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Keitumer Predigten   Traugott Giesen 04.07.1999

Moses Begegnung mit Gott. 2. Mose 3, 1 – 14

Moses, im Körbchen auf dem Nil ausgesetzt, weil israelischer Nachwuchs in Ägypten verhaßt war – ausgesetzt in Richtung Pharaos Tochter, die zum Bade schritt. Glücklich gefunden, aufgezogen am Hof des Pharaos, mit der Bildung und Gesittung des glanzvollen Hofes.
Als Jüngling dann sah er die Israeliten Sklavendienst verrichten beim Bau der Pyramiden; ihm dämmerte, daß da seine Brüder geschunden werden. Ein ägyptischer Aufseher mißhandelte einen. Zorn und Gerechtigkeitsinn schoß in ihm auf. Er setzte sein Privilegiertsein aufs Spiel, erschlug einen von seines Ziehvaters Wache, aber seine Brüder lohnen es ihm nicht. Als zwei hebräische Männer Streit hatten und er schlichten wollte, da sprach einer: „Wer hat dich zum Richter über uns gesetzt? Willst du mich auch umbringen, wie du den Ägypter umgebracht hast?“ (2. Mose 2, 14).
Er floh in die Steppe Midian. Dort fand er seine spätere Frau, die Zippora; sie bekamen den Sohn Gerschom, was Fremdling heißt.
„Mose aber hütete die Schafe Jitros, seines Schwiegervaters, des Priesters in Midian, und trieb die Schafe über die Steppe hinaus....“
Ja, da kann man das Grün für die Schafe schon aus den Augen verlieren, wenn man träumt und grübelt. Was ist mein Weg? wird Mose gebrütet haben. Wozu bin ich da? Was ist meine Bestimmung? Andere hätten sich zufriedengeben können, wohlgelitten sein, Familie und Arbeit haben. Aber er mußte ja Mose werden. Eine große Erzählung von Berufung und Offenbarung, vom Sich-finden und aus-den-Latschen-kippen. Gut auch, wenn du nicht Moses, der Zweite werden mußt. Aber du Erika, die Erste, Nils der Erste, Du, setzt deinen Namen mit ein. Wie werden wir, was wir sein müssen?
Mal hören, wie Mose zu sich fand.
Dieser riskante Anlauf ins Leben, dann die Fehlfarben-Identität, zwei Pässe – oder gar keinen. Und die Zugehörigkeit zum unterjochten Volk ließ Mose zum Mörder werden. Da wird er eingetaucht ins Drama Gut und Böse, welche Gebote sind uns zwingend nötig? Und er sucht Gotteserkenntnis – beim Pharao lernte er Götter zu ahnen, die sich in Menschen verkörpern, der Pharao wurde als gottgleich verehrt; und beim Schwiegervater lernte er die Götter der Natur kennen, die im Jahreslauf Werden und Vergehen schaffen. Und von Herkunft weiß er den Gott, der den Nachkommen Abrahams, Isaaks und Jakobs ihr Freund sein will, sie führen will in ein gelobtes Land.
Gotteserkenntnis und Ethik – darin Führer werden, bahnt sich diese Berufung an beim Schafehüten? Wem wir gehören, und was zu gehorchen ist – das kann Moses begrübelt haben, während er die Schafe trieb, „über die Steppe hinaus und kam an den Berg Gottes, den Horeb: Und er sah, daß ein Busch im Feuer brannte und doch nicht verzehrt wurde.“ –
Kann das nicht ein Bild sein für Moses selbst, der sich sieht als ein Feuer, das ihn lodern läßt. Und ein Leuchten ist bei ihm, alles Materielle, Körperliche brennt ab. Er ist nur ein Brennen nach Antwort, nach Weisung, ist nur Ohr und Sehnen: Daß Gott ihn in Beschlag nehme. Der brennende Dornbusch – Mose steht in Glut, eine Art von heiligem Leuchten ist seine Inbrunst – Gott zu hören und dann zu dolmetschen, seinen Willen fassen und weisen, darin Feuer, das nie Asche wird.
Mose sieht außen, was in ihm innen ist (so auch Drewermann in „Den eigenen Weg gehen", Kösel-Verlag). Kann das sein? Da paßt es, daß der Dornbusch ein verachteter Strauch ist. Aber das nicht sich verzehrende Brennen macht ihn groß – vielleicht ein Bild für Mose innerste Verfassung. In ihm bringt sich was zum Leuchten, was überirdisch ist. Mose sieht sich selbst als Flammendes, das von Jenseitigem gespeist ist.
Vielleicht ja anläßlich eines realen Dornbusches – der brennt und brennt – und Moses hört aus dem Leuchten den Ruf: „Mose, Mose: Ich will mein Volk aus der Hand des Pharao retten und du sollst mein Volk führen. Und ihr werdet Gott opfern hier auf diesem Berg. Zieh deine Schuhe aus, hier ist heiliges Land.“
So passiert doch Offenbarung, Lichtauschüttung, Erleuchtung: Ob in der Liebe, in der Wahl in ein Amt, auf dem Weg in eine Prüfung: Ich muß glauben, daß ich gemeint bin von Gott für diesen Menschen, oder daß ich in das Amt gerufen werde vom Schicksal oder daß dieser Weg in die Prüfung mir entgegenkommt vom Weltenwillen.
