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Keitumer Predigten   Traugott Giesen   18.07.1999

Christ sein, heißt an Gott glauben wie Jesus

Wie gehört Jesus und Christus zusammen? Der Mensch und sein Beruf, Mann und Titel? Biographie und Wesen? Jesus von Nazareth und Christus, der „Gesalbte“, der König? Der historische Jesus und der Christus des Glaubens – so legte man auseinander und hielt zusammen zwei Seiten einer Medaille: Glauben wie Jesus oder beten zu Christus?
„Guter Meister“ sprach einer Jesus an. Und der knapp: „Was heißest du mich gut. Niemand ist gut denn Gott allein.“ Dagegen Paulus (Philipper 2, 9 - 11): Gott hat ihn erhöht und hat ihm den Namen gegeben, der über alle Namen ist, daß in dem Namen Jesu sich beugen sollen aller derer Knie und bekennen sollen, daß Jesus Christus der Herr ist.
Ganz schlicht: Christ sein, heißt an Gott glauben wie Jesus. Anhand des Jesus an Gott glauben, wie ihn Jesus uns vorlebt und ansagt, ist christlich. Erforscht und ausgelotet hat er das Geheimnis der Welt, ist vollmächtiger Ausleger des Willens Gottes. Und er ist auferstanden in Gott. Wie die uns Gestorbenen von Gott eingeatmet sind, so Jesus auch.
Reicht das oder ist Jesus mit noch mehr Bedeutung beladen?
Es gibt hochaufgerüstete Theologien: Er galt Früheren auch als der wiedererstandene neue David, König der Juden, der die Römer verjage, Jesus wurde unter diesem Titel gekreuzigt. Und: Gott ist in diesem Einen Mensch geworden, und Gott hat nur ein Kind, der Eine, der einziggeborene Sohn. – Dagegen: Jesus der Erstgeborene unter vielen Brüdern und Schwestern, der uns den väterlich-mütterlichen Lebenshintergrund aufdeckt; aber auch der Messias oder der Richter, der das Ende der Tage mit großem Strafgericht herbeiführt, und der Herr der Welt, zur Rechten Gottes thronend, als Kanzler Gottes – der aber dann doch mit Gewalt zum Gehorsam zwänge.
Ein besonderes Ereignis hat für Theologen den Jesus in den Christus verwandelt, den Menschen in den Gottesstand erhoben: Tod und Auferstehung. Der so gehorsam lebte, inklusiv Kreuz, der sich nicht vom Lieben abbringen ließ, sich auch im Finstern in Gottes Hand wußte, den hat Gott durch den Tod verwandelt, veredelt, geadelt zum Sohn. – Mag sein.
Gott hält viele Deutungen aus. Der große Philosoph Ernst Bloch sagte mal: „Der Herd unseres Existierens, an den noch kein Mensch trat, bleibt vorerst ungefunden und unausgelöscht.“ Mir ist wichtig, dem Volk Israel und dem Jesus nachzuglauben, auch die Dunkelheit von Sinn auszuhalten. Hinter Israel und dem Jesus her halte ich das Bleiben in Gott für wahr.
Frühere Theologen haben Lehrgebäude über Himmel, Gott und Christus entwickelt, tausende von Buchseiten schwer, aber es genügt wohl erst mal: Jesus – das Fenster Gottes. Ich schaue durch ihn den Menschen, wie er gemeint ist, sehe mich, wie ich als Kind Gottes gewollt bin und will dem nicht zu arg im Weg zu stehen.
Im Johannes-Evangelium stehen die wunderbaren Titel für Jesus: Ich bin das Brot des Lebens, das Licht der Welt, der Weg, die Wahrheit, Quelle des Lebens, der Weinstock.
Ich bin dir Brot des Lebens = wovon sich deine Seele nährt: Pfand für dein Geliebtsein – du bist gewollt vom Sein-Geber.
Ich bin die Quelle für deinen Durst nach Freude: Ich bin in dir Wasser des Lebens. – Du siehst dich von Angst versklavt, aber ich bin der Freispruch dir: Du gut. Dir sind die Füße auf weiten Raum gestellt. Du kannst dich in die Sonne setzen und die stille Wonne, du zu sein, genießen. Du brauchst dir nicht minderwertig vorkommen, nicht als gehetzt; du hast zwar Pflichten, aber sie fressen dich nicht auf – du bist eingetaucht in Freude.
Im Licht des Jesus stehen, meint: Über dir das Leuchten von Gottes Wohlwollen. Wie ein Mutterantlitz dem Kind das Wohlwollen der Welt spiegelt, so ist die Jesus-Ikone auf deine Seele graviert.
Also es genügt nicht, an Jesus Christus in dem Sinne zu glauben, daß ich sage: Ja, ich halte für Tatsache: er ist der Sohn Gottes, er ist gekreuzigt, gestorben und begraben. Es genügt nicht, für passiert zu halten: geboren und auferstanden, berufen zum Richter der Welt.
