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Predigt 8. Juni 2003

Keitumer Predigten Traugott Giesen 08.06.2003

Pfingsten

Apostelgeschichte 2

Fünfzig Tage nach Ostern, etwa, waren die Jünger und ein paar Hinzugekommene beieinander, alle an einem Ort in Jerusalem. Und es geschah plötzlich ein Brausen vom Himmel wie von einem gewaltigen Wind und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen. Und es erschienen ihnen Zungen, zerteilt wie von Feuer; Heiliges setzte sich auf einen jeden von ihnen, und sie wurden alle erfüllt von dem Heiligen Geist und fingen an, verzückt zu reden in Sprachen, wie der Geist ihnen gab, es auszusprechen. Es wohnten aber in Jerusalem auch Juden aus allen Völkern unter dem Himmel. Als nun dieses Brausen geschah, kam eine Menge zusammen und wurde bestürzt; denn ein jeder hörte sie in seiner eigenen Sprache reden. Sie entsetzten sich aber, verwunderten sich und sprachen: Siehe, sind nicht diese alle, die da reden, aus Galiläa? Was hören wir denn jeder seine eigene Muttersprache? Parther und Meder und Elamiter und die wir wohnen in Mesopotamien und Judäa, Kappadozien, Pontus und der Provinz Asien, Phrygien und Pamphylien, Ägypten und der Gegend von Kyrene in Libyen und Einwanderer aus Rom, Juden und Judengenossen, Kreter und Pleter: wir hören sie in unsern Sprachen die großen Taten Gottes reden. Sie entsetzten sich aber alle und wurden ratlos und sprachen einer zu dem andern: Was will das werden?Andere aber hatten ihren Spott und sprachen: Sie sind voll von süßem Wein.

Was den Bauleuten am Turm von Babel verloren ging und was sie Pfingsten in Jerusalem wiederfanden ist der Geist des Verstehens. Babylon steht für Macht, Übersicht, strategische Herrschaft, auf die andern herabzublicken, sie zum Dienen zwingen durch Angst. Pfingsten, Jerusalem: Das steht für ein Herz und eines Sinnes werden, Babel ist Herrschaft, Knechtschaft, Egozentrik: Pfingsten ist: Sympathie, Einig-werden-wollen, Einswerden. Über die ersten Christen kam ein Feuer, das alle Vorbehalte gegen den andern verzehrte. Ihre Seelen wurden zusammengetan, und dann machten sie auch gemeinsame Kasse. Menschen entdeckten ihr „Von-einem–Stamme-sein“. Sie wurden eines Sinnes, ein jeder hörte in seiner Sprache die großen Taten Gottes reden - so heißt es in der Gründungsakte der Kirche, in der Bibel nachzulesen Apostelgeschichte 2. Immer liebte ich diese erste Vereinte-Nationen-Versammlung: Parther und Meder und Elamiter, Kreti und Pleti, Einwanderer aus Rom. Der Glutkern der Kirche: Begeisterung für die Liebe, Mitgehen den Weg des Jesus zu entfeinden. Aber am Rand immer auch die Skeptiker: Da wird nie was draus, der Mensch ändert sich nicht, die von der Jesusgemeinde sind Träumer, sie sind voll süßen Weines.

Dabei lechzen wir doch alle nach Geist, nach dem Geist, der die Dummheit der Ichverhaftung aufbricht. Geist ist die Energie, die zum Guten antreibt, die zur Liebe beflügelt, die Energie, die zur Freude anstiftet, die unserer Schwachheit aufhilft, Geist ist die Power, die uns Schönes hervorbringen lässt, die uns klug macht, Geist ist die Kraft, die Wahrheit achten lehrt, die uns verantwortlich macht für das Gelingen des Leben. Geist ist auch die Begeisterung für Jesus Christus, diesen wunderbaren Menschen, den großen Menschheitslehrer, dem nachlebend die Furcht weicht; Geist ist auch der Stoff, der uns Menschen zusammenführt, nicht durch Diktat und Fron und Entpersönlichung, sondern uns zusammenführt durch Begeisterung füreinander.

Also in ganz vielen Spielarten, Sprachen, Chancen, Programmen treibt der Schöpfergeit seine Geschöpfe an, geistvoll, lustvoll, friedvoll, lebensprall, gemeinschaftsdurstig zu sein. Und macht uns zu Missionaren des Gemeinsamen, des beflügelten, glückenden, intensiven Daseins. Also Gott hat nicht nur die Welt geschaffen und sie dann ausgesetzt, sondern betreibt uns mit dem Treibstoff des Geistes.