Das kann einem ein leuchtender Dornstrauch eröffnen: Du bist bei aller irdischen Normalität der Leuchtfaden für Leuchtenergie. Das kann einem ein strahlender Mensch eröffnen: Wir füreinander von Gott gemeint. Das kann einem eine biedere demokratische Wahl erschließen: Du gebraucht als Bundespräsident. Das kann einem ein Buch, ein Gespräch erschließen: Du bist für diesen Weg bestimmt. Auf dem Weg nach Damaskus kann’s einen als Saulus niederhauen und man wird als Paulus erhoben. Offenbarungen eröffnen, was im Grund ist, was offenbar ist – nur jetzt, zur richtigen Zeit fällt es wie Schuppen von den Augen. Stürzt nicht einer auf und davon, weil er an sein Werk muß, jetzt im Augenblick?
Aber tatsächlich: Dem einen zieht es die Schuhe aus, der andere pflückt weiter Brombeeren oder führt seinen Hund Gassi. Wie Gott uns aufschließt zum Staunen, uns entzündet zum Leuchten – wir können es nicht in ein Schema fassen. Der eine ist Feuer und Flamme, der andere köchelt sein Süppchen; der eine sieht sich mit Gott, dem Heiligen verschmolzen, der andere muß Rasen mähen.
„Zieh deine Schuhe aus.“ Ist das eine Warnung an Mose, der gerade dabei ist, sich gefressen zu wähnen von einem Auftrag, sich lodern sieht als Gottes Feuer? Hört er bei allem Aufbrausen die Warnung: „Bis hierher und nicht weiter“? Verunreinige nicht, näher dich auf Zehenspitzen. Ich bin Gott und du bleibst Mensch. Aber höre: Ich sende dich.
Oder ist dies „Ziehe deine Schuhe aus“ eine Einladung, zu Nähe, zu Entwaffnung und Vertrautheit?
Jedenfalls will Gott den Moses zum Pharao schicken. Mose spürt, daß Gott ihm auferlegt, was er seit langem in sich schaudernd ersehnt: gesandt zu sein vom Herrn der Geschichte. Doch da ist Zögern. Bei allem Leuchten fragt Mose: „Wer bin ich, daß ich zum Pharao gehe“? – Ich bin gesandt, aber bin ich auch geschickt genug.
Ich weiß doch nicht mal wer mich sendet: Ja der Gott deiner Väter und Mütter – das hört Moses, hört es als Stimme seines Blutes, wir können nicht Sklaven bleiben bei so einem Gott voller Verheißung. Mose hört als innerste Stimme: Ich muß zum Pharao und Gottes Volk rausholen, muß einfach sagen, der Gott der Väter hat uns die Freiheit zugedacht und nicht das Sklavesein, nicht Underdog und Unterwürfigkeit und Im-Staub-kriechen, nicht Frondienste für den Pharao. – Aber was ist sein Name? Ich weiß, Gott will uns nicht als Knechte – aber wie heißt Gott? Wie kann ich mich auf Gott berufen, und weiß ihn nicht anzusprechen. Und was bin ich als Person, ohne zu wissen wer uns die Freiheit zuspricht.
Wer bist Du? schreit Mose. Und er vernimmt:
„Ich werde für euch da sein“ bin ich. „Ich werde euch Beistand sein“ bin ich. Werde euch Beistand sein, wie ich euch beistehen werde. Ich werde zu euch reden, wie ich dann klinge. Ich werde euch sehen, und durch mein Sehen euch in der Wirklichkeit halten. Immer bin ich der Ich für euch da – Ich für dich. Wer ist Gott ? Das „Ich für dich“ – unter Mühen und was auch immer. Das ist euer Raum: Ich da. Vor euch ist „Ich für euch“!
Das heißt: du bist berechtigt, dich als von Gott begleitet zu glauben. Und darum kann dir der Pharao nichts anhaben. – Jesus ergänzt das später mit seinem Leben: „Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten können, wohl aber vor denen, die euch die Seele abhandeln und ausbrennen können“ (Matthäus 10, 28). Und Paulus: „Nichts kann uns scheiden von der Liebe Gottes, nicht Leben noch Tod“ (Römer 8, 30). – Also wie auch immer ich bei euch sein werde; ja, auch bei äußerster scheinbaren Nichtvorhandenheit, bin ich bei euch.
Mose hört: Geh zum Pharao und sage: „Ich bin bei euch“ hat mich gesandt.
Wir werden nicht zum Pharao oder Milosevic gesandt.
Aber mitten in unserm Alltag ist soviel Mut und Zivilcourage nötig. Heiliges als heilig zu achten und uns als Gefährten Gottes zu glauben. –
Schon beim Stammtisch oder in der Freundesrunde den Spott nicht mitmachen über einen, der versagte. Und in der Politik den anderen nicht niedermachen, nicht unterstellten er lüge, betrüge. Und in den Medien keinen Skandal ihm anheften, sondern Gutes von ihm reden, ihn entschuldigen und alles zum besten kehren – aber auch Unrecht Unrecht nennen. Mitten im Alltag: „Halt, du betrittst heiligen Boden“: Die Ehre des anderen gehört zu Gottes Würde.
Und du bist Gottes Gesell, durch dein Leuchten soll Klarheit kommen. Der mütterlich-väterliche Lebensgrund ist mit dir in allem, was du tust. – Daraus leben, aus diesem Wissen die Kraft nehmen, mehr Ich zu werden, Du zu werden, im Jasagen, Neinsagen, Zupacken und Loslassen – das ist dein Amt. Amen.
 


 



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