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Predigt 11. Januar 2004

Keitumer Predigten Traugott Giesen 11.01.2004

Jesu Eltern als Vorbilder

Lukas 2,41-51, 2. Teil

Wir hatten eben über die Geschichte vom zwölfjährigen Jesus im Tempel nachgedacht, und die Geschichte endet mit dem Satz: "Jesus kehrte mit seinen Eltern nach Nazareth zurück und war ihnen untertan." Dieser Satz eröffnet ein weites Feld, noch ein Stück weit nachzudenken über Jesu Eltern als Vorbilder.

Eben haben wir noch gesungen: „Maria und Josef betrachten es froh, das Kindlein." Und da, an der Krippe, kommt ja Josef auch groß raus. Aber sonst in der biblischen Darstellung ist Josef nur ein Schatten im Vergleich zu Maria. Warum das so ist, wäre zu erkunden. Es kann ganz einfach sein: Josef starb früh und spielte anders als Maria in der Urgemeinde keine Rolle mehr, Maria dagegen war als Zeugin für ihren Sohn sicher auch für die Evangelisten wichtig- ich weiß nichts Genaues darüber, aber vermute mal, dass Maria gern und innig von ihrem Sohn erzählt hat und selbst an ihrer Gloriole als Mutter des Sohnes Gottes Freude hatte. Beim frühesten Zeugen Christi, bei Paulus, ist Maria namenlos, „Gott sandte seinen Sohn, vom Weibe geboren und unter das Gesetz getan“ (Galater 4,4). Aber zwanzig Jahre später, bei Lukas, singt sie das Magnificat - das Triumphlied des Glaubens im Neuen Testament.

Es lernten die frühen griechisch-römischen Christengemeinden den Gedanken liebzugewinnen, dass Jesus von einer Jungfrau geboren sei, „ohne Zutun eines Mannes.“ Das gebühre sich für Göttersöhne, dachte man; auch die römischen Kaiser beanspruchten himmlische Herkunft. Die Mütter waren hochgeehrt, der irdische Erzeuger aber, wenn am Leben gelassen, war auf ein Landgut im Appenin abgeschoben und zum Schweigen verurteilt: Die Vaterschaft stand dem himmlischen Jupiter zu. Wie sollte ein hergelaufenes Männlein den Sohn der Sonne gezeugt haben, das wäre doch allzu banal. Und ein Traumgedanke dazu: weiß nicht jede Schwangere sich von Gott schwanger? Und sind wir nicht alle empfangen vom Heiligen Geist, wenn auch mittels der natürlichen Angelegenheiten?

Lukas, der für die christliche Gemeinde in Rom sein Evangelium (und die Apostelgeschichte) geschrieben hat, nahm Kaiser Augustus als Vorbild für Jesus. Der himmlische, der wahre Sohn Gottes ist von oben her gezeugt; nach der Ansage des Engels Gabriel an Maria sollte der Heilige Geist über sie kommen und die Kraft des Höchsten sie „überschatten“- (das Wort wird nie für geschlechtlichen Umgang gebraucht, es ist genommen von der Wolke) In alten Marienbildern geschieht darum auch die Zeugung durchs Ohr: Die Zeugung Jesu ist ein Schöpfungsakt: Wie Gott sprach:“Es werde Licht. Und es ward Licht“ - so ähnlich sieht Lukas und die alte Kirche das in die Welt Gerufensein des Christus.

Das rückte den Josef zur Seite, in die Rolle eines väterlichen Mannes für Maria und Ziehvater für das Kind. Fürsorglich ist die Darstellung des Josefs in der Malerei. Außerdem wurde Josef zum Vorbild durch seinen Gehorsam. Im Traum erhielt er die Weisung, Maria und das Kind anzunehmen. Josef deutelte nicht, sondern gehorchte, redete sich nicht heraus, sondern nahm die Rolle an, in die Gott, das Schicksal, der Lebensruf ihn stellte.

