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Keitumer Predigten   Traugott Giesen   20.06.1999

Matthäus 5, 13: Ihr seid das Salz der Erde.

Wenn nun das Salz nicht mehr salzt, ist es zu nichts mehr nütze.
Matthäus 5, 44 -45: Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde und bittet für die, die euch verfolgen,
damit ihr Kinder seid eures Vaters im Himmel. Denn er läßt seine Sonne aufgehen über Böse und Gute und läßt regnen über Gerechte und Ungerechte.
Matthäus 5, 47: Und wenn ihr nur zu euren Brüdern freundlich seid, was tut ihr Besonderes?
Matthäus 5, 48: Darum sollt ihr vollkommen sein, wie euer Vater im Himmel vollkommen ist.
Heute schließt der Kirchentag in Stuttgart und wir sind nicht da. Laßt uns die Losung mitbedenken: Ihr seid das Salz der Erde.
Als Freunde und Gefährtinnen des Jesus sind wir Salz, das die Gesellschaft würzt, reinigt, bewahrt. Aber wie heute Jünger Jesu sein? Was erwarten die Mitmenschen von Christen? Immer wieder nur eins: Christen lieben ihre Feinde. –
Du als Pastor, nehmen wir mal an – auf den Pastor laden die Menschen besonders ihre Wünsche ab, auch die Wünsche, wie sie selbst gern wären vielleicht: Du als Pastor, wie kannst Du den achtzigsten Geburtstag meiner Mutter vergessen; oder wenigstens du müßtest doch Asylsuchende aufnehmen; du wirst doch keinen dicken Wagen fahren, sondern viel Brot für die Welt geben; du wirst doch vor dem Krankenbesuch dich nicht drücken; du wirst doch deinen Kollegen mögen. – Und du Pastorenpaar, ihr werdet euch doch nicht scheiden lassen. – Vor allem immer wieder: Du darfst nicht nachtragen, du mußt doch vergeben und um Vergebung bitten. Du darfst keinen nicht mögen. Du, lieb deine Feinde.
Was Christen zu tun haben, ist klar. Salz der Erde, Salz der Gesellschaft sein.
Salz der Erde – das hat Jesus zu seiner Jüngergemeinde gesagt. Er dachte nicht an eine „Mutter“ Kirche, die die Sorge, ob man Christ sei, den Menschen abnehme. Das ist ja so ein Zerrbild von vor allem katholischer Kirche: Die Kirche nimmt dir die Sorge ab, sie hat einen Schatz von Verdiensten der Heiligen, den Überschuß könne sie verteilen. Jedenfalls durch dein Zugehören zu dieser Kör-perschaft des öffentlichen Rechtes bist du Christ, und stehen dir die Gnadengaben der Kirche, der Schutz im Jüngsten Gericht, die Auferstehung zu. Dein Bekenntnis: ich glaube an die Kirche, reicht – das Kleingedruckte machen die Fachleute mit Christus aus. Die Kirche als Verwalterin von Bibel und Bekenntnis – ohne im Dialog verständlich sein zu müssen, die jedenfalls ist nicht die Jünger-gemeinde des Jesus Christus.
Die Jüngergemeinde heute ist verborgen in, mit, unter verfaßter Kirche, ist auch neben Kirche, auch in andern Religionen. Der Heilige Geist weht wo er will. Daß draußen Kirche dransteht, ver-bürgt noch nicht Gottes lebendiges, freisprechendes Wort. Daß wir Christen sein wollen, beschafft uns nicht den Ehrentitel: Salz der Erde.
Salz: reinigt, würzt, erhält. Und kann nur wirken, indem es sich auflöst.
Ich dränge Menschen sehr zum Kirchgang, sicher soll ich sie mehr in ihren Häusern besuchen. Ich dränge sie auch zum Wiedereintritt. Aber Hauptsache ist doch, daß sie wissen: Gott liebt sie und braucht sie – und daraus mögen sie Güte fließen lassen. Ich hätte gern gesehen, daß bei Amtsan-tritt unsern Politikern das „So wahr mir Gott helfe“ über die Lippen gekommen wäre. Aber vielleicht beriefen sie sich auf Jesu Wort: Du sollst nicht schwören. Oder wollten ihn aus andrem Grund nicht im Munde führen. – Jedenfalls ist Kirchgang, Kirchzugehörigkeit und Gebet in der Öffentlichkeit keine Garantie für Salzsein.
Salz der Erde, Licht der Welt sind wir, indem wir unsere Feinde lieben, uns so als Kinder Gottes zeigen.
Jesus begründet das Liebesgebot grundstürzend, dramatisch, grundsätzlich, rigoros, jede Ausrede abschneidend: Liebe, denn Gott läßt seine Sonne aufgehen über Böse und Gute und läßt regnen über Gerechte und Ungerechte. Sonne und Regen, also Leben, Brot, Dach, Gedeihen gewährt Gott ohne Unterschied, unabhängig von Gutsein oder Bösesein.
