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Keitumer Predigten Traugott Giesen Pfingsten 31.05.1998

Schaffe in mir, Gott, ein weites Herz und gib mir einen neuen gewissen Geist. Laß mich nicht irregehn, deinen heiligen Geist flöße mir ein. Stärke mich wieder mit deiner Freiheit und mit freudevollem Geist rüste mich aus. (Psalm 51, 12 - 14)

Fünfzigtausend Gedanken gehen tagtäglich dir, mir durch den Kopf. Da ist ein Festtag des Geistes pro Jahr schon wenig genug. Heiliger Geist ist dramatisch wichtig, um auf einer inneren Linie zu bleiben. Sinn fürs Lebensdienliche muß mich haben und in mir sortieren. Heiligen Geist, den wünsch ich mir!

Daß ich nicht dahindümple, im Dasein rumstocher nach Gelegenheiten zu maulen – begeistert möcht ich sein, noch hier sein dürfen, noch ich sein dürfen. – „Hörer einer Stimme, die mich zu mir ernennt, mich mir vorhersagt und mir meinen Weg des eigensten Seinkönnens verheißt“ (P. Sloterdijk).

Seelenkraft kommt aus Angesprochenwerden. – Heiliger Geist, wie Feuer, von außen, von oben auf uns sich herabsenkend, dolmetscht uns das Geschehen als Anrede – als Schrei und Liebkosen. Was geschieht, säuselt oder rieselt oder summt vor sich hin und spitzt sich zu zum zerreißenden Schrei oder wird Komm-zu-mir-Schrei.

Heiliger Geist schließt uns für Verstehen auf. Was geschieht, steht nicht für sich im Raum, Fakten und Ungereimtheiten und Katastrophen fordern mich, dich auf, Stellung zu nehmen. – Alles Reagieren ist Antworten – wem? Der dich zu dir ernennt, dich durch genau das Nadelöhr Augenblick preßt und formt, dich anreichert mit Ideen und Interessen, dich vorherdisponiert – nicht bestimmt aber begabt, für den nächsten Augenblick. – Und dir ist verheißen dein Weg, du selbst zu werden. Heiliger Geist befreit dich, dein eigenstes Seinkönnen zu entwickeln.

Du darfst davon ausgehen: Du bist gewollt. Wenn du, ich gewollt sind fürs Leben, sind wir auch fähig, dem Leben zu dienen und uns des Lebens zu bedienen. Kenntnis von den Dingen, wie was abläuft, wie was zu kriegen ist, wie was zu vermeiden ist sollte sein. – Ach bitte, wenn du um ein weites Herz bittest, dann auch um Wissensweite – wenn schon ein Golfball angesprochen sein will, wieviel mehr will das Leben pfleglich behandelt sein – du sollst wissen wollen, was du anrichtest. Du.

Du gehst ja mit Energien der Allmacht um. Der Ausschnitt deiner, meiner Kräfte gehört zum einen Kräftehaushalt, Gott genannt. Die Allmacht pickt nicht raus! Auch wenn ich, du Leid bereiten, dann mit den Energien des einen Gottes – kein Teufel, kein Gegengott hat Sonderenergien – mit meinem, deinem Tun schreiben wir die Geschichte der Allmacht mit. Wie Jesus ja den Geheilten immer sagte: danket Gott. – Und wie den Eltern bei der Taufe ihrer Kinder gesagt wird, daß sie Gottes Kinder zur Welt brachten und erziehen – so ergießt sich Gott in unsere Hände, Leiber, Seelen.

Suchen wir nicht mehr den obersten Planer der Weltzusammenhänge, suchen wir nicht nach göttlicher Strategie in den Verläufen. Gott ist das Zusammen von Allem, er – Gott – hat sein Wesen nicht über dem Geschehen, sondern Gott passiert – die Weltgeschichte ist sein Werden. Unser Sichvereinen und unser Entzweigehen hat eine persönliche Seite – weil wir eben zu eigenständigem Bewußtsein erfunden sind. Aber in unserm Freuen und Weinen ist der, die, das Ganze freudvoll und erschüttert. – Dies meint weites Herz: eins, das die Welt birgt, das mitfühlt, das nicht Stein wird.

Beten wir um Heiligen Geist, für uns, für die Mitmenschen, daß wir der Welt standhalten, ihr gegenüber Menschlichkeit behalten. Beten wir um Seelenkraft, uns hinzugeben an das Hiesige. Widmen wir uns dem Realen, besorgen wir Freude, Freiheit, weniger Leid. Zu helfen wissen, sich und anderen, ist Heiliger Geist in Aktion.

