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Predigt 24. August 2003

Keitumer PredigtenbTraugott Giesen 24.08.2003

Wucher mit den anvertrauten Pfunden

Matthäus 25 ,14- 30

"Denn es ist mit Gott und den Menschen so wie in folgendem Gleichnis. Ein Besitzer von vielem wollte außer Landes gehen: Er rief seine Knechte und vertraute ihnen sein Vermögen an; dem einen gab er fünf Zentner Silber, dem andern zwei, dem dritten einen, jedem nach seiner Tüchtigkeit, und zog fort. Sogleich ging der hin, der fünf Zentner empfangen hatte, und handelte mit ihnen, ebenso der, der zwei Zentner empfangen hatte. Nach langer Zeit kam der Herr dieser Knechte und forderte Rechenschaft von ihnen. Da trat herzu, der fünf Zentner empfangen hatte, und sprach: Herr, du hast mir fünf Zentner anvertraut; siehe da, ich habe damit weitere fünf gewonnen. Da sprach sein Herr zu ihm: Recht so, du tüchtiger und treuer Knecht, du bist über wenigem treu gewesen, ich will dich über viel setzen; geh hinein zu deines Herrn Freude! Da trat auch herzu, der zwei Zentner empfangen hatte, und sprach: Herr, du hast mir zwei Zentner anvertraut; siehe da, ich habe damit zwei weitere gewonnen. Sein Herr sprach zu ihm: Recht so, du tüchtiger und treuer Knecht, du bist über wenigem treu gewesen, ich will dich über viel setzen; geh hinein zu deines Herrn Freude! Da trat auch herzu, der einen Zentner empfangen hatte, und sprach: Herr, ich wusste, dass du ein harter Mann bist: Du erntest, wo du nicht gesät hast, und sammelst ein, wo du nicht ausgestreut hast; und ich fürchtete mich, ging hin und verbarg deinen Zentner in der Erde. Siehe, da hast du das Deine. Sein Herr aber antwortete und sprach zu ihm: Du böser und fauler Knecht! Wusstest du, dass ich ernte, wo ich nicht gesät habe, und einsammle, wo ich nicht ausgestreut habe? Dann hättest du mein Geld zu den Wechslern bringen sollen, und wenn ich gekommen wäre, hätte ich das Meine wiederbekommen mit Zinsen. Darum nehmt ihm den Zentner ab und gebt ihn dem, der zehn Zentner hat. Denn wer da hat, dem wird gegeben werden, und er wird die Fülle haben; wer aber nicht hat, dem wird auch, was er hat, genommen werden. Und den unnützen Knecht werft in die Finsternis hinaus; da wird sein Heulen und Zähneklappern."

Sicher ist das nicht das letzte Wort am Jüngsten Tag. Dafür steht Jesus ein, dass Gott abwischen wird alle Tränen von unseren Augen, und kein Leid mehr sein wird, denn das erste ist vergangen, eine neue Erde, ein neuer Himmel ist im Werden (Offenbarung 2. Vergangen auch unser Versäumen, „es soll nicht ewig dunkel bleiben über denen, die in Angst sind“ (Jesaja 8)

Und doch ist es ein Jammer, all das versäumte, verratene, abgetriebene, abgestumpfte Leben, hier. Vielleicht hast du ja aus deinem Leben viel gemacht, hast Arbeit gegeben und andern mit genützt mit dem, was du für dich ausgabst. Vielleicht hast du viel geliebt. Deine Begabungen genutzt, deinen Talente sprießen lassen. Hast mit deinen Pfunden gewuchert - so sagt man es, nach dieser bekannten Jesus-Erzählung. Oder bist du wie der Dritte, der seine Lebensbegabung nicht ausgibt, sondern hortet, vergräbt, verrät.