Hier mal ein Lob und Dank an alle Menschen, die sich einer Mutter mit Kind, es kann auch ein Vater mit Kind sein, oder eines Waisenkindes annehmen. Kinder sind Auftrag, sie ins Leben zu geleiten. Der Ruf ist unbedingt, und wer ihn gehört hat, aber sich verschließt, bleibt gezeichnet bis er auf andere Weise wieder gutmacht.- Das Fremde annehmen, um seinetwillen - vielleicht zeugen Eltern um ihretwillen, wollen sich weitergeben, ihren Namen, ihren Hof weiterreichen. Aber ein Kind aufnehmen, im Bild der Jungfrau, im Bild des Ziehvaters, - das ist um des Kindes willen, das da ist. Ein Kind aufnehmen heißt Gott aufnehmen, sagt später Jesus (Matthäus 18,5) Das Kind ist da, also muss es väterlich mütterlich besorgt werden. Damit bietet Josef ein frühes Gegenbild zum Macho-Mann, Gegenspieler zu Herodes, der das Kind hasst.

Ansonsten, gemessen an Maria, ist Josef reduziert, es wird noch von mehreren Geschwistern des Jesus berichtet, also Josef war stattlicher Vater. Aber, Maria mit Kind ist das meistgestaltete Thema der abendländischen Kunst, und Josef ist fast wegretuschiert.

Und hat doch unauslöschliche Spuren hinterlassen. Einmal: die Herkunft des Jesus ist aus dem Hause und Geschlechte Davids. Alle Welt wartete, wartet noch, auf den endzeitlichen Retter – der soll, so die Propheten- aus „Bethlehem kommen, aus dem Hause und Geschlechte des Königs Davids.“ Jesus wird als Sohn Josefs und als Sohn der Jungfrau (nach Jesaja 7,14) als der Messias aus dem Geschlecht Davids erwiesen. Im Johannesevangelium ist der Hinweis: „Das ist doch Josefs Sohn“ Beweis für die echte Menschlichkeit des Jesus; Gott war Mensch geworden, Mensch mit Haut und Haaren und Sünde. Einmal fährt Jesus einem in die Parade: „Was nennst du mich gut? Niemand ist gut, denn Gott allein“ (Markus 10,18).

Mit Josef bekam Jesus seine irdische Verwurzelung und seine Abstammung von der Königssippe Israels, Josef war für die Herkunft wichtig. Dann war er für Jesu Zukunft wichtig: Was machte es mit dem Kind, dass es zur Mutter hinzu einen Vater hat, und was macht es mit dem Jungen, dass sein Vater Zimmermann war, griechisch "tektoon" (Matthäus 13,55) und Jesus diesen Beruf auch erlernt hatte (Markus 6,3).

Was wir glauben, werden wir. Wir werden, was wir denken, erfahren, benannt bekommen. Wie bekam Jesus Gott benannt? Wichtig ist ein Zwischenschritt: das männliche, das weibliche Prinzip, obwohl es nicht zwingend geschlechtsgebunden ist. Eine Großmutter erzählte ihrem Mann, dass die fünfjährige Enkelin angerufen habe, sie sei traurig: Ihr Freund Jonas spiele nicht mehr so oft mit ihr. Der Großvater lachte kurz auf und murmelte was vom Lauf der Welt, die Großmutter sagte: Du verstehst wieder nicht: Das Kind ist traurig!- Vielleicht ist es das: Sie sieht das Individuum, die einzelne Person. Die Wirklichkeit ist von einem Einzelnen(Gott) für einen Einzelnen gemacht. Das Männliche sieht das Grundsätzliche, die Gesetze, die Ordnung, die Normen. Das Weibliche sieht das Lebendige in seiner Einmaligkeit: Das Männliche pflanzt Baumschulen, das Weibliche redet mit dem einen Baum. Und das Männliche ist in viele selbstverständliche Zubilligungen eingebettet, er nimmt sich mehr, weil er mehr Muskeln, eine größere Leber hat, erzwingt mehr. Das Weibliche überredet eher, lockt, gurrt, ist wacher, auch nervöser. Eva redet mit Gott, will nicht glauben, dass der geliebte Vater sich eine schöne Frucht vorbehält, ohne sie mit der Tochter zu teilen. Adam schuftet, will im Rahmen seiner Kompetenz das Beste draus machen. Und nimmt den gereichten Apfel. Und isst. Das sind nur Andeutungen vom Verschiedensein von Mann und Frau, und wenn Gott den Menschen schuf, ihm ähnlich, dann muss dies Verschiedene auch in Gottes Wesen sein. Wie könnte das von Maria und Josef dem Jesus vermittelt worden sein?

