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Der Wochenspruch mit kurzer Auslegung (T.G.)
30.08.1998 Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen, und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen (Jesaja 42, 3).
Dies wunderbare Versprechen ist ein Basiswort unserer Seele. Darauf will ich setzen: Ich kann nicht zugunde gehen. Denn das Herz der Welt will mich nicht zerbrechen. Ich bin Rohr aus seinem Stoff, Docht für sein Licht. Ich kann knicken, kann schwach werden. Aber meine Kräfte gehören zur Gotteskraft. Gehen mir die Kräfte aus, gehe ich doch nicht aus. Käme ich mir abhanden, wäre ich noch immer gehalten. Das muß mir doch festen Willen machen für das, was anliegt.
 

Keitumer Predigten   Traugott Giesen   30.08.1998

Isaaks Opferung (1. Mose 22)

Unseres eigenen Glückes Schmied sind wir nicht – wir sind abhängig von Chancen, Bega-bungen, guten Mitspielern. – Wir sind aber auch nicht gehorsame Knechte, die nur sich abfinden müssen. An der Geschichte vom Glaubenvater Abraham taucht ein drittes Bild auf: Nicht eigener Glücks-Schmied, nicht Knecht des Schicksals sondern Kompagnon Got-tes. Eine verdachtlose Daseinsbereitschaft sei uns geschenkt.
Es sind Bilder bei uns, Muster, Rollen, wie Wirtschaft geht, wie Vertragen geht, wie Mann und Frau zusammen gehen können; Bilder, wie es mit Gott geht, wie das Leben geht.
Ein starkes Muster ist: Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied, heute in neuer Inszenie-rung: Michael Schumacher, der macht sein Schicksal, der hat sein Leben in der Hand wie seinen Ferrari. – Und wir alle, mit Geschick, mit Kampfgeist könnten wir auch siegen. Die Siegertypen machen uns vor, wir seien in erster Linie Macher, Planer, Manager, Zugreifer.
Michael Schumacher eine Ikone unserer Zeit, auch Schwarzenegger, Beckenbauer, Herr Schrempp, vorbildliche Macher – die scheinen nicht zu gehorchen, die machen, was sie wollen, die biegen sich die Umstände zurecht, werden Führer für andere. Sie programmie-ren sich und die Verläufe weitmöglichst nach eigenem Gutdünken; – wollen ihr Schicksal machen, indem sie nichts dem Zufall überlassen und sich polstern mit Privilegien und Be-ziehungen. Sie räuchern den Zufall aus, das Unberechenbare ist ihnen sowas wie zuwider. Das fiele ja von oben zu – daher Zufall, Einfall. – Aber diese „frommen Worte, Ergeben-heitsworte, Empfangsworte, sind der Neuzeit unwürdig – man sagt noch Zukunft, meint aber Zugriff, alles soll wissenschaftlich herbeigeführt werden. Nichts mehr soll zukommen“, so Erhard Kästner.
Gegen dieses Bild vom Macher steht ein anderes Bild, seit Tausenden von Jahren mitge-schleppt im Musterkoffer der Menschheit:
Vom gehorsamen Abraham, der sich dem Schicksal fügt, auch wenn es Unbilliges verlangt. Der das Messer zückt gegen das eigene Kind, der hinter sich, über sich eine Stimme hört, der er gehört. Er willfährt „his masters voice“.
Das scheint uns weit weg. –
Aber wessen Stimme ist uns denn „masters voice“; wer, was ist uns den Autorität? Nicht, daß wir Kindern Messer an die Kehle setzten, aber da haben Fachleute in ihrem 10. Kin-der- und Jugendbericht u. a. festgestellt, daß der materielle Spielraum der Familien in den letzten 20 Jahren zunehmend eingeengt wurde, und jedes 9. Kind in Westdeutschland und jedes 4. Kind in Ostdeutschland in Armut lebe. Wir lassen Kinderverwahrlosung zu – rund um die Erde erst recht. – Wem gehorchen wir ? Den Hilferuf der Kinder übertönt doch unse-re Festhaltelust. Viel Geiz ist bei uns, natürlich geschönt durch milde Gaben, so daß wir uns unsere Schlechtigkeit verschleiern können.