Ein starkes Bild hält Jesus uns vor: Der Besitzer verteilt seins, leiht es aus, kommt irgendwann wieder, will das Seine zurück haben mit Beute. Zwei haben sofort losgelegt, haben mit den anvertrauten 5 und 2 Pfund oder Zentner Silber gearbeitet. Talente, heißt es im griechischen Text , eine geläufige Münzeinheit - und die Geschichte wurde sehr richtig verstanden, als man hinter den Talenten die verschiedenen Begabungen verstand. Nur der eine mit dem einen Pfund, der hat gestreikt, der hat sich verweigert, der hat die Gabe ungenutzt liegen lassen, Und: hier hast du das Deine. Das ist eher pampig als unterwürfig. Der Verweigerer redet sich zwar raus: Ich wußte, du bist ein Harter, aber wenn er wirklich aus Angst zu versagen, sein Pulver trocken halten wollte, hätte er’s zur Bank geben können, mit Zinsen. Aber das sagt Jesus nicht, um uns Mut zu machen, anständig Geld zu verdienen, auch nicht in erster Linie, dass wir unser Geld anständig verdienen. Sondern: leb dein Leben intensiv. Und duck dich nicht weg. Mach was aus deinen Begabungen, du kannst dich nicht von dir selbst beurlauben lassen. Du selbst, bist mit einem einzigartigen Ich ausgestattet, du kannst dich nicht für Luft halten, auch wenn andere dich wie Luft behandeln sollten. Du bist mehr als die Summe der Behandlung durch andere. Du bist, für wen du dich hältst. Du bist, wem du zuhörst willst, du bist, wem du vertraust, du bist entscheidend, wem du dich anvertraust. Ja, auf wen hörst, wem gehörst du? Dieser letzte Grund für dein Hiersein und Dasein und Sosein, wer ist dir dein Grund? Ja, da liebst, du hältst für wichtig deinen Laden, deine Frau, dein Konto, aber, das ist nicht dein Wesen, das hat dich nicht verursacht. Wer ruft dich, dass du seist. Du weißt es selber. Es ist der, die große Gute Ganze, Licht vom unerschöpften Lichte, Fülle aller Gaben. Du bist gewollt von Gott, der dich ins Leben rief, der hat dich mit diesen Genen, diesen Begabungen, diesen Tendenzen belegt.und der will, dass du blühst und Frucht bringst.

Und du kannst nicht Gott vor ein Gericht ziehen und ihn fragen, warum hast du nur ein Talent, und deine Geschwister fünf, und dein Nachbar zehn. Mach doch erst aus dem einen was, dann gibt’s auch mehr, sagt Gott, sagt das Leben, - des Lebens Ruf wird niemals enden. Mach jetzt deins, so gut du vermagst, so freudenreich du kannst, so glücksbringend für dich und andere. Die Menschen sind einmalig, wunderbar, eben weil sie einzigartig gemeint sind, die Bienen sind alle gleich, machen exakt dasselbe, die Küken werden wieder Hühner mit genau solchen Eiern, es sei denn noch kräftigeres Kraftfutter usw. Aber die Menschen, jeder mit seinem Namen von Gott gerufen, Du bist mein, sagt er jedem. Ich vergleich dich nicht mit anderen. Und du sollst dich auch nicht vergleichen. Natürlich vergleicht ihr euch untereinander - klein, groß, dick, dünn, schneller Denker, schneller Läufer, kurzatmig, kleiner Wortschatz - natürlich suchen die Personalleute die erfolgversprechenden Bewerber, die dann auch mehr Geld verdienen, und sich wieder höherwertige Sachen kaufen können.

Aber den Irrtum, dass wer mehr hat, mehr sei: dieses "hast du was, dann bist du was", das macht nicht Gott, sondern wir spielen dieses Mörderspiel untereinander, seit Kain und Abel. Der Kain opfert für seine Ernte und Abel für die Seine, Kain sieht sein Opfer verachtet, weil der Rauch nicht so kerzengerade zum Himmel steigt. Und meint.,Gott bevorzuge Abel. Und weil Gott nicht greifbar ist, hält er sich an Abel. Dabei ist doch dies Neid und Verachtungsspiel Menschenwerk. Gott bevorzugt nicht, vergleicht nicht, soviel ich weiß, jeder ist seine einzige Sorge. Du wichtig, als wärest du der letzte Mensch auf Erden.

Völlig falsch ist es, dem Menschen ein Kleinsein einzureden, „Ach, ich bin viel zu wenig, zu rühmen deinen Ruhm, der Herr allein ist König, ich eine welke Blum“ – von wegen: Er hat dich zum Verwalter über seine Güter gesetzt. Er setzt in dir das Gelingen der Welt mit aufs Spiel, jeden Hauch von Minderwertigkeit müssen wir vom Menschen fernhalten. Wir haben schon genug Tendenz, schlecht von uns und anderen zu denken: „das Dichten und Trachten des Menschen ist böse von Jugend auf" (1. Mose 8,22) Nein und abermals nein: Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde und segnete ihn. Und siehe, es war sehr gut, nicht vollkommen, aber sehr gut, für den Weg zur Fülle, sehr gut für Weiteres.

