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Predigt 17. August 2003

Keitumer Predigten Traugott Giesen 17.08.2003

Israels Auszug aus Ägypten

2. Mose 14: Nach den zehn Plagen ließ der Pharao Israel gehen. Als aber dem König von Ägypten angesagt wurde, dass das Volk geflohen war, wurde sein Herz verwandelt und sprach zu seinen Großen: Warum haben wir Israel ziehen lassen, sodass sie uns nicht mehr dienen?

Und er spannte seinen Wagen an und nahm sechshundert auserlesene Wagen mit Kämpfern mit sich. Der HERR hatte das Herz des Pharao verstockt, dass er den Israeliten nachjagte. Aber die Israeliten fürchteten sie sich sehr und schrien zu dem HERRN und sprachen zu Mose: Lieber doch Gräber in Ägypten, als dass du uns wegführen musstest, damit wir in der Wüste sterben! Haben wir's dir nicht schon in Ägypten gesagt: Lass uns in Ruhe, wir wollen den Ägyptern dienen? Es wäre besser für uns, den Ägyptern zu dienen, als in der Wüste zu sterben.

Da sprach Mose zum Volk: Fürchtet euch nicht, steht fest und seht zu, was für ein Heil der HERR heute an euch tun wird. Der HERR wird für euch streiten, und ihr werdet stille sein.

Und der HERR sprach zu Mose: Hebe deinen Stab auf und recke deine Hand über das Meer und teile es mitten durch, sodass die Israeliten auf dem Trockenen mitten durch das Meer gehen. Da erhob sich der Engel Gottes, der vor dem Heer Israels herzog, und stellte sich hinter sie. Und die Wolkensäule vor ihnen erhob sich und trat hinter sie und kam zwischen das Heer der Ägypter und das Heer Israels. Und dort war die Wolke finster und hier erleuchtete sie die Nacht, und so kamen die Heere die ganze Nacht einander nicht näher.

Als nun Mose seine Hand über das Meer reckte, ließ es der HERR zurückweichen durch einen starken Ostwind die ganze Nacht und machte das Meer trocken und die Wasser teilten sich. Und die Israeliten gingen hinein mitten ins Meer auf dem Trockenen, und das Wasser war ihnen eine Mauer zur Rechten und zur Linken. Und die Ägypter folgten und zogen hinein ihnen nach. Als nun die Zeit der Morgenwache kam, schaute der HERR auf das Heer der Ägypter aus der Feuersäule und der Wolke und brachte einen Schrecken über ihr Heer. Und hemmte die Räder ihrer Wagen und machte, dass sie nur schwer vorwärts kamen. Da reckte Mose seine Hand aus über das Meer, und das Meer kam gegen Morgen wieder in sein Bett, und die Ägypter flohen ihm entgegen. So stürzte der HERR sie mitten ins Meer.

Und das Wasser kam wieder und bedeckte Wagen und Männer, das ganze Heer des Pharao, das ihnen nachgefolgt war ins Meer, sodass nicht einer von ihnen übrig blieb. Aber die Israeliten gingen trocken mitten durchs Meer, und das Wasser war ihnen eine Mauer zur Rechten und zur Linken.

Eine große Geschichte von Aufbruch und Zögern und himmlischer Führung und Rettung der einen und Verstockung, Verlorengehen der andern.- Die Gründungsakte Israels, die Rettung für einen großen Auftrag, die Leuchte der Gerechtigkeit zu werden.

Der Auszug aus der Knechtschaft Ägyptens und der Zug durchs rote Meer ist auch eines der Menschheitsbilder, der Innenbilder unserer Seelen, Wände, die uns durchlassen, Meere, die sich uns öffnen sind Szenarien unserer Träume. Was ist deine Knechtschaft heute, aus der du raus willst, was ist das Rote Meer, das du durchwaten musst? Was sind die Feinde, die hinter dir her sind? Hast du auch einen Mose, der für Gott bei dir die Hand ins Feuer legt? Deine Angst, hält sie dich auch so geduckt? Und du brichst nicht auf, weil du keinem Engel des Herrn vertraust? An den Fleischtöpfen Ägyptens, heißt : Sein Auskommen haben und kein Risiko eingehen, aber sich entfremdet sein. Was sind deine Fleischtöpfe, dein komfortables Gefängnis? Und unglücklich sein, das ist ja noch hoffnungsvoll, weil du deine Vision vom besseren Leben, besseren Ich noch hast. Vollends schlimm ist ja, wenn dein Wunschradar leer ist, wie ein rauschender Bildschirm und du einfach nur vorhanden bist.

