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Keitumer Predigten   07.11.1999

Die Hochzeit zu Kana. Johannes 2, 1-11:

Und am dritten Tage war eine Hochzeit in Kana in Galiläa, und die Mutter Jesu war da.
Jesus aber und seine Jünger waren auch zur Hochzeit geladen.
Und als der Wein ausging, spricht die Mutter Jesu zu ihm: Sie haben keinen Wein mehr.
Jesus spricht zu ihr: Was geht’s dich an, Frau, was ich tue? Meine Stunde ist noch nicht gekommen.
Seine Mutter spricht zu den Dienern: Was er euch sagt, das tut.
Es standen aber dort sechs steinerne Wasserkrüge für die Reinigung nach jüdischer Sitte, und in jeden gingen 100 Liter.
Jesus spricht zu ihnen: Schöpft nun und bringt’s dem Speisemeister! Und sie brachten’s ihm. Als aber der Speisemeister den Wein kostete, der Wasser gewesen war, und nicht wußte, woher er kam – die Diener aber wußten’s, die das Wasser geschöpft hatten – ruft der Speisemeister den Bräutigam und spricht zu ihm: Jedermann gibt zuerst den guten Wein und, wenn sie betrunken werden, den geringeren; du aber hast den guten Wein bis jetzt zurückbehalten.
Das ist das erste Zeichen, das Jesus tat, geschehen in Kana in Galiläa, und er offenbarte seine Herrlichkeit. Und seine Jünger glaubten an ihn.
Was ist das für ein Signal? Die frühe Christenheit erzählt: Als erstes Zeichen, das man sich von Jesus merken muß, das ist: Er hat bei einer Hochzeit für Wein gesorgt.
Und was zeigt dies Zeichen? Doch dies: Zwischen Gottessohn und Menschen ist das eine Liebe auf den ersten Blick. Typisch Jesus: Er macht Freude, hilft aus der Not.
Ach, ich bin glücklich über dies Markenzeichen. In Jesus stellt sich doch Gott zur Schau, wird Mensch, Gott zum Anfassen. Und wie präsentiert er sich? Als Freund des Lebens, als Freudenmeister.
Wir selbst sind unsicher, ob das Jesu erster Beruf ist. – Lernten wir ihn nicht als Gewissensschärfer mit seinem „ich aber sage euch!“ oder als Gottes Heiler, den wir nur bestaunen können, oder als Opfer, das der Welt Sünde vor Gott abträgt? Jesus als Vorkämpfer für Askese und Gehorsam – die Bilder aus der Kunstgeschichte zeigen auch den Christus-Imperator, der zu Kreuzzügen auffordert; wie dachte man im „Zeichen der Rose“ sich Jesus? Als den, der das Lachen verbietet; und die Gottesdienste der Christenheit – einer sagte, sie haben alle einen Hauch von Martyrium bei sich.
Gern haben sich die Vormünder den Jesus als Markenzeichen genommen und sich aufgespielt als Gerichtsvollzieher von Christi Gnaden. –
Wie nannte Johannes, der Täufer des Jesus, die Menschen: Ihr Schlangenbrut, ihr Otterngezücht. – Jesu erste Tat hätte Gehorsamfordern sein können, am Anfang hätte eine Bußübung stehen können, die zu Verzicht und Askese zwingt, eine Donnerpredigt, Strafgericht – und man bleibt kleingemacht und abgebrannt zurück.
Darum ist die erste Tat Christi so ein Glück! Gottessohn ist Menschenbruder – seine erste Tat: Er hilft einem Brautpaar aus der Patsche.
Und das ist keine Laune, kein Zufall. Das ist Programm:
Wo die Menschen sich bei ihren besten Möglichkeiten treffen, wo sie Hochzeit haben, im Zenit, auf dem Höhepunkt ihres Daseins sind – da tritt Jesus stärkend und helfend hinzu. Viele sollen mitfeiern, eine Hochzeit ist ein Fest, Himmel und Erde feiern mit: Zwei verbünden sich hoffentlich für immer, und viele kommen, festlich gekleidet, von nah und fern. Und das Fest ist gerade in vollem Gange. – Da ist schon der Wein ausgegangen, und man kann nichts nachholen. Einfach zu viele sind gekommen, man hat sich verschätzt. – Und da, gleich, bricht der Skandal los, nur noch ein Thema, die Pleite, das böse Omen, der Lächerlichkeit ausgesetzt der Bräutigam. Und die Sippe der Braut, gleich fühlt sie sich düpiert: Nicht mal das schafft er, und der will unser Kind – kommt, das ist doch die Höhe. Das nicht mit uns!
Da, Jesus läßt unauffällig seine Beziehungen spielen, besorgt Wein in Fülle; selbst der Bräutigam hat nichts gemerkt. Dank der aufmerksamen Mutter Jesu hat das Personal gespurt – die Mutter bekommt später in der Überlieferung einen Rüffel verpaßt: der Herr Jesus Christus habe keine Belehrung nötig. Das sind Spuren von Einschätzungen in der frühen Christenheit, braucht uns nicht zu interessieren. – Jedenfalls handelt Jesus so diskret, daß erst die bessere Qualität des Weines dem Schankmeister zu denken gibt. Gerade nicht liegt das Gewicht auf der Machart des Wunders, die Aufzählung der Kübel und Gefäße legen da eine falsche Fährte.
Mir ist inzwischen völlig uninteressant, wieviel Naturgesetze Jesus außer Kraft setzte für dies Wunder. Das härteste Naturgesetz ist: „Halt deine Kräfte für dich. Hier bist du – der andere ist weit weg, es sei denn, er gehört zu deinem engsten Kreis.“ Dies Naturgesetz bricht Jesus. Er mischt sich ein. Er sieht die Not des Bräutigams als seine eigene. Das ist das Wunder.
Wie er den Wein besorgt, ist seine Sache. Aber wie wir den Wein der Freude einander besorgen, ist unsere Sache.
Alle Aussagen von Theologen, daß Jesus doch nicht Wasser in Wein verwandelt haben kann, verwischen, worum es Jesus geht: Wo Liebe bedroht ist durch Mangel, da unterstütz, da hilf aus, da spring ein, da sorg dich drum. Wie? Da sieh du zu; du hast genug Gaben, Beziehungen, Ideen, kannst andere zu Hilfe holen.
Hauptsache ist: Mangel muß beseitigt werden, Blamage muß verhindert werden. Dazu nimm, was dir zu Gebote steht. Alltägliches. Wasser. Was eben da ist, nimm es in Dienst.
Ich war gestern zu einem landesweiten Kirchenvorstandstag in Neumünster. Drei Jahre im Amt – die Hälfte der Zeit, für die die Frauen und Männer gewählt sind – das sollte gefeiert werden. Mehr als 600 Menschen kamen. Sie berieten und sangen mit einem pfiffigen Liedermacher und – auch wurden Szenen aus der Hochzeit zu Kana gespielt. Ein Stück ging so:
Ich habe kein Geld – angeschrien von einer: Ich habe keine Hoffnung. Und die, die kein Geld hatte, hob plötzlich den Kopf: aber ich habe Mut. Und die, die keine Hoffnung hatte: ich habe etwas Geld. –
Nach ziemlich deprimierten vielen Stimmen: ich habe keinen Wein – doch das Besinnen: Etwas habe ich auch.
Da kann das Fest noch einmal vorsichtig beginnen: Das Verknüpfen der Begabungen und Bedürfnisse.
Ist das Leben nicht ein riesiger Organismus, der gibt und nimmt und wird, auch im Vergehen wird und reift. – Wir Glieder an einem Leib, der das Leben heißt oder Gott. Der Name Gott für das Große Ganze hält fest, daß darin ein Wille uns will und wir Gefährten, Partner, Mitgestalter, Mitausrichter eines Festes sind. Und wir, du, ich mitverantwortlich für das Gelingen des Lebens als Fest sind, also auch aufgefordert, die Risiken des Lebens richtig einzuschätzen.
Jesus bei der Hochzeit geht nicht abseits und schüttet Gott sein Herz aus über die Grausamkeit des Lebens, sondern hilft im Rahmen seiner Kräfte. Er unternimmt was, daß das Fest festlich bleibt. Er läßt Freude geschehen.
Eigentlich ist diese Geschichte auch eine Wesensbestimmung von Kirche: Das ist der gute Ort im Quartier: Wo Freude liquide wird, wo Mangel auf Fülle stößt. Und wer da hat, dem wird beim Abgeben noch dazu gegeben. Wer nur zurückhält, wird verdorren verschmachten. Das Weizenkorn das allein bleibt, stirbt ab. Aber wer sich ausgibt, der gewinnt mehr Leben.
Wir müssen unsere Gaben zu Markte tragen. Was von uns ausgeben, daß wir was von andern einnehmen können. Amen.
 


 



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