Ich glaube, heißt: Ich vertraue dem Jesus. Der damals Gottes Wesen enthüllt hat, wie die Bibel von ihm erzählt, das leuchtet mir ein – er ist der Weg zu Gott; er ist die Wahrheit über mich; er ist das Leben in dem Sinne: der Sinn von allem ist Liebe.
Einmal heißt es: „Ich bin die Tür“. Ja, durch Jesus hineingehen wie durch eine Tür, in eine neue Lebensart – das ist wohl Christ sein.
Jesus stiftet ein Vertrauen an, das es überflüssig macht, wegzunehmen oder zu töten, um am Leben zu bleiben; Herrsein geht nicht anders als zu dienen (Markus 10, 35 – 40). Jesus stiftet uns an zu einer defensiven Lebensweise, wo du nicht vor Gericht zwingst; wenn dich aber einer vor Gericht zieht, dann werde noch auf dem Weg mit ihm einig; und eh dir einer 20 Mark abbittet, gib ihm 40 Mark (nach Matthäus 5, 38 ff).
Auch glättet Jesus die Wogen unseres Lebensmeeres: Die aufgescheuchten Seelen, die sich mit Schwermut quälen – denen erzählt er doch die Geschichte vom Schlaf im Boot auf den Riesenwellen – dir singt doch Jesus: „Dies Kind soll unverletzet sein“. Und du weißt doch innen, daß der Jesus in deiner Seele steht als Bild vom Freund, vom Hirten. In dir ist eine Hand, die dich hält.
Und du, wenn du dich niedergezogen siehst von Makel um Makel, dann sieh dich von Jesus erhoben. Es ist einer, der an dich glaubt, ein Heiland, der dich nicht für vollkommen erklärt aber für vollständig. Spürst du diese Burg in dir, dieses kindlich unüberwindliche Vertrauen, doch zu taugen. Das ist der Jesus, der in dir dich zusammenhält, der nicht außen bleibt wie ein steinernes Denkmal.
Seid gesinnt, wie Jesus Christus es auch war. Der hätte sich von allen bedienen und hofieren lassen können. Aber er diente und ließ sich umbringen für die Liebesbotschaft von Gott. Gott hat ihn aus dem Staub erhoben, hat ihn auferweckt und zu sich gezogen. Und hat ihn gekrönt mit Teilhabe am Ewigen. Und doch nutzt er das nicht aus, sondern ist mit uns unterwegs, hilft uns zu Weg, Wahrheit und Leben, bewegt uns, daß wir von seinem Wesen essen und trinken: Daß wir uns geliebt wissen vom Geheimnis der Welt und Liebe üben – ist christlich glauben.
Dann ist Jesus nicht nur ein Dolmetscher des Willen Gottes um das Jahr 30 der Zeitrechnung. Er ist das Bild der Liebe Gottes auf dem Grund jeder Menschenseele, Garant für die Beziehungstreue Gottes. Jesus ist die uns zugewandte Seite Gottes, kein zweiter Gott, sondern Gottes Strahlkraft in Engelgestalt. ja, wer mit Engeln ein gutes Verhältnis hat, der lasse sich Jesus seinen ersten Engel sein.
Jesus –Gottes uns zugewandte Seite – dann können wir zu ihm beten oder in seinem Namen zu Gott; wir treffen immer den, der Alles in Allem ist, der das Leid der Welt leidet und die Freude spürt. Jesus bürgt für die Bodenhaftung des Ewigen.
In einer unübersichtlichen Welt gewährt uns Gott bisweilen Augenblicke, in denen wir vollkommen ruhig sind. In solchen Augenblicken fühle ich, daß ich liebe und geliebt werde. Und angeschlossen bin an Schönes, Weises, Mutiges und Vollkommenes. Ich nenne es mit der Christenheit Jesus Christus und kläre mir so, daß ich ins Schöne gehalten werde, vom Weisen genährt werde, vom Mutigen geweckt werde, dem Vollkommenen nicht verloren gehe.
Und Albert Schweitzer am Schluß seines 400 Seiten starken Jesusbuches: „Als ein Unbekannter und Namenloser kommt er zu uns, wie er am Gestade jenes Sees an jene Männer herantrat, die nicht wußten wer er war. Er sagte dasselbe Wort: Du aber folge mir nach! Und er stellt uns vor die Aufgaben, die er in unserer Zeit lösen muß. Er gebietet. Und denjenigen, die ihm gehorchen, Weisen und Unweisen, wird er sich offenbaren in dem, was sie in seiner Gemeinschaft an Frieden, Wirken, Kämpfen und Leiden erleben dürfen, und als unaussprechliches Geheimnis werden wir erfahren, wer er ist. " Und wer wir sind auch. Amen.
 


 



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