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12.03.2001
Wochenspruch mit kurzer Auslegung (T.G.)

24.01.1999 Letzter Sonntag nach Epiphanias
Über dir geht auf der Herr, und seine Herrlichkeit erscheint über dir. Jesaja 60, 2
Laß dir das gefallen. – Wie eine Blume sich nach der Sonne richtet, wirst du bestimmt davon, daß Gott über dir aufgeht. Du mußt nichts entscheiden, mußt nur nicht dagegen sein, daß dir die Welt erleuchtet ist von der Liebe. Du wirst dann Gewalt als Mangel verstehen und Trauer als Sehnsucht – du wirst mit den Augen des Herzens sehen. – Du wirst Freude abstrahlen. Wohin du kommst, bringst du einen Schimmer von Gott mit.
 

Keitumer Predigten   Traugott Giesen   24.01.1999
 

Manchmal den Himmel offen sehen

Aus der Bibel:
Gott, der spricht: „Es werde Licht“, der ist als heller Schein in unsern Herzen aufgegangen, damit durch uns Erleuchtung entstehe (2. Korinther 4, 6).
Wir sind nicht ausgeklügelten Fabeln gefolgt mit unserm Predigen. Machtvoll ist uns die Wiederkunft und das Bleiben unseres Jesus Christus. Wir sagen euch das an als Erfahrene. Wir haben selber seine Herrlichkeit erlebt, uns ist er der erstgeborene liebe Sohn, an dem Gott Wohlgefallen hat. Wir berührten mit ihm das Heilige, waren mit ihm auf dem heiligen Berg, sind mit ihm auf dem Weg. Achtet auf Christus, das Licht, Erkenntnis tage uns, der Morgenstern gehe auf in unsern Herzen. (nach 2. Petrus 1, 16 - 19)
Und Jesus nahm mit sich Petrus und Jakobus und Johannes, und führte sie mit sich auf einen hohen Berg.
Und er wurde verklärt vor ihnen, und sein Angesicht leuchtete wie die Sonne, und seine Kleider wurden weiß wie das Licht.
Und siehe, da erschienen ihnen Mose und Elia; die redeten mit ihm.
Petrus aber fing an und sprach zu Jesus: Herr, hier ist gut sein! Willst du, so wollen wir hier drei Hütten bauen, dir eine, Mose eine und Elia eine.
Und es überschattete sie eine lichte Wolke. Und eine Stimme aus der Wolke sprach: Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe; den sollt ihr hören! Als das die Jünger hörten, fielen sie auf ihr Angesicht und erschraken sehr.
Jesus aber trat zu ihnen, rührte sie an und sprach: Steht auf und fürchtet euch nicht! Als sie aber ihre Augen aufhoben, sahen sie niemand als Jesus allein. Und sie sollten es nicht erzählen.
Und sie gingen wieder hinab vom Berge zu den andern. (Matthäus 17, 1 - 9)