Christen sind nach der Gründungsakte der Kirche die, die andern in deren Sprache die großen Taten Gottes beibringen. Also unser Beruf soll sein: ich soll in meiner Sprache, also in meinem Denkhaushalt die großen Taten Gottes wissen. Und soll die Großtaten Gottes anderen in deren Anschauung übersetzen.

Ich unter Einfluß, unter Einfluß Heiligen Geistes spüre, weiß, fühle, merke, ertaste, erschaue, erlausche die großen Taten Gottes - in mein Verstehen ergießt sich Heiliger Geist, befeuert mich mit Teilnehmelust am Dasein, ich sehe mich eingemischt als Mitarbeiter an den großen Taten Gottes, sehe mich begabt. Alle Begabungen der Menschen sind auch Gottes Werk, wir können sie nicht als unsere Leistung privatisieren. Heiliger Geist putzt mir die Augen zu einer neuen Sicht der Wirklichkeit. Sie ist Gottes Außenseite, jetzt gerade. Mit der Wirklichkeit klarkommen, klug und ohne falsch, ohne Illusionen, das ist geistesgegenwärtig leben.

Und was denen aus Kapadozein und Asien mit den Jüngern geschah, das soll den Mitmenschen mit den Christen auch geschehen. Christen deuten anderen die Wirklichkeit als gottvoll, als voll der Taten Gottes. Christen machen die Wirklichkeit durchscheinen als die große Tat Gottes jetzt, die vorwärtsrückt zur nächsten Großtat der Allmacht. Also, die Welt das Gegenteil von Hölle, Müllplatz und Saustall, das Leben in allen Facetten, mit allen Zufallsschlägen ein beseeltes Schöpfungswerk, in dem Gott drinsteckt.

Unter Einfluß des Heiligen Geistes ist alles um uns herum Chancenland für Glück, gutes Land für Freude. Nur müssen wir es unter den Pflug unseres Fleißes nehmen, müssen, was ist, mit unserm Schweiß düngen und unserm Mist. Das ist passierender Heiliger Geist. Heiliger Geist in Aktion ist, wenn einer einen von einer Wahnsinnstat abhält, oder wenn eine Lehrerin den Kindern ein Licht aufgehen läßt, oder wenn eine Musik erklingt, wie Beethovens Pastorale, worin wir als Bürger der Erde, als Hirten des guten Landes uns wieder erkennen. Ja, Kunst muss auch aufschreien machen, also Entsetzen bündeln, das Ungeheuerliche, das ganz und gar Bösverungeistigte anprangern, herausschreien, wie wir die großen Taten Gottes verhunzen und massakrieren. Ja, auch das Entsetzen über Kindersoldaten im Kongo und Straßenkinder in Rio und Verlassene in Heimen - laut schreiend öffentlich machen. Es ist doch unsere Sache, Gott seine Kinder, seine Alten, Gott in seinen Kindern, in seinen Alten nicht zu zerquälen.

Heiliger Geist im Bild sind Flammen, die auf unsern Köpfen tanzen, dass unter der Schädeldecke sich Erkenntnis zusammenbraue und wir reden. Gott will verstanden werden, darum hat er sich zu Menschen hinreißen lassen. Er ging das gigantische Abenteuer Menschheit ein. Wir können ihn quälen und dann noch ihn kränken, indem wir ihn hochnehmen mit der Frage, wie er das Leid zulassen könne. Kain fragt Gott, warum er ihn gewähren lasse. Das ist doch der Abgrund von Verrat. Gott hätte ihn vermeiden können, indem er auf Menschheit verzichtet, aber er will zeugen, will Mitfühlende, Mitmerker, Mitkommentierer, Mitdenkende. „Geschehenes ist ja überhaupt nicht geschehen, solange es nicht entdeckt wird, solange es nicht ausgesprochen wird, nicht bewertet wird, nicht andern was bedeutet. Darum erschuf uns Gott, dass wir die Welt verstehen als große Tat Gottes, uns, jeder für sich als große Tat Gottes versteht und den Nächsten auch. Verstehen. Ob wir die Welt voll großer Taten Gottes sehen oder uns zu Tode amüsieren in einem Treibhaus des Nichts - das muss unter unsern Schädeldecken schmoren. Unsere Deutung von Welt als Schöpfung, unser Verstehen ist Gott so wichtig, weil er kein Autist ist, sondern sich in uns sucht.

Ist es gut, Du zu sein? Bist du gern Du? Und hilfst du einigen anderen Menschen, gern sie selbst zu sein, und einigen Tieren auch? Dann wärest du voll des Heiligen Geistes, der macht, dass du in deinen Organen, in deinen Händen, mit deinem Denken die großen Taten Gottes tust und weißt. Und dann kannst du