Ja, wir sollen gerecht sein, also geben je nach Notlage, nicht nach Sympathie; aber das Schicksal, der Lauf der Dinge, Gottes Wille richtet sich nicht nach unserm ethischen Verhalten; Gottes Lieben dosiert sich nicht nach unserm Lieben oder Hassen, geschweige denn nach unserer Kirchzugehö-rigkeit, geschweige denn nach unserm Gebetsfleiß.
Was für eine Revolution im Gottesbild unser Jesus brachte, können wir daran messen, wieviele Bibelworte immer noch den alten Rache- und Belohne-Gott transportieren. – Sie sind doch mit die-sem einen Wort Gottes alle durchgestrichen, weggewischt: Gott läßt seine Sonne scheinen über Böse und Gute und läßt regnen über Gerechte und Ungerechte.
Die Kranken brauchen den Arzt, nicht die Gesunden – Bösesein als Kranksein. – Irgendwo be-gründet Jesus die Großzügigkeit Gottes mit dieser Deutung: Die Bösen wissen nicht, was sie tun. Und die Ungerechten nehmen mehr, als ihnen zusteht, weil die andern ihnen schon längst nur Miessein zutrauen – so bei Zachäus; – aber nicht diese pädagogischen Argumente für die Güte Gottes zählen eigentlich, sondern Gottes Souveränität:
Gott läßt seine Sonne scheinen über Böse und Gute und läßt regnen über Gerechte und Unge-rechte. Also ihr, die ihr seine Kinder sein wollt, tut das auch.
Alle Entgegensetzungen sollen nicht zählen. Liebt, weil ihr liebt. So macht es Gott auch. Das kann ungerecht scheinen. Der gegen dein Auto tritt, hat keine Einladung auf einen Kaffee verdient. Aber tu es trotzdem. Und Milosewic? Und die Schinder, die ihm hörig waren und ihrer Mordlust freien Lauf ließen? – verbrannte Dörfer über Tausende von Kilometern bis Moskau, wir kennen das aus Kriegsberichten der deutschen Wehrmacht. Warum läßt Gott unserer Willkür freien Lauf, nährt auch die Mörder? Statt sie tot umfallen zu lassen. Es ist ungerecht. Aber daß wir zu Mördern wer-den können, ist die dunkle Seite jener herrlichen Freiheit, daß wir aufgerufen sind, uns für das Gute zu entscheiden, weil es gut ist. Und nicht aus Angst vor Strafe.
Liebet eure Feinde – heißt doch, daß wir Feindschaft heilen, Vorrechte teilen lernen, nicht die Rangfolge des Geldes herrschen lassen. Gott ernährt uns, gibt uns Gefühle, läßt uns das Zartsein immer neu erfinden, hebt uns ins Sprechen, daß wir uns verständigen können. Das ist sein großer Kredit, sein Glauben an uns hebt uns ins Sein. Wir sind, weil wir getragen sind vom mütterlich-väterlichen Lebensgrund, gemessen daran hat keine Abstufung Freund-Feind-Charakter. Gemes-sen an unserm In-Gott-Zusammengehören ist unser Verschiedenes nur nebenbei.
Ja, es gibt Gruppen, wir gesellen uns in kleinen Kreisen. Aber die Gruppen, laßt sie uns mehr öff-nen, nicht die Wände durch Privilegien höher ziehen, sondern mit zu Tisch laden. –
Ach, bevor wir die Menschheit zu Tisch laden, laßt uns unsere Freunde besser behandeln. – Ja es gibt Meister der Freundschaft, die unverbrüchlich Verbindung halten, auch wenn man selbst nichts hören läßt. – Aber im Ganzen: ist meine/deine Kraft zur Gemeinschaft mir/dir groß genug?
Gott läßt seine Sonne scheinen über Freund und Feind. Aber das ist Gott und ich bin nur ein Mensch. Ich lebe ja von Gott, der unausschöpflichen Quelle des Lebendigen. Und diese Quelle will dich/ mich zu Mitanstiftern von Leben, will uns als Inszenierer von Freude, will uns als Friedensstif-ter, als Therapeuten der Gesellschaft. –
Und das laß dir sagen: Wo du bist, da wird die Freund-Feindstimmung aufgebrochen; da löst sich die Lagermentalität; da läßt man die Fans anderer Couleur hochleben; da ehrt man die Heimatliebe auch des Menschen von jenseits der Grenzen; da kann sich auch ein Christ in Richtung Osten mit-verbeugen, auch ein Protestant in einer katholischen Kirche das Kreuz über sich schlagen. – Kann sein, muß nicht sein – aber aus den Unterschieden keine Rangfolge mehr machen.
Ja, das Böse in der Welt, Gott muß damit fertig werden. Aber nicht indem er es ausrottet mit Ge-walt, sondern indem er uns zu mehr Lust am Guten anfeuert – durch Dank, durch Erbarmen, durch Verantwortlichmachen. Chaos und Ordnung, Zufall und Notwendigkeit, Gut und Böse ist in Gottes guter Welt. – Sie ist gut, weil sie ganz ist, zusammengehalten ist von diesem einen tiefen Willen. Und wir sind da, daß es genießbar bleibt das Leben, gewürzt und bewahrt. Du/wir: Salz, Licht. Gut, daß du da bist. Amen.
 


 



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