Diese Szene brauche ich nicht als Beleg für Jesu Gottesbewußtsein; nicht als Beweis, daß er sich als der Sohn Gottes wußte. Ob sich das so in Jesu Lebenslauf ereignet hat und wo genau, etwa auf dem Berg Tabor, – ist mir nicht so wichtig. Ich brauche die Szene für was ganz anderes. Ich lasse mir und euch die Szene gefallen als Einladung, dem Jesus nach selber auf den Berg der Wirklichkeit zu steigen, mal den Niederungen des Alltags zu entfliehen, die Sorgen zu lassen. Und mach dich auf den Weg dahin, wo Himmel und Erde sich berühren, wo Gott auf unserm Gesicht erscheint und es wird leuchten wie die Sonne.
So eine Art Erscheinung, wünsch sie dir. Mein/dein Leben braucht diesen Höhenflug. Anhand von Jesus lerne fliegen. Er hörte: Du bist Gottes Sohn – ihm nach sollst du auch dies Wissen bekommen.
Meist halten wir uns für zu normal. Mit Brecht: „Steht der Prolet vor Moral und Religion wie vor Fata Morganen, spiegelnd ihm, ferne und unerreichbar, Paradiese in Wüsten“ Wir denken, wir seien Realisten, wir wären verwurzelt am Boden, uns ständen solche Flausen nicht zu. Die Erscheinungen der Bernadette von Lourdes oder der Hirtenkinder von Fatima sagen uns nichts und Maharischi Jogis Elevationen sind uns Spinnkram – der ja meint, der Geist könne den Körper über dem Boden schweben lassen, wenn du nur willst –
Aber es geht bei Jesu Glücksbild nicht um magische Kräfte, nicht um Willenskraft oder Heiligkeit. –
Es geht um Glücksreisen von Körper und Geist – ähnlich einer Traumszene, aus Ingmar Bergmanns Filmen: Du siehst dich mit deiner Mutter oder deinem Mann oder deinem Opa oder deinem Geliebten Menschen aus der Stadt gehen – in eine wunderschöne Landschaft, auf einen Berg, umgeben von Blumen, und die Sonne strahlt, und du siehst deinen Geliebten in diesem Licht, du siehst ihn lodern vor Leuchten – du hörst eine Musik des Glücks. – Wie in „Jenseits von Afrika“ – Robert Redford und Meryl Streep fliegen über das afrikanische Land, das in überirdischen Farben daliegt, und ihre Liebe steht in Flammen, und das Adagio des Klarinettenkonzertes A-Dur von Mozart erklingt.
So ähnlich oder anders erscheint dir dein geliebter Mensch in überirdischem Kleid. – Und du hörst es sagen über diesem Menschen: Das ist ein Kind Gottes, du wunderbar, die schönste Schöpfung. Und siehst dich in diesem Traumbild mit eingesogen in die Glücksszene – hörst dich fragen: Können wir hier nicht bleiben, nie mehr fortgehen, können wir nicht Hütten bauen hier – und die Heilsten, die wir kennen, dazuholen: Jesus, Bach, Bonhoeffer, wer will Lady Di, deinen Lieblingshund und deinen geliebten Toten und ihr redet. – Mit Jesus unter Rosengärten ewig reden – war Kierkegaards Traum vom Himmel. – Kennst du dies Träumen, du weggeweht, erhoben, gerettet, schon in sowas wie Himmel – vor Gottes Angesicht. Und du bist nicht mehr fragwürdig und bedroht, nicht mehr schuldig und manchmal auch böse – nicht mehr Abschied und Trennung schweben über dir; das Sorgen ist in eine Ruhe eingeströmt – du bist heil – eine Traumsequenz lang mit dem All verschmolzen.
Geht das schon hier? Daß wir Augenblicke von höchstem Glück erfahren – von guten Mächten wunderbar geborgen sind, vielleicht in den Armen eines geliebten Menschen oder an/in ein Projekt vertieft; hier Jesus treffen, und unsere Toten sehen wir mit versöhnten Augen ihr Eigenes tun, und du siehst dich leuchten, gelobt, gestärkt, geliebt überirdisch losgelöst. –
Sicher, wir können nicht bleiben in der Verzückung, wir fallen wieder aus allen Wolken, wieder auf die Füße, gehen wieder an die Arbeit, sprechen wohl mit keinem davon. Aber es wird in Zukunft eine Heiterkeit bei uns bleiben, unsere Jammer werden noch wenigstens eine Sonnenblume dabeihaben, wir werden ein Polster aus Himmelswissen bei uns halten. Vielleicht nie mehr werden wir steingleich am Boden krebsen. –
Es wird ein Sonnenstrahl bei dir bleiben und Wellen des Gesundbrunnens, den du erlebt hast. Du wirst eine Feder behalten aus dem Engelflügel, der dich streifte. Du wirst ein Gebet verwahren, und ein Gebet wird dich verwahren: dies Kind soll unverletzet sein; du wirst ein Bild behalten von dir leuchtendem Menschen, als du einen leuchten machtest, und du darin erhoben warst. Bei dir bleiben wird das Eingeständnis, daß du „Gott“ so deutlich gefühlt hast wie einen Mann, der hinter dir stünde und dir gerade einen Mantel um die Schulter legte (nach R. Musil).
Wir brauchen Träume von Paradies, versonnen, entrückt, wie auf Wolken zurück in der Kindheit oder voraus unter Sternen. Wir brauchen Bilder des Heils. Denn Vernichtung und Verneinung rollt über das Leben. Kälte, Durst, Hunger, alleingelassen sein, gefangen, gequält sein, zerrissen werden in berstenden Autos, aufgefressen werden von Krebs, verachtet werden durch Hochmut – Leben ist gespickt mit Jammer und Verrat. Und dagegen erhebt sich Jesus und preist selig, die dürsten nach Gerechtigkeit; die Leid tragen, die werden das Getröstetsein schmecken. „Die lieben, die bleiben in Gott und Gott in ihnen“ (1. Joh. 4, 16), sie sehen den Himmel offen.
Und wenn sie wieder vom Alltag eingeholt werden und die Sorgen das Lieben einschränken, werden wir doch sein wie die Träumenden und den Mund voll Lachens behalten (Psalm 126) – und wir werden uns bemerken als beschützt von der Liebe.
Der Natur sind wir völlig gleichgültig. Für den Stoffwechsel ist Ach und Weh egal, Menschenleid ist für den Wald ohne Bedeutung; die Sonne legt keinen Wert auf uns; auch der Mond, obwohl in günstiger Stellung er uns was zu erzählen scheint, ist Stunden später nur eine kalte Scheibe. Lange wandern am Meer längs – wie neugierig, tröstlich der Mensch am Horizont – wir beschäftigen uns mit ihm, mit der nächsten Welle nie. – Aber der Mensch – der Nächste – eine Rettung ist der Mensch! Denn mit ihm können wir gemeinsam wünschen und tun, wenn es sich trifft. Wir können mit ihm ein Paar bilden, kurz oder lang – wir könnten der Kälte, dem Alleinsein entkommen. Wir könnten den Himmel offen sehen, Gott sehen. Und wären nicht gleichgültig sondern gekrönt, ließen nicht verkommen sondern machten schön.
Auch Jesus kommt wieder runter auf den Boden der Tatsache – aber mit welchem Elan, mit welcher Energie stürzt er an gegen böse Mächte, kettet Besessene los, richtet Beschämte auf. Jesus schickt sich und seine Jünger in den Kampf gegen die Vernichter der Freude. Aber was hat er auch für Kampfgefährten an der Seite: Mose, der in die Freiheit führte, aber viel Fremde, viel Unverstandensein und Unversorgtheit mußte er dulden. – Jesus hörte Mose mit sich reden. – Und: Elias, der Gott nicht bei Macht und Ruhm und Glanz fand sondern in einem „verwebenden Schweigen“ (1. Könige 19, 12), nicht äußerlich grandios, sondern als Sprache des Herzens. – Jesus hörte Elia mit sich reden. – Die Zeugen der Freiheit und des inneren Dialoges mit Gott – die redeten mit Jesus. –
Wahrlich gute Ratgeber – wen wünschen wir uns zur Seite, wenn es um unser wahres Selbst geht? Wer spricht uns frei von den irdischen Autoritäten, wer spricht uns das Recht zu auf eigene Gott- und Sinn- und Freudenerfahrung? Mit Jesus als Wegbereiter finden wir Gottes Angesicht jenseits der Angstfratzen. Und das macht dich, mich leuchten. – Die abschätzenden Blicke, die uns nach Zahlungsfähigkeit oder Jugendlichkeit taxieren, prallen an uns ab, und wir lernen auch, dieses abschätzige Blicken zu lassen.
Jesus als Vorbild – sagt dir auch die Gotteszugehörigkeit zu: Auch du Sohn, Tochter Gottes – diese Religion ist die Substanz der Kultur. – Kultur ist Form und Ausdruck von Religion (P. Tillich). – Das wäre eine nächste Predigt wert. –
Daß auch du da bist zum Friedenstiften, da, um Menschen zu befreien zu sich selbst – eine Ahnung davon gehört doch zum Menschsein. Und passiert doch. Was allein in Freundesgesprächen, in froher Runde oder beim Friseur an Frieden gestiftet wird, aber eben auch gehetzt, verurteilt und mit Worten geschändet. – Doch eben auch freigesprochen, getröstet, vergeben, neuer Mut gemacht. – Ob Niedertracht oder Uninteressiertheit von uns vermehrt wird oder wir einander den Himmel öffnen, ob wir mit Jesus auf dem Weg sind, steht dahin. – Ach: Es ist viel Sehnsucht doch unter uns hingestreut, wir können zwar keine Hütten bauen im Glück. Aber schon Rast und Schutz können wir einander sein. Unsere Traumreisen sind kurz. – Der Alltag braucht uns, aber dann gehen wir gestärkt in der Sehnsucht ewig gültig zu sein und lassen nicht zu, „daß gewisse Fragen den Menschen aus dem Herzen genommen werden“ (R. Musil). Amen.