Hast du Sehnsucht nach einem Mose? Der lehrt dich wieder das Wissen, dass du Sohn, Tochter Gottes bist, zu schade um bewusstlos-apathisch die Tage zuzubringen wie ein Geschwätz. Aufbrechen, fliehen, vor die Wand rennen, erstarren, aufgeben, fast - und dann die Rettung, das Unmögliche geschieht. Was den Weg versperrt, wird weggeräumt, dir tut sich ein Pfad auf. Diese Vorstellung: Die Wasser zerteilen sich, stehen zu Wänden rechts und links- und Israel, Du kommst durch, trockenen Fußes, glückselige Erschöpfung, Tänze, Freudengeheul, „Lobe den Herrn“ viele Strophen. Und dann der Weg ins Gelobte Land, was ist Dir, ist uns „Gelobtes Land“? Da Einigkeit mit Gott und den Menschen gelingt, und Liebe und Freiheit blühen - du Gott begegnest.

Aber der Weg zieht sich - für Israel vierzig Jahre und mehr- es ist immer noch auf dem Weg, Frieden zu finden, Frieden zu machen: Shalom alechem- Salam aleikum – auf hebräisch und auf arabisch klingt das „Friede sei mit euch“ ähnlich, aber es ist noch Wunsch und Bitte, die Völker sind noch auf dem Weg durch die Wüste, auf dem Weg zum Frieden. Und auch du, ich - noch unterwegs, nach Aufbruch aus der Knechtschaft, nach deiner Rettung, durchs Meer der Angst, der Not, der Einsamkeit. hindurchgetragen in die Liebe, in eine neue Gefährtenschaft, oder ein neuer Beruf oder eine neu e Hüfte. Und dann kommt das Gelobte Land auch noch lange nicht, sondern Weg durch die Wüste des Alltags, mit Sonntagen, mit Durst nach Verstehen und Oasen des Gespräches. mit Hunger nach Gerechtigkeit und einem Sternenhimmel voller Juwelen, dein Hiersein formt sich zu einem Lebensweg, auf dem Gott dich führt; Israel ist ihn gegangen. Gehen wir ihn nach.

Ägypten- das war für Israel zunächst nacktes Überleben, da gab es zu wenig Brot. Ihr Josef, ihr Verwandter, ihr Glaubensbruder, soll da die große Rolle als Ernährer gespielt haben vor langer Zeit, gut gedeutete Träume ließen den Pharao die Weizenerernten in sieben fetten Jahren aufkaufen, in den kommenden Hungerjahren konnte der Pharao sich das ganze Land und die umliegenden dazu unterwerfen, weil ihm die Hungerleider ihr Gold brachten. Gott hatte es gut gemeint, aber dann gerieten Josefs Verdienste in Vergessenheit, die Schonung Israels war dahin, man wurde Tagelöhner, beim Bau der Pyramiden. Und der Glaube dort hatte mehr mit Totenkult und schönem Schein zu tun als mit der Zukunft: Bald war man zufrieden mit Knoblauch und Fleisch - und Arbeit haben. Bis Mose aufstand und vom Gott der Väter und Mütter erzählte: Der wollte Israel nicht als Knecht von Königen haben, die sich selbst als Götter anbeten ließen. Mose versprach im Namen Gottes ein Riesenglück, nämlich Gottesbote, das Licht der Völker zu werden. Nur zögernd ließen sie sich raushebeln. Es mussten erst noch ungeahnte Wunder aufgeboten werden, aber sie nützten kaum dem Glauben, sobald die Not verebbt war, der Druck des Pharao gelockert, fingen sie wieder an zu mäkeln, es wäre doch ganz schön hier, und dumm sein und Arbeit haben. Das reicht doch, für deine großen Projekte Herr Gott, sind wir doch zu klein.

Und Mose knetet und verspricht: Alles wird gut, wenn wir erst mal durchs Meer sind. Und sie kamen durch, fragt mich nicht wie - es war ein großer Rausch, sie feierten den Sieg über Ross und Reiter der Ägypter. Es blieb bei Israel auch die Wehmut aufgehoben, dass Gott kein friedliches Nebeneinander gelang. Es ist bei Pharao eine Verstocktheit, deren letzte Urheberschaft sich Gott vorbehält. Wie er auch Trauer einfordert bei den siegestrunkenen Geretteten: „Was jauchzt ihr, wo ich weine um meine andern Kinder, die ertrunkenen Ägypter“ (ein jüdischer Midrasch zur Stelle) „Der Herr wird für euch streiten und ihr werdet stille sein“, schrieben sie sich auf die Fahnen - und wussten doch mit ihrem besten Wissen, dass Jahve nicht Israels Vereinsgott ist und auch ihnen er verborgen blieb, bis auf Mose, „mit dem redete Gott wie ein Mann mit seinem Freund“ (2. Mose 33,11), und seinen Leichnam begrub Gott eigenhändig und keiner weiß wo, bis zum heutigen Tag“ (5.Mose 34,6). Sie wollten dann loslegen durch die Wüste ins Land Kanaan, wo Milch und Honig flösse und es zwei Männer brauche, um eine Traube am Stecken schultern zu können. Aber der Weg wurde lang und länger, - es starben darüber mehrere Generationen in der Wüste. Doch sie fanden in der Wüste Lebensrettendes: Gottes Liebe in Gestalt von Überlebensmitteln und die Gebote, die der Menschheit das Zusammenleben ermöglichen.