Maria erzählt dem Jesus die unvergänglichen Dinge: Gott ist die Liebe, die Freude, das Lachen, sie stärkt Jesu Selbstbewusstsein durch "Mama liebt dich": Und Gott ist auch Mama. Später wird Jesus das einzigartig, wunderbare „abba“, den Titel „lieber Vater“ seinen Menschengeschwistern schenken. Sicher eine Einflüsterung von Maria, sagen wir eine Einflüsterung Gottes, mittels der Maria. Maria hat ihm einen mütterlichen Gott eröffnet: Gott liebt dich und braucht dich: Wie du bist, hat Gott dich lieb, wie eine Mutter ihr Kind lieb hat, auch wenn es viel falsch macht. Bei Müttern geht die Liebe zu den Kindern, wenigstens den Söhnen über das Herz. Bei Vätern geht die Liebe wenigstens zu dem Söhnen über den Stolz, über Leistung, Anerkennung, Vergleich, auch der Körperkräfte.

Also steht Josef für das Gesetz, die Ordnung, dass dem Leben Gewinn abzuringen ist, und man nichts mehr werden kann als ein verlässlicher Mitarbeiter Gottes. Also nutz die Begabungen, die du mitbekommen hast. Da ist der Zimmermann ja ein vorbildlicher Beruf, hoch angesehen: Menschen zum Haus verhelfen, Natur so behauen und bearbeiten, dass sie den Menschen dient, ein Zuhause ihm schafft, der Bauer dagegen schafft nicht, er nutzt eher, aber der Zimmermann ist gleichzeitig Architekt, er weiß zu behausen. Auch Jesus behaust später, er baut mit den Menschen Häuser aus Urvertrauen, eines nach dem andern. Aber drängt eben auch zum Mitarbeiten, zur Nächstenliebe: Vergebt, teilt, nährt, heilt. Das Aktive, Praktische, heilend Tätige hat Jesus wohl von Josef, von Maria hat er die Gewissheit: Du Sohn Gottes, einzigartig wunderbar, Sohn der Liebe für die Liebe gemacht.

Den Müttern schießt zumeist die Milch in die Brust ein, spätestens wenn sie ihr Kind gezeigt bekommen. Was sagt allein das über den wunderbaren Gott des Fleisches und der Güte? Maria muss dem Jesus viel von dem weiblichen, dem mütterlichen Gott erzählt haben, vielleicht auch aus dem Buch der Weisheit 2,23: "Gott hat den Menschen zur Unvergänglichkeit geschaffen, ihn zum Abbild seines Wesens gemacht. Rufe den Herrn an, dass der Geist des Herrn zu dir komme; bete, dass dir Einsicht gegeben werde." und "Du liebst alles, was ist und verabscheust nichts von dem, was du gemacht hast, du schonst aber alles, denn es gehört dir, Gott, du Freund des Lebens (11,24-26). Und Josef von dem Gott, der hier auf Erden seine Werkstatt hat und uns als Mitarbeiter braucht. Und das ist Gottes höchste Kunst, dass er macht, dass wir gern mitmachen. Wir brauchen alle was von Maria und Josef, haben alle was von ihnen, was uns stärke.


 



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