Und noch anderen Stimmen gehorchen wir – manche läßt die Arbeit an der Karriere fies werden, manche schmücken sich zu gern mit den Lorbeeren und degradieren das Team zu Wasserträgern. Ihre Autorität ist Ich, Ich...
Eine ganz andere Autorität kam zutage beim Experiment über perversen Gehorsam. Stan-ley Milgram von der Yale-Universität lud Leute ein, sich für die Wissenschaft zu engagie-ren. Sie sollten Versuchspersonen in einem Experiment, das ihnen als sehr wichtig vorge-stellt wurde, bei Fehlverhalten mit Stromstößen bestrafen. Über Lautsprecher wurden ihnen die Hilferufe und Schmerzensschreie der als Versuchspersonen agierenden Schauspieler eingespielt. Die meisten, einfach von der Straße Eingeladen, bestraften per gesteigerter Stromstöße extrem – nur weil sie sich im Dienste der Wissenschaft verpflichtet fühlten.
Wir haben also genug Autoritäten, denen wir bereitwillig gehorchen: der Wissenschaft etwa oder den Nachbarn, deren Gerede wir fürchten oder unsern Ängsten – was ist Geiz anders als Angst vor Schutzlosigkeit.
Gehorchen hat eine lange Geschichte. Schiller sagte mal: „Mut hat auch der Mameluk – Gehorsam ist des Christen Schmuck“. Und das Hohe Lied vom Gehorchen fängt mit der Geschichte von Isaaks Opferung an. Lange wurde sie grausam falsch verstanden, eben Abraham als Vorbild für einen Gehorsam, der auch Töten gutheißt, wenn der Befehl dazu nur von höchster Stelle kommt. Und die irdischen Väter und der Staat, sie sahen sich lange genug an Gottes Statt; Väter opferten Söhne für ihre Interessen, Vaterländer meinten über das Leben ihrer Landeskinder verfügen zu können wie Abrahams Gott.
Die Düsternis im Gottesbild liegt schon da, wo es heißt, Gott versuchte den Glauben Ab-rahams. – Seit Jesus wissen wir doch: Wenn ihr schwierigen Menschen schon euren Kin-dern gut seid, wieviel mehr gut ist denn euer Vater im Himmel (Matthäus 7, 11). Wir Eltern werden uns hüten, unsere Kinder zu versuchen. Wir werden nicht einen Schein absichtlich liegen lassen, wir stellen keine Fallen. – Wenn schon beim Bund „das Verleiten zum Kame-radendiebstahl“ bestraft wird, wieviel mehr werden wir Eltern unsere Kinder und wir Paare einander nicht testen, werden keine Köder auslegen. – Um wieviel weniger wird Gott unse-re Belastungsfähigkeit auf die Probe stellen – eine Vorstellung, die Jesus völlig in Stücke schlägt: Er vergibt dem Petrus schon vor seinem Verleugnen. Gott weiß doch, was für ein Gemächte wir sind, aus Staub geboren, entflammt von Liebe, Gottes Ja hält uns im Dasein, er ist doch „das Lebendige in allem Fleisch“ (4. Mose 16, 22).
Gott, wie er mir in Jesu Geschichten aufgeht, hat dem Abraham nicht aufgeladen, seinen Sohn ans Messer zu liefern – auch nicht, um dann ein- für allemal das Menschenopfer durch das Tieropfer zu ersetzen. „Ziel aller Ermahnung ist Liebe aus einem guten Gewis-sen“ (1. Timotheus 1, 5). Als Geschichte vom Aufruf zum Gehorchen ist sie abgetan.
Aber die Geschichte kann man auch anders lesen. Sie hat vielen Menschen mit schwerem Schicksal das Gottvertrauen gestärkt und damit neuen Lebensmut geschenkt. Abraham hatte das Versprechen, daß er mit seiner Frau Sara die Eltern eines großen Volkes werde. Aber das Versprechen ist höchst gefährdet, wenn schon das Kind, das die Brücke bilden könnte, nicht leben dürfe. Wie soll das Versprechen eingelöst werden, wenn Isaak, also die nächste Generation, stürbe? Abraham weiß es nicht, aber er glaubt, daß ihm Gott aus Stei-nen Kindern erwecken könne – so Jesu Worte. Will sagen: Wenn auch das Pfand für Glück dem Abraham aus den Händen genommen wird, bleibt doch „Gott allezeit seines Herzens Trost und sein Teil“ (Psalm 73, 26).