Daß du dir zu helfen weißt, meist, besorgt dir auch Zuversicht.

Auch, daß du einigermaßen um dich weißt, spürst, was dir gut ist, was dir schadet, macht dich zuversichtlich. Auch weißt du von Nächstenliebe und auch, daß Menschen unter Druck gefährlich werden können – also daß du mit dein Glück betreibst, wenn du das des andern besorgst.

Die eigene Wachheit bildet aber nur einzelne Balken vom Fachwerk deines Vertrauens. Hinzu komme dir ein kerniges Grundwissen, Wissen vom Grund der Dinge: Daß wir Hervorbringungen sind vom Vergnügen, hervorzubringen. Zwar „der Tod ist immer da, immer der ganz Nahe, er ist es, der lediglich in diesem Augenblick nicht zustößt“. Und doch sind wir „Ewig-Anfangende“ (Botho Strauß) zu immerwährender Communio bestimmt. Dem vertraue, daß die Liebe mit dir zu tun behält, und laß den heiligen Geist nicht von dir nehmen – laß dir nicht nehmen die Überzeugung, daß Menschen zugänglich und erreichbar sind mit Sprache, und daß du dich hörbar, vernehmbar machen kannst. Dieser Christusgeist bleibe bei dir, daß wir alle auch Verwundete sind, Bedürftige, und alle auch was haben, das den andern ergänzt; und behalte was vom „Könnensdrang“ (B. Strauß) der Kinder. Zum Wurzelholz deines Lebensvertrauens gehöre auch dies Wissen: Wenn du entzweit bist, sollst du es nicht bleiben; jeder Mensch soll zum Beieinandersein finden.

Und: Es hört dich einer – es fühlt das Herz der Welt mit dir.

Einige Male im Leben schlägt’s einem alle Gewißheiten weg. Dann schleppt einen nur die Biologie weiter und ein, zwei Freundesworte. Eins von einer menschenfreundlichen Bestatterin: „Man kann sich ja nicht daneben legen“. Ein anderes von Erich Fried:

Aufhebung

Sein Unglück ausatmen können, tief ausatmen, so daß man wieder einatmen kann

und vielleicht auch sein Unglück sagen können, in Worten, in wirklichen Worten, die zusammenhängen und Sinn haben und die man selbst noch verstehen kann

und vielleicht sogar irgendwer sonst versteht oder verstehen könnte.

Und weinen können. Das wäre schon fast wieder – Glück.

50.000 Gedanken denken sich pro Tag in uns. – Da ist ein Tag zu Ehren des Heiligen Geistes wohl angebracht: daß wir uns noch mal stimmen lassen von weitem, gewissen, heiligen, befreienden, freudigen Geist.

Diese Seelenkraft sieht alles Vergehen als Phase der Werdewelt, alles Loslassen als Anfangen, allen Wandel als Bleiben auf dem Weg. Da ist auch zerrissenes Glück noch Pfand für Dann-getröstet-werden. Das heißt mit den Worten von Psalm 126, 5 – 7: „Die mit Tränen säen, werden mit Freuden ernten. – Sie gehen hin und weinen und streuen ihren Samen und kommen mit Freuden und bringen ihre Garben“. – Daß auch die in Leid und Jammer erleben, daß Gott ihnen das Trauerkleid auszieht und sie mit Freuden gegürtet werden, daß sie ihre Füße wieder auf weiten Raum gestellt sehen und sie wieder tanzen, daß ihre Seele entrinne wie ein Vogel dem Netz des Vogelfängers, das Netz ist zerrissen und wir sind frei (Psalm 124, 7) – das uns zuflüstern, das uns versprechen – das ist Pfingsten. Daß wir nicht zugedeckt bleiben vom Jammer, von der Unzulänglichkeit der Welt – sondern wir getragen werden wieder von der „Seinsherrlichkeit“ (B. Strauß) der Welt – daß uns die Monstren der Entgeisterung ausfahren und in uns Platz geschaffen wird dem freien Geist, der die Wahl hat.

Ja, schaffe in mir, Gott, ein weites Herz und gib mir einen neuen gewissen Geist. Laß mich nicht irregehn, deinen heiligen Geist flöße mir ein. Stärke mich wieder mit deiner Freiheit und mit freudvollem Geist rüste mich aus, laß Heilung anheben. Amen.

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