Wochensprüche mit kurzer Auslegung (T.G.)

31.01.1999 Septuagesimae
Wir liegen vor dir mit unserm Gebet und vertrauen nicht auf unsre Gerechtigkeit, sondern auf deine große Barmherzigkeit. Daniel 9, 18
Nein, liegen im Sinne von Unterwürfigkeit – das willst du von uns nicht haben, wir sind ja deine freien Söhne und Töchter. Du suchst mit uns das Gespräch, du willst dich in uns ausdrücken. Und wir brauchen die Fühlung zu dir, wie die Luft zum Atmen. Es ist deine Zuneigung, uns so zu schätzen; nicht unsere Leistung macht uns dir wichtig. Deine Lust an uns macht uns gut.
 

07.02.1999 Sexagesimae
Heute, so ihr seine Stimme hören werdet, so verstocket eure Herzen nicht. Hebräer 3, 15
Heute werden wir seine Stimme hören, im Lachen, im Weinen, im Bitten, im Locken der Mitmenschen. Auch in der verwundeten und prachtvollen Natur - ruft Gott uns, will uns da treffen vor Ort der Freude und der Mühen. Nicht verstockt sondern aufgeräumten Sinnes wollen wir sein, wach, empfindsam, zugewandt: Gott braucht uns nicht als Klotzköpfe sondern als Engel, als Hebammen, als Wasserträger, als Gehilfen der Freude.
 
 


 



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