Wenn eine Frau ihren Mann verliert, ein Mann seine Frau, Eltern ihr Kind, ein Kind seine Eltern, kann dann noch Gott ihnen ein Guter Gott bleiben unter den Katastrophen? Ja, weil er sie mit durchsteht. Das lebt Abraham – er geht ins finstere Tal – wie Jesus. Beide hätten sie verweigern können, aber sie gehen den Weg des Leidens, wissend, daß der „Ein und Alles“ mitgeht. Auch wenn aus Gottes Hand alle Wärme verloren scheint, vielleicht wärmt die Hand meines Vertrauens wieder die große Hand. Ja, du Mensch hast noch Wärme ge-speichert, du hast noch Gedächtnis an glühende Freude, du hast den Rosenstrauß noch bei dir. – Du weißt im Tiefsten deiner selbst, daß die Liebe wiederkommt in neuen Kleidern (Ringelnatz). –
Abraham vertraut Gott, auch wenn er seinem Kind nicht Vater sein dürfte. Mütter, Väter, die ihr Kind dem Himmel zurückgeben mußten, Frauen, die nicht gebären konnten; Väter, die nicht versorgen durften – sie alle sind verwundet, ja auch an Gott verwundet, und doch auch getröstet, wieder aufgerichtet, wieder ins Geschirr genommen, zu neuen Ufern losge-schickt. In kleinerer Münze ist das Loslassen von Kindern allen Eltern zugemutet, man hat mit ihnen Entwürfe, und sie gehen hindurch – sie winken noch mal, aber gehen ihre eige-nen Wege – wir können sie nur Gott befehlen. Es sind nicht unsere Kinder, nicht unsere Männer, Frauen – es sind Söhne und Töchter der Sehnsucht des Lebens nach sich selber, so Khalil Gibran, und jeder hat seine Geschichte mit dem Ganzen.
Unseres eigenen Glückes Schmied sind wir nicht – wir sind abhängig von Chancen, Bega-bungen, guten Mitspielern. – Wir sind aber auch nicht gehorsame Knechte, die nur sich abfinden müssen. An der Geschichte vom Glaubenvater Abraham und seiner Sara taucht ein drittes Bild auf: Nicht eigener Glücks-Schmied, nicht Knecht des Schicksals sondern Kompagnon Gottes.
Abraham verließ sein Heimatland Caldäa, Haran, das Land der Fruchtbarkeitsgötter und des Mondgottes der ewiger Wiederholung. Er hatte den Ruf gehört: ich will dich in ein Land bringen, das ich dir zeigen werde und will dich zu einem großen Volk machen. – Die Zeit wird gestreckt und aufgefaltet, vom Kreislauf zum Weg, vorn ist dieser Gott zu treffen. Nicht in den Zitzen der Kuh und in Bachblütentee ist Gott vor allem gegenwärtig, sondern in Ver-heißung von gelobtem Land, in Gespräch und Gewissen, in gemeinsamem Weltdienst – so fängt es Abraham an zu glauben.
Wir sind Söhne und Töchter vom Lebensgeheimnis, frei und gebunden, begabt und ver-pflichtet, verantwortlich als gäbe es keinen Gott, und des Vertrauens bedürftig als nütze kein Arbeiten; zur Liebe geladen und bereitet zum Abschied; wenig besitzend und doch alles habend, wissend von der Tragik der Welt und doch allermeist fröhlich (2. Korinther 6, 10).
Nein, wir müssen nicht vertrauen, als ließe sich Vertrauen befehlen. Auch hält es der Gan-ze aus, wenn wir skeptisch gegen ihn sind. Mir ist nicht mehr wichtig der Abraham, der vielleicht gemeint hat: ich muß Gott davon überzeugen, daß ich ihm vertraue, auch gegen den Augenschein. Wir müssen Gott nicht überzeugen, müssen ihm nicht gefällig sein. Es wäre eben nur ein großes Geschenk, dem Großen zu trauen, ohne Frage, ohne Prüfung, in ganz verdachtloser Daseinsbereitschaft. Doch, dazu laßt uns einander anstiften. Amen.
 
 
Schlußgebet

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