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Keitumer Predigten   Traugott Giesen   Karfreitag 02.04.1999

Eingangsgebet

Aus Johannes 19, 17 - 28
Und Jesus trug sein Kreuz und ging hinaus zur Stätte, die da heißt Schädelstätte, auf hebräisch Golgatha.
Dort kreuzigten sie ihn und mit ihm zwei andere zu beiden Seiten. Als die Soldaten Jesus gekreuzigt hatten, teilten sie seine Kleider und warfen das Los um sein Gewand. Es standen aber bei dem Kreuz Jesu seine Mutter und seiner Mutter Schwester, Maria, die Frau des Klopas, und Maria von Magdala.
Als nun Jesus seine Mutter sah und bei ihr den Jünger, den er lieb hatte, spricht er zu seiner Mutter: Frau, siehe, das ist dein Sohn!
Danach spricht er zu dem Jünger: Siehe, das ist deine Mutter! Und von der Stunde an nahm sie der Jünger zu sich.
Danach sprach Jesus: Es ist vollbracht! und neigte das Haupt und verschied.
Liebe Brüder und Schwestern.
Dies Sterben ist uns nah, es ist für uns getan, wieso wissen wir mit eigenen Worten nicht zu sagen,  aber es hat Mustergültiges an sich. Jesus hat die Menschen die Kunst zu leben gelehrt. Die gipfelt in der Zuversicht, daß etwas vollbracht ist, wenn es Zeit ist. Was ist von Jesus vollbracht?
Jesus hatte eine ganz einzigartige Nähe zum Schöpfer aller Dinge. „Ich und der Vater, wir sind eins“, soll er gesagt haben. „Wenn ihr mich seht, seht ihr ihn, also schaut durch mich hindurch den himmlischen Vater“ (Johannes 10, 30; 14, 9). Wenn Gott so ist, wie Jesus tat und redete – dann ist der Kern der Wirklichkeit Kraft und Güte. Dann heilt Jesus, weil Gott nicht krank macht. Er vergibt, weil der Grund der Welt verzeiht. Er ergänzt, weil Gott nährt, stärkt, wachsen macht.
Jesus zeigt das richtige Leben vor, zeigt die Struktur des Lebendigen. Er ist Zeuge und Bürge für das Wesentliche. Und das ist Teilen: Anteilgeben, Anteilnehmen. – Das ist der Rhythmus des Lebens: Geben, Nehmen – das ist Gottes Puls. Wir alle Partikel seines Kreislaufes.
Jesus vollbringt, bringt ins Ziel einen Lebenslauf, der mit Gott im Zusammenhang bleibt. Ob er sich im Sterben im Gegensatz zu Gott erlebt oder in Entsprechung – ob er sich abgetrieben sieht von Halt und Sinn, oder bei allem schmerzlichen Abgeschältwerden das Sterben ihm doch ein Nachhausekommen ist? – das steht für uns dahin, stand für Jesus dahin. Auch Jesus schrie „Warum?“
Warum endet Jesu Erdenweg am Kreuz – warum darf er nicht alt und lebenssatt sterben, warum wird er umgebracht? Statt seines Bruders Hüter zu sein, ermordet Kain den Abel, ermordeten deutsche Christen deutsche Juden und Juden vieler anderer Länder, ermorden Serben Kosovoalbaner – und jetzt sollen sie zur Vernunft gebombt werden.
Jesus streut Güte und Freude aus, aber wird umgebracht – wie viele andere auch, die gewaltlos Grenzen zwischen Menschen aufhoben: Gandhi, Martin Luther King und Millionen namenlose Helfende, sich Aufopfernde. – Es ist eine Habgier und Mordlust in der Menschheit bei aller Heiligkeit – triumphieren, überlegensein, mehr vom Kuchen abbekommenwollen, andern abjagen Hab und Gut und Ehre, andere zu Diensten zwingen. – Es ist ein Schatten eingemengt in unser Wünschen – und wenn wir den nicht beherrschen, dann werden wir Zerstörer.
Jesus erleidet dies Zerstörtwerden leibhaftig, aber will sich von dem Für-Gott-Zeuge-sein nicht abbringen lassen. Jesus hält für mich den dunklen Gott aus. – Er hätte auch sagen können: wenn Gott zuläßt, daß ich umgebracht werde, dann ist er armselig oder böse oder nicht existent. – Aber Jesus hält an Gottes Hand fest, auch wenn daraus ihm alle Wärme gewichen ist. „Auch wenn ich gleich nichts spüre von deiner Macht, du führst mich doch zum Ziele auch durch die Nacht“ ñ das kann Jesu Seelencode gewesen sein. Daraus erwächst ihm Kraft zu einer letzten erhellenden Tat:
Sie ist der Schlüssel, der Quellcode, diese unsere Wirklichkeit zu bestehen: Da, die Söldner, die tun, was ihnen aufgetragen ist und nach getaner Arbeit würfeln sie um die Habseligkeiten; da, die Befehlshaber, die unsicher ihres Amtes walten und nach Hause wollen; da, die Gaffer; da die Leere – denn die Jünger, die Mitstreiter sind lange geflohen. Aber da, sein Lieblingsjünger Johannes und seine Mutter unter dem Kreuz: Jesus wendet sie zueinander, widmet sie einander, vertraut sie einander an, rückt sie in die Stellvertretung.
Jesus weist dem Johannes an seinerstatt den Platz an, der Maria zur Seite. Und Maria bekommt einen andern zum Sohn. – Nicht verdrängen die Lebenden die Toten. Das neue Verhältnis hat das alte in sich, aber die Lebenden müssen noch weiter hier, müssen sich noch entwickeln lassen, sie sollen die Zeit zusammen bestehen, für einander da sein und miteinander für andere. Jesus hätte sie auch als Bruder und Schwester oder als Mann und Frau einander zuordnen können – Mutter-Sohn/Tochter ist doch nur ein Schema für hoffentlich gelingendes Nehmen und Geben.
Vollbracht ist an Karfreitag Jesu mustergültiges Leben: Ihm können wir abschauen, wie man durch die Zeit kommt – nimm sie als Wegzeit mit dem verborgenen Helfer und Heiler. Gott will uns als Freuden- und Leidensgefährten. Er ist noch am Auswickeln seiner Schöpfung, die noch Schmerz und Gram dabei hat. Doch das Leid, der Kummer muß dich nicht mit hornigem Schild umgeben, dich nicht in einem Panzer der Abgewandtheit, einem Gewölbe des Vermissens einschließen (B. Strauss). Dir soll die Ahnung von Geliebtsein wieder wachsen. Laß dich als Gefährten zur Seite stellen, laß dir Gefährten geschehen. Laß dich hinwenden zum Anderen. Und auch du wirst was vollbracht haben, mit dem du dich sehen lassen kannst. Auch mir, dir ist Ostern, im Werden – in Gottes Anfangen bleiben wir verwoben immer und immer. Amen.
 

Schlußgebet


 



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