Jetzt mein, dein Knechthaus Ägypten, nser selbstvergessenes Funktionieren und Schwelgen und Gehorchen und Knecht des Geldes zu sein, Vergünstigungen sammeln, ich bin doch nicht blöd - sich verloren gehen im Laufrad Erfolg. Und wer erinnert uns an die große Verheißung: Du Sohn und Tochter Gottes, brich auf, fang neu an, brich aus, draußen ist dein Freund, Gott bringt dich durch.- Vielleicht mit Hilfe eines Beraters, einer weisen Schwester, vielleicht ein Mose, der dir das Rückrat stärkt, und dann weicht die Angst hinter dich, das Meer der Zweifel spaltet sich, es zeigt sich ein Pfad, du kannst deinen Weg bahnen, und du siehst Gott vor dir als ein leuchtender Christus und als ein Bild von dir Erlöstem.- Du gerettet, du erstarkt, du mit aufrechtem Gang. Diese Gewißheit: Du gehst Gott nicht verloren, die lässt dich wieder Chancen sehen, du, mit dem Selbstbewusstsein der Tochter, des Sohnes Gottes, tust das Gute, aus Lust am Guten, ins Gelingen verliebt. Und was dir unter der Hand falsch läuft, das läuft sich zurecht, du kannst auch einige Schläge hinnehmen. Du kannst lernen.

Die Verwandlung vom geduckten zum leuchtenden Menschen - die lasst uns einander wünschen. Aus der Knechtschaft aufbrechen, das schier Unmögliche durchqueren, und die Wüsten bestehen mit den Wonnen der Oasen, den Tröstungen der Gefährtenschaft, im Kämpfen um das Bessere. Schon jetzt im Alltag Spuren von Gelobtem Land. Schon jetzt Reich Gottes im Anbruch, schon jetzt Morgenröte von Paradies, miteinander teilen, schon jetzt. Und die Freude des Gottwissens: Ein Kind zeigt dir die Blumen, erfindet beim Malen neue - die gab es noch nie: Wie schrumpft da dein Ärger, du nimmst neu Maß, was wichtig ist. Oder du liebst wieder, wie freundlich denkst du auch von anderen. Gefügig und geschmeidig muss man sein, und dankbar, sagte die Zweiundneunzigjährige und nahm noch ein Schlückchen auf Johannes Heesters, und seine 100 Jahre. Verwandlung heißt, ich sehe meine Probleme in anderem Licht, finde mich als im Wandel - wir sind doch nicht zum Zeitvertreib in die Welt gesetzt. Jeder soll die Einzigartigkeit seiner gotteskarätigen Seele entfalten. Wir können nicht einfach nur weitermachen: wenn es von selbst läuft, geht es bergab. Der Satz: „Bleib wie du bist“ führt irre.

Das richtige Bild ist wohl der Mensch auf dem Weg zu sich selbst unter Mühen und Wehen kommt ein neues Stück Du zur Welt. Also brich aus der Knechtschaft deines Üblichen, hör auf den Ruf der Freiheit, spring die Angst an und die Wasser weichen hinter dich - du auf dem Weg, mit dir und Gott einig zu gehen: von Gott geführt, brauchst du andere nicht mehr gnädig stimmen. Du weißt um deinen Wert - Gott hat so viel Rettung für dich aufgeboten, wie kannst du noch am Gängelband von Menschen gehen? Güte ja, aber nicht Gefangenschaft, nicht sich für dumm verkaufen lassen. Du kannst Menschen viel geben, und du bist es wert, von anderen Freude zu empfangen. Da musst immer wieder zu dir aufbrechen, auch Freundschaften kündigen, wenn sie dich starr machen, auch Vergünstigungen irgendwann zurückweisen, wenn sie dich gefangen nehmen. Wieder stehst du vor der Wand, oder einem Meer von Angst: Dann weißt du aber; Gott ist bei dir, du hast mit ihm schon einen Weg vollbracht: „Denke daran, was der Allmächtige kann, der dir mit Liebe begegnet (ist)“. Geh deinen Weg, und die Wasser weichen zurück, Gott hält dich. Es eröffnen sich dir Wege in der Gefahr.


 



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