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Keitumer Predigten   Traugott Giesen   15.08.1999

Fröhlich seinen Weg gehen

Apostelgeschichte 8, 26 - 39: Aber der Engel des Herrn redete zu Philippus und sprach: Geh zur Straße, die von Jerusalem nach Gaza führt.
Und er ging. Da kam ein Mensch auf einem Reisewagen, der Kämmerer am Hof der Kandake, der Königin von Äthiopien, welcher ihren Schatz verwaltete, der war nach Jerusalem gekommen, um anzubeten.
Nun zog er wieder heim und saß auf seinem Wagen und las in Heiligen Schriften.
Der Geist aber sprach zu Philippus: Geh hin und halte dich zu diesem Wagen!
Da lief Philippus hin und hörte, daß er den Propheten Jesaja las, und fragte: Verstehst du auch, was du liest?
Er aber sprach: Wie kann ich, wenn mich nicht jemand anleitet? Und er bat Philippus, aufzusteigen und sich zu ihm zu setzen.
Der Inhalt aber der Schrift, die er las, war dieser (Jesaja 53, 7.8): „Wie ein Schaf, das zur Schlachtung geführt wird, und wie ein Lamm, das vor seinem Scherer verstummt, so tut er seinen Mund nicht auf.
In seiner Erniedrigung wurde sein Urteil aufgehoben. Und nun: Wer kann seine Nachkommen aufzählen?.“
Und der Kämmerer sprach: Ich bitte dich, von wem redet der Prophet das, von sich selber oder von jemand anderem?
Philippus aber tat seinen Mund auf und fing mit diesem Wort der Schrift an und predigte ihm das Evangelium von Jesus.
Und als sie auf der Straße dahinfuhren, kamen sie an ein Wasser. Da sprach der Kämmerer: Siehe, da ist Wasser; was hindert's, daß ich mich taufen lasse?
Und er ließ den Wagen halten, und beide stiegen in das Wasser hinab, Philippus und der Kämmerer, und er taufte ihn.
Er zog aber seine Straße fröhlich.
Ja, das wollen wir auch, unsere Straße fröhlich ziehen. Gibt es einen Freudenstoff jenseits der chemischen Glücksbringer – nichts gegen diese; gut, daß es die gibt – Nothilfe gegen chemische Mängel; nicht Freude, doch Trost, Linderung gegen schwarze Zustände. Aber fröhlich ist was anderes.
Wir wünschen uns, froh zu sein. Heitere seelische Gestimmtheit, fröhlich seinen Weg zu machen, will jeder. Dies Angerührtsein von Zufriedenheit – ja bitte, gib mir mehr davon; jedes Morgengebet, ob gesprochen oder geahnt, handelt davon. Es wäre feine Beute aus diesem Gottesdienst fröhlich seiner Wege zu gehen.
Also: Der Schatz der Christenheit ist ja, daß wir uns in einer guten Geschichte wissen. Die Zeitläufe sind noch durchwachsen, aber ein gutes Ende ist angesagt: Reich Gottes das Ziel. Und wenn wir beten: Dein Reich komme, dann bitten wir auch: Dein Reich komme uns entgegen. Der Weg, der uns aufgegeben ist, schiebe sich freundlich unter unsere Füße. Der Schatz der Christenheit ist das Wissen, in einer guten Geschichte, einer Geschichte mit gutem Ende zu sein, und du bist darin eingebettet. Dieser Wissensschatz wird dargereicht durch herrliche Geschichten von Abraham, dem Volk Israel, von Jesus und, ja da ist eine ganz anrührende, versteckt in der Apostelgeschichte:
Der Finanzminister der Kandake, der Königin von Äthiopien, war nach Jerusalem gekommen um anzubeten. Er hatte sich Heilige Schriften für den Rückweg mitgenommen, studiert sie im Reisewagen. Ein Mensch hört ihn laut lesen und ruft ihm zu: „Verstehst du auch, was du liest?“ „Dich schickt der Himmel“ sagt der, heißt ihn aufsteigen und fragt: „Von wem ist die Rede hier in der Rolle des Propheten Jesaja? Hör dir das an – wer ist da gemeint: Wie ein Schaf, das zur Schlachtung geführt wird, und wie ein Lamm, das vor seinem Scherer verstummt, so tut er seinen Mund nicht auf. In seiner Erniedrigung wurde sein Urteil aufgehoben. Und nun: Wer kann seine Nachkommen aufzählen?“
Der Christ Philippus ist sich sicher: Das ist eine Weissagung auf Jesus, vor 700 Jahren ausgestellt: Der hat sich tief ins Leben gestemmt, der hat die Wunden verbunden und Gefangene besucht, der hat den Frauen Selbstbewußtsein zugesprochen und den arroganten Machthabenden auf den Kopf zugesagt, daß sie Rechenschaft schulden. Der hat von Gottes Güte glutvoll gesprochen. – Da hat er Prügel bezogen von den Stützen der Gesellschaft, er ist wegen Gotteslästerung ans Kreuz gebracht. Und tat seinen Mund nicht auf. Hielt zu Gott, auch wenn der ihm dunkel geworden war. Doch in seiner Erniedrigung wurde sein Urteil aufgehoben. Gott hat ihn zum Sohn, zum Mund Gottes ausgerufen. „Der Stein, den die Bauleute verworfen hatten, der ist zum Eckstein geworden.“ – Wer kann seine Nachkommen zählen? – könnte Vorblick sein auf eine Christenheit, Menschen mit geläutertem Blick, mit Zusammengehörgefühl aus Zu-Gott-gehören.
Philippus jedenfalls sieht mit der Christenheit eine Art neuer Menschlichkeit auftauchen. Wer dem Jesus nachlebt, ihm zugehören will, angelernt von seiner Sicht, der sieht die Welt neu. Getauft in die Verbundenheit mit ihm, wirst du eingetaucht in eine Weltsicht, die von Gott und heiligem Geist durchflutet ist – das wäre Leben.
Und der Hofbeamte sagt: Ja das will ich so haben, das soll für mich stimmen. Da ist Wasser: Was hindert’s, daß ich getauft werde?
Der Äthiopier erkennt sein Zugehören an zu Gott, der Jesus als Dolmetscher seiner selbst nimmt. Hier kurz auf den Punkt gebracht, warum Jesus wichtig ist: Weil gestochen scharf an ihm klar wird: Der Sinn des Lebens hat mit Hingabe zu tun, du mußt dich dem Leben widmen, du mußt dich hinhalten, bücken ohne zu buckeln, du mußt der Liebe dienen und wirst daran zwar in die Enge getrieben aber kommst darin nicht um. Du bereitest weites Land. Dienen ist die göttliche Weise, mit zu bestimmen. „Jeder ist zum Hüter mehrerer Leben bestellt, und wehe ihm, er findet die nicht, die er hüten muß. Weh ihm, wenn er die schlecht behütet, die er gefunden“ (Elias Canetti).
Der Kämmerer erkennt das Muster des Jesus als sinnvoll an – sich taufen lassen heißt, dem Jesus nach zu glauben. Ihm nach den Mut zu sein entwickeln, immer wieder Kraft beziehen aus dem Zu-Gott-gehören und für ihn mitverantwortlich sein.
Wir hier sind meist als Kleinkinder auf den Armen der Eltern getauft. Sie entschieden für uns, daß der Christen-Glauben auch unserer werden sollte. Dieser Glaube ist wesentlich passiv: wie ich ja nicht beschließe, den Eltern zu vertrauen, sondern ich mich im Vertrauen zu den Eltern vorfinde, so macht mein Glaube nicht die Beziehung zu Gott, sondern ich bin in Beziehung zu Gott, finde mich vor als einer, über den zu leben beschlossen ist, zu leben mit Dank und Hoffnung über mich hinaus.
Auch wenn ich auf eigenen Füßen zur Taufe komme, glaube ich doch, daß Gott mich leitet. Und ich letztlich mit der Taufe nur bestätige mein Begehren, zu einem guten Ganzen zu gehören. Bin ich erwachsen und nicht getauft, muß ich wissen, was ich tue. Ich lasse diese Entscheidung meiner Eltern wirksam sein, mit jedem Tag bestätige ich ihre Entscheidung. Es sei denn, ich bin längst fällig, und räume diese Mischung aus Zweifel, Bequemlichkeit, Treue zu Eltern, Unlust was zu ändern, räume diese Mixtur weg. Da ist Wasser und christliche Gemeinde; was hindert’s, daß ich mich taufen lasse?
Und er zog seine Straße fröhlich...
Das ist viel mehr als ein privates Michwohlfühlen. Gern würde ich hier Robert Musil einspielen: „Ungemein viele Menschen fühlen sich heute in bedauerlichem Gegensatz stehen zu ungemein vielen anderen Menschen. Es ist ein Grundzug der Kultur, daß der Mensch dem außerhalb seines eigenen Kreises lebenden Menschen aufs tiefste mißtraut, also daß nicht nur ein Germane einen Juden, sondern auch ein Fußballspieler einen Klavierlehrer für ein unbegreifliches und minderwertiges Wesen hält ... diesen Zustand einer ungewissen, atmosphärischen Feindseligkeit, von dem in unserem Menschenalter die Luft voll ist.“
Fröhlich meint dagegen eine ungewisse atmosphärische Freundschaftlichkeit, ein Friedlich-Gestimmtsein gegen den andern – ein Interesse am Fremden, das doch mein Verwandtes noch werden könnte.
Fröhlich meint eine unbekümmerte Gastfreundschaft, auch ein In-Obhut-nehmen: Solange ich da bin, passiert dir Kongolese, dir Irani nichts. Im Gegenteil, ich fühle mich geehrt durch dein Hiersein und will von deiner Fröhlichkeit lernen.
Fröhlich meint auch beherzt unserm Verdruß überlegen zu sein. Verdruß, Müdigkeit und Bitterkeit liegen beieinander. Seien wir ausgeschlafene Leute, wach, mit einem Schuß Disziplin, Höflichkeit, Fairneß und in geziemender Eile. Fröhlich, das ist mit einer freudigen Vorstellungskraft dasein, auch mit Lust gute Arbeit zu verrichten.
Fröhlich heißt, es dahin zu bringen, an etwas, das ich gemacht habe, mich in Ruhe zu freuen.
Fröhlich zehre ich die Zeit nicht aus mit Zweifeln und Vorwürfen, lasse die Mitmenschen ihr Glück machen, suche es zu befördern.
Ist jemand fröhlich, sollen wir nicht sauer sehen wie die Heuchler, die etwas Besonderes sein wollen und sich mit ihrem unpassenden Ernst allein für weise und herrlich ausgeben. Es soll uns ihre Freude gefallen.
Fröhlichkeit verscheuchen, verderben, ist Lob wegnehmen.
Fröhlich sein, ist eine Schutzhülle haben, ist Umfangensein. Das ist Nachbild der Geborgenheit in der Mutter, was letztlich Sinnbild für von Guten Mächten wunderbar geborgen ist. Die Taufe wiederholt auch und bildet ab das Eingetauchtsein in Gott. Und jede Fröhlichkeit ist ein Atem aus dieser Geborgenheit.
Wichtig auch ist froher Mut; dies Wort von Luther: Tritt frisch auf, mach’s Maul auf, hör bald auf. Amen.
 
 
 


 



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