn-Tochter Stellung zu Gott und eine geschwisterliche zu einander. Wie aber die leben in schwieriger Lage? Wie, ich sag mal, in würdiger Haltung das Hiersein bestehen?

Ostern: das sind dann die Trompeten des Lichtes - der Sieg der Liebe, Sieg des Gottes der Güte und der Heilkraft. Zerfällt auch der irdische Leib wieder zu Erde , wird doch unser Ich auffahren mit Flügeln wie Adler. Nicht weil wir etwas Unsterbliches an uns haben, sondern weil Gottes Mitunssein für immer ist. Weil Gott uns liebt, wird es uns weiter geben- wie ist offen. Mit Neugier leben und sterben ist darum angebracht.

Wir werden auferstehen von Mangel, Dunkelheit und Tod. Das bildet ab, für jeden mit, der "Erstgeborene von den Toten." Ihm nach steht uns schon jetzt ein Leben zu, das den Tod schon hinter sich hat. Natürlich werden wir alle noch sterben, aber Tod als Vernichtung ist nicht mehr. Vor uns immer Gelobtes Land.

Natürlich muß so eine Ansage auch unterfüttert werden mit Gemeinschaftserleben jetzt: Die Osternacht mit vielen Kerzen, oder ein Osterfrühstück - sowas bekommen wache Gemeinden hin. Christen zeichnen sich aus durch Leidenschaft für das Mögliche, also Glück und Gemeinschaft anfaßbar machen, das ist dran. Himmelfahrt dann eignet sich prächtig für einen Familiengottesdienst und Pfingsten, das ist der Geburtstag der Kirche, da müsste ein Ökumenisches Zusammensein gelingen.

An jedem Sonntag ist ja Gottesdienst: Nach sechs Tagen Arbeit dürfen wir ausruhen und was für innen tun, uns stärken an der Zugehörigkeit zum Volk Gottes. Auch mal gut, diese Gemeinschaft üppig zu erleben wie eben beim Kirchentag oder wie in den großen Tagen in Rom. Da spürte man selbst durchs Fernsehen hindurch und selbst als Protestant die una sancta, die ganze heilige Familie. bei allen verschiedenen Meinungen sind wir doch ein Leib. Dies merken- auch im schütteren Häufchen der sonntäglichen Gemeinde, das soll uns gelingen.

Die Gottesdienste in den Urlaubsorten sind gut besucht. -Man will seine Zugehörigkeit auffrischen, auch wenn das Heimatgefühl zu Kirche dünn geworden ist. Aber da ist noch Gedächtnis, da sind noch Bilder biblischer Geschichten, die zu leuchten beginnen, wenn wir Josef in der Grube oder dem barmherzigen Samariter begegnen. Wir sind ja alle religiöser als unser Nichtzurkirchegehen zeigt. Rührend zu sehen, wie Menschen wieder "Die güldne Sonne" oder "Geh aus mein Herz und suche Freud" mitsingen- da war doch noch was- auch das Vaterunser ist wieder nah, wenn der Nachbar es mitspricht. Wir brauchen doch Lebensmut , so was wie Lebens-Frömmigkeit., "Das kann doch nicht alles gewesen sein, das bißchen Sonntag und Kinderschrein" (Biermann). Und Heiliger Geist des Auferstandenen ist doch die härteste Währung auf dem Markt der Gewissheiten. Man weiß doch, Kiche hat was zu bieten, nicht nur die Moschee. Man muß nur mal wieder hingehen, und im Urlaub passt das gut. Ich hatte richtig Freude in 29 Jahren Sylt verwahrloste Protestanten zu fischen. Und manch einer hatte Lust, wieder einzutreten. Er war im jugendlichen Hochmut ausgetreten, was kostet die Welt, und was krieg ich dafür. Keine Beschwerde. Aber so ab vierzig sieht man seine Grenzen und bekommt einen Geschmack für Dank und Staunen. Auch Kirchensteuer kann man fast begrüßen als kundenfreundliches Abbuchen der Zahlung, die man bei allsonntäglichem Kirchgang als guter Christ sicher in die Kollekte gäbe.

Also die sonntäglichen Gottesdienste speisen einen mit Glaube, Liebe, Hoffnung für den Alltag - nicht immer - auch spielt Sympathie eine Rolle, und die Freude aufs Wiedersehen mindestens einiger Mitmenschen, im Urlaub findet man leicht eine Gemeinschaft auf Zeit, schön wie ein Flirt.

Dazu hilft auch das Nachgespräch bei gutem Kaffee im Pastorat, und wenn ein Kind getauft wurde, laden die Eltern zum friesischen Nationalgetränk, dem Pharisäer ein. Abends dann eine Andacht mit meditativen Liedern aus Taizé, dienstags ein Gesprächsabend zu heißen Themen, Mittwoch ein Konzert, Donnerstag vielleicht eine Kirchenführung, Freitag Chor oder ein Seelsorgetermin - da ist schon Kirche anfaßbar nah.

Also - die Schatzkammer Kirche nutzen sonntags und anhand der Festtage im Jahreslauf. Erster Sonntag im Oktober ist Erntedank dran. Und neben Kürbissen und Brot, Blumen und Wein sollte der Mensch von heute auch die Ernte aus Produktion und Diensten, Kunst, Unterhaltung und Bildung am Altar vorfinden, ein PC sollte schon dastehen und ein Rollstuhl vielleicht auch. Dank ist ja die naheste Form von Religion, Gott die letzte Adresse für die Dank und Klage.

Am Volkstrauertag ist der Schmerz zu benennen, der durch unser Volk über die Menschheit kam, Bußtag dann ist ein guter Tag, seine ureigenste persönliche Umkehr anzudenken. Und an Totensonntag werden die Namen derer verlesen, die uns übers Jahr vorausgegangen sind ins "Haus von Licht"- immer können auch die Namen der eigenen Nächsten mit zum Aufruf kommen.

Ja, und während die Tage dann immer dunkler werden, nimmt die Gegenbewegung an fahrt auf: Kirche steht für Advent, Ankunft, vorn immer Freude, Geburt: es soll nicht dunkel bleiben über denen in Angst.

Und man kann die Schätze der Kirche auch auftun anhand der Hochzeiten im Lebenslauf. Der Lebensbogen hebt ja an mit Zeugung und Geburt. Dann melden die Eltern beim Standesamt den neuen Erdenbürger, erkennen ihn an als ihr Kind. Kirche hält dazu das wichtigste Siegel der Menschheit bereit: Du, Mensch getauft in Gott, Gott erkennt dich an als sein Kind: Du geliebt, gebraucht auf immer. Gut tut bald ein Kindergarten mit christlicher Prägung. Der Gottesdienst zum Schulanfang ist Freude für alle Generationen.

Irgendeine Gemeinde in der Nachbarschaft bietet auch Kindergottesdienst an, Arche Noah muß man gespielt haben und im Krippenspiel Maria oder Josef, Hirte oder König aus dem Morgenland gewesen sein. Der Abbruch an Tradition ist dramatisch.

Die Konfirmation dann segnet das Kind zum Erwachsenwerden ein, stellt den jungen Menschen unter den Auftrag des eigenen Gewissens und der eigenen Berufung. Vorher haben die Kinder hoffentlich zuhause und im Religionsunterricht die Fremdsprache der Symbole gelernt. Es muß mit ihnen gebetet worden sein, und die grundlegenden Fragen brauchen den Horizont der Hoffnung. Im Konfer dann mögen die Jugendlichen in ihrer schwierigen Zeit eine wache Kirche erleben mit hellsichtigem Pastor / Pastorin. Glaubensbekenntnis und Zehn Gebote, Psalm 23 und Vaterunser sind das Minimum an Lernstoff. Sie müssen doch was wissen vom Glauben der Eltern und Vorfahren- wenigsten 20 Sätze über christlichen Glauben müssen sie flüssig über die Lippen bringen, sonst haben wir Älteren sie doch bestohlen.

Ich weiß nicht wie man heiraten kann, ohne sich annehmen zu wollen aus Gottes Hand, sie müssen sich doch sagen: ich will dich lieben und ehren, in Freude und Leid nicht verlassen und mit dir bleiben bis daß der Tod uns scheide. Diese Weite muß die Liebe vor sich haben, wenn sie für Ehe bestimmt sein will. Die beiden müssen wissen, daß sie einander anvertraut sind von Gott, vom Schicksal, dann können sie auch passend werden im Laufe der Zeit.

Beim Standesamt tut man seinen Ehewillen kund, der Notar des Staates trägt einen in das Ehestandsregister ein, das ist die Eheschließung. Die Trauung ist was ganz anderes- da lassen die beiden sich von Gott anvertrauen- Das ist der Stoff aus dem das Zusammengehören immer neu genährt wird, wenn es gefügt ist.

Zur Silbernen und Goldenen Hochzeit hält die Kirche Dankliturgien bereit. Allein "Lobe den Herrn, den mächtigen König der Ehren " ist in seinem Glückspotential gar nicht auszuschöpfen. "Der dich erhält, wie es dir selber gefällt, hast du nicht dieses verspüret"? kann man nicht jederzeit singen aber es ist ein großes Bekenntnis zum Gott der Liebe und Freude. Kirche macht, er nicht zur Sprache kommt.

Und wenn der Lebensbogen sich neigt, die Beerdigung. Wo und wie denn sonst wird einem Menschen noch mal ein liebevoller Nachruf gewidmet. Und das leben als Vorwort als Ouvertüre angesagt. Und wer richtet die Hinterbliebenen auf? Hinterbliebene heißen wir ja, weil wir im Lauf des Lebens uns noch auf der Strecke mühen, noch die Dahintengebliebenen sind, gemessen an denen, die schon am Ziel sind, im Glück. Und wir kommen nach.

Unser Lebensbogen steht in Gottes Hand. Das ist mir wegweisend für unser ganzes Denken, Wir müssen Gott denken, sonst würden wir unser doch Denken enthaupten. Die Kirche ist oft blass und verrammelt, aber letztlich ist Kirche ein Schatz, sie hebt nicht Asche auf, sondern hält ein Feuer am Brennen, das auch die wärmt, die vom Gegenteil überzeugt sind."


 



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