Wir brauchen ein großes Selbstbewußtsein, nicht aus dem Vergleich untereinander, sondern aus der Gotteskindschaft. Und da gibt es Ältere und Jüngere, welche die hier und welche, die da geboren sind, mit verschiedenen Augen und Hautfarben, zwei Geschlechtern, vielleicht auch noch ein Drittes, verschiedene Begabungen und Vorlieben und Schwächen. Und wem viel anvertraut ist, von dem wird viel verlangt. Wem wenig anvertraut ist, von dem wird kleinere Ernte erwartet. Klar. Aber wer unter Hinweis, auf ungerechte Ausstattung, sein Quantum Gaben und Aufgaben zurückweist, der verkennt doch sein Menschsein, seine schlechthinnige Abhängigkeit in allem. Natürlich gehört zu den Gaben und Aufgaben auch, unser täglich Brot zu erwerben. Und andern helfen, ihr Auskommen zu erwerben, gehört zu den großen Begabungen. Verdienen kann man langfristig nur, wenn andere mitverdienen, und immer mehr Menschen gut davon haben, dass diese Leistung, diese Ware zur Verfügung steht. Arbeit verweigern, auch vergleichsweise schlechter bezahlte Arbeit ablehnen, weil ich mal in besser bezahlter Stellung war oder andere besser bezahlt werden…nein, nicht verweigern. Wenn wir im kleinen gute Arbeit leisten, und wir den Biss haben, gelingen zu genießen, dann werden wir wichtiger und darum auch besser bezahlt. Laßt uns mutig sein, auch ein Risiko bewußt, wenn auch nicht unverantwortlich, eingehen. Mit Gottvertrauen: Im Hafen sind Schiffe sicher, aber dafür sind sie nicht gemacht. "Je mehr man tut (und je weniger man jammert!!) desto größer wird der eigene Einflussbereich." (Dagmar Müller-Funk)“

Aber das Leben braucht noch ganz andere Begabungen. Und du hast noch ganz andere Talente: Du sollst dich nicht vergleichen. Auch du Frau, sollst deinen Mann nicht vergleichen mit Robert Redfort, Du Mann deine Frau nicht mit Meryl Streep. Gottes Söhne, Töchter sind keine Looser, nur, wir spielen in verschiedenen Ligen, bedienen verschiedene Steuerklassen. Die einen füllen mit ihrem Singen Stadien, die andern singen für Frau und Kind, und wieder andere singen noch nicht mal mit in der Kirche. Aber das geht doch, dass einer für den andern mitsingt.Die hier in der Kirche sind, beten auch für die Daheimgebliebenen das Vaterunser mit. Wir müssen stellvertretend denken. Und jeder hat ein Recht auf Glück. Und hat die Pflicht, ihm nicht im Weg stehen.

Diese Angst, abgewiesen zu werden und darum nicht zu bitten; die Angst, was falsch zu machen und dann höhnen sie, und darum still zu bleiben, unauffällig; Die Angst hinzufallen und sich die Hüfte zu brechen - deswegen möglichst nicht aus dem Haus gehen; die Angst, um eine neue Liebe zu werben, weil man enttäuscht werden könnte, oder weil mein enttäuschen könnte. Ach, knie dich doch ins Leben, bleib das Lieben nicht schuldig, den Falschen lieben ist schlimm, noch schlimmer ist, zu erkalten. Das ist dann Heulen und Zähneklappern. Nicht lieben ist die Hölle. Und wenn Du einen Hund, eine Katze Dein nennst, besser als gar nichts.

Lern wieder das Teilen und Lachen, genieß dein Brot mit Freuden und Freunden. Leb deins, zeig dich, bring dich wieder auf den Markt, biete dich an, du hast was zum Teilen, hast was mitzuteilen. Es lohnt sich, du zu sein. Und du bist doch kompetent für dich, du weiß wie du aus deinem Loch rauskommst. Auch aus deinem Loch, zu klagen, du seiest deinen Begabungen nicht gewachsen. Steh auf, tu heute einen Schritt in Richtung Glück, wenigstens mindere dein Unglück. Wir sind noch im Werden.


 



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