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Predigt 5. Oktober 2003

Keitumer Predigten Traugott Giesen 05.10.2003

Wer kärglich sät

2. Korinther 9, 6-8

Anlässlich einer Geldsammlung zugunsten der armen Jerusalemer Christen schreibt Paulus an die Gemeinde in Korinth: „Ich sage euch: Wer kärglich sät, der wird auch kärglich ernten; und wer da Segen sät mit vollen Händen, der wird auch Segen ernten mit vollen Händen. Ein jeder gebe, wie er's sich im Herzen vorgenommen hat, nicht mit Unwillen oder aus Zwang; Gott liebt fröhliche Geber. Gott aber kann machen, dass alle Gnade unter euch reichlich sei, damit ihr in allen Dingen allezeit für euch volle Genüge habt und noch reich seid zu so manchem guten Werk.“

Freunde. Seit es Kirche gibt, wird Geld erbeten. Denn erst seit es Tempel und Kirche gibt, fallen Arme, Hungernde, Obdachlose überhaupt auf. Und dass die Not des andern Gottgläubigen ein Stachel im eigenen Fleisch zu sein hat. Denn ein mütterlicher Vater lässt nicht einen Teil seiner Kinder hungern. Es ist so, dass ein Teil der Geschwister die andern hungern lässt. Und das ruft uns in die Pflicht, wir wissen es. Aber: „Den Vorteil zu behalten, fällt jedem selber ein, die Börse zu entfalten, das will ermuntert sein.“, so W. Busch. Und wie Paulus das macht, lasst uns mal sehen.

Klar, erst bringt er denen in Korinth bei, dass ja die Kirche in der Urgemeinde von Jerusalem geboren wurde, und wenn die jetzt am Hungern sind, dann ist das beschämend - es sind doch die geistlichen Eltern! Nach diesem Appell wird Paulus härter und grundsätzlich: „Wer kärglich sät, wird kärglich ernten“- dann wird er wieder versöhnlich: „Ein jeder wie sein Herz es ihm vorschreibt.“ Dann fast augenzwinkernd: „Einen fröhlichen Geber hat Gott lieb, von einem verkniffenen Geber will er nichts“- Dann Ausblick: „Gott wird’s schon richten: Gott kann machen, dass eure Güte reichlich wird.“ Dieses Wechselbad der Argumente, diese Seelenmassage lasst uns mal bedenken- es ist ja auch für uns was bei.

Also „Wer da kärglich sät, wird auch kärglich ernten“ -

Wir haben gut geerntet; wir, die wir hier sitzen. Wir säßen nicht hier, auf Sylt; hätten wir nicht mehr als wir dringend brauchen.Wir haben also gut eingefahren mittels Arbeit, der eigenen und anderer, durch Zinsen, durch Mieteinnahmen, durch geschicktes Verwalten, durch Abstehen vom Vergeuden - auch Dank für die Eltern, diese deine Eltern- mittels derer du Chaos meiden lerntest, was dir heute zu einem verantwortlichen Umgang mit deinem Geld verhilft. Wir haben gut geerntet, also haben wir nicht kärglich gesät.

Arbeiten ist ja sich mühen um andere, andern etwas bringen, zubereiten, bauen reparieren, schmücken, verkaufen; anderen helfen, zu genesen oder zu verstehen oder zu wissen, sie unterhalten oder auferbauen - hast du getan, mehr oder weniger. Oder bei allem äußeren Erfolg - doch kärglich gesät ? Zu wenig Saat, zu schlechter Boden, den nicht genügend vorbereitet, nicht die richtige Zeit beachtet? Denk an dein Arbeiten - gut dich ausgegeben?

Und denk an Dein Lieben - karg geliebt? Karg liebt Kirche, wenn sie über etwas wie Liebe in Machtworten spricht. Nur nebenbei. Liebe strömen lassen - Dichter können es klingend sagen: „Es war, als schöpften wir aus einem Brunnen, der uns beiden gehörte, und wir reichten uns zu trinken, immer wieder, ohne daß unser Durst nachließ oder das Wasser fad schmeckte, wir wurden einander Wasser des Lebens.“ – Dagegen karg lieben- rechnend, geizig, unverständig. Ach ein Drama: Nicht geliebt werden ist schlimm, das Schlimmste aber, nicht zu lieben. Wer nichts gibt, der hat nichts Oder weiß nicht, dass er was zu geben hat. Oder hält Geben für Verschwendung oder für bedrohlich- wie manche, die körperliche Berührung direkt abwehren, als sauge ihnen der Umarmende Wärme ab. Man will selber behalten die wenigen Krümel Glut unter der Asche der Jahre.- Kaum Menschen anrufen, kaum je einen im Krankenhaus besucht haben, nie einladen. Das kärgliche Säen bringt kärgliche Ernte - hart, diese Folgerichtigkeit: das Leben bestraft mit innerer Verkarstung.

Aber viel wichtiger, ja, lebensrettend ist die Regel: „Und wer da Segen sät mit vollen Händen, der wird auch ernten Segen mit vollen Händen.“- Das kann man an Eltern vieler Kinder ablesen - wie Vater und Mutter sich mühten, in Nachhilfeunterricht das abgesparte Geld steckten, die Kinder sollen es mal besser haben, und jetzt sind sie auch von ihren Kindern behütet. Segen gesät, ja auch durch Weitergabe von Erbe: „Der Eltern Segen baut den Kinder Häuser“ - so die Bibel (Sirach 3,11), aber noch mehr Segen gesät durch Gastfreundschaft, Menschenfreundlichkeit, Herzenswärme.

Du hast auch Menschen, von denen du Segen genommen hast, volle Hände Geschichten, Trost und Verständnis. Und hast davon weitergegeben. Du schmeißt doch mit vollen Händen Segen raus? Und ab jetzt noch mehr. Du weißt: Du hast was zu geben, und das wächst nur nach, wenn du es ausgibst. Deine Freundlichkeit, deine gute seelische Verdauung, dein Verwindenkönnen von Enttäuschung: Du mehr und mehr geschützt vor Illusionen und vor Angst. Lebensmut, deine starke Aussteuer: Wie es wird, wird es gut. Den Bissen "Jetzt", den kannst du genießen, den kannst du aufblühen lassen.

Du bist ein Segen, eine vertrauensbildende Maßnahme, wie ein Regenbogen in dunklen Wolken, so du, ein leuchtendes Gesicht; du, hör auf, klein von dir zu denken; gerade wenn du bescheiden, wenn du “im Herzen barfuß bist“ (Jan Skacèl), baust du andere auf, denk gut von dir, bitte.

Du zieht den Nächsten noch mit in die Bank, in der Kirche, im Zug, lässt ihn sich einfädeln im Verkehr, du schaffst ihm Gehör- und in dem Augenblick säst du eine Handvoll Segen; einer lebt wegen deiner kleinen Geste wieder lieber; atmet auf, fängt wieder an, was richtig zu machen.

Und du bekommst Segen zurück, in der Münze: „Ich mag mich“. Beschenken macht schön; einen zur nächsten Werkstatt abschleppen, eine Zerstrittene wieder in den Club hieven, einem Recht schaffen gegen Runtermachen, bringt dir einen Frieden ins Herz. Diese Dankbarkeit, dass man die Eltern oder Schwiegereltern oder einen andern Menschen, einen, fürsorglich gehegt hat. Einem einen Arbeitsplatz besorgt, einem eine Wohnung, einem wieder zu gutem Ruf verholfen haben - wieviel Saat konntest du ausbringen, an Freundschaft, an Mutmachen, an Brot für die Welt! Und was hast du geerntet!- sieh doch die Schätze, wie du mit vollen Händen Segen eingefahren hast, du bist gemocht; oder? Nicht genug, nie genug- natürlich. Säe mit vollen Händen, das andere kommt.

Paulus weiter: „Ein jeder gebe, wie er's sich im Herzen vorgenommen hat, nicht mit Unwillen oder aus Zwang.“ Das Geben der Liebe kann man nicht befehlen. Befehlsmäßiges, gesetzmäßiges Abgeben, das sind Steuern. Der Staat hat das Schwert der Rechts, soll er machen, dass wir nach unserer Leistungsfähigkeit die öffentlichen Aufgaben mittragen, ob mürrisch oder mit stolz, ist egal. Aber die Taten des persönlichen Erbarmens, die muss man mit sich selbst ausmachen. Herrlich der Paulus: „Macht das mit eurem Herzen aus.“ Wenn du dir vom Leben übervorteilt vorkommst; wenn du meinst, kaum was bekommen zu haben, als du in Not warst; oder wenn du dir nicht vorstellen kannst, zu bitten, eher würdest du dich verstecken, - dann kannst du jetzt nur wenig rauslassen. Du musst wohl erst mal nehmen lernen, erst mal lernen, dich beschenken zu lassen. Jedenfalls: Mach es wie du es denkst, du hast dein eigenes Gewissen, mit dem mußt du im Reinen sein, tu nichts aus Zwang, tu nichts wegen der Leute! Ist das gut, dass der Klingelbeutel tief ist und die Gabe vor dem Auge des anderen verborgen ist. Früher wurde es öffentlich auf den großen Teller gelegt und jeder konnte sich seinen Teil denken, fürchterlich.

„Gott liebt den fröhlichen Geber“, Gott ist ja selbst fröhlich zu denken, wie er sein Füllhorn guter Gaben über die Erde ausschüttet.

Mach dich fröhlich durch Großzügigsein, du musst dich nicht rächen, du musst nicht die Hand vor das Heft halten, damit der nebenan nicht abschreibt, du musst nicht den andern verpfeifen, nicht kniepig sein. Du kannst großzügig sein in bar, du kannst zuvorkommend Menschen gut sein, egal ob es was einbringt. Du Glückskind machst Dich glücklich, andere zu beglücken. Du verwöhnst dich, indem du andere beschenkst. Der Geschmack am Guten ist herrlich, was soll er noch extra belohnt werden - das ist höchste Lebenskunst.

Paulus sieht sich wohl umgeben von Anfängern in dieser Kunst. So manchen sieht er fröhlicher, indem er seinen Schein im Portemonnaie behält. Sei es, dass er künftige Not fürchtet, oder er ist einfach nickelsüchtig, oder er sieht nicht die Kinder vor sich, die er mit seinem Schein sättigt, sieht sie einfach nicht, weil sein Horizont eng ist, oder er fast immer mißtraut, also auch den Helfern, oder, oder.

Herrlich der Paulus: Er hört auf zu drängen und zu locken. Er legt alles in Gottes Hand: „Gott aber kann machen, dass alle Gnade unter euch reichlich sei, damit ihr in allen Dingen allezeit für euch volle Genüge habt und noch reich seid zu manchem gutes Werk.“ Also, dann sprich doch mit Gott, dass seine Gnade, sein Segen für dich noch zu wünschen übrig lässt; bitte ihn um mehr, wenn du das musst. Er kann machen, dass seine Gnade für dich reichlich wird, und du volle Genüge hast, und dann wird dein Überfluss schon den Weg finden zu denen in Not. Oder ist seine Güte für dich schon reichlich, „ein volles gedrücktes, gerütteltes und überfließendes Maß“ (Lukas 6,38)? und recht betrachtet - schwimmst du im Glück? An Erntedank 2003? Ja dann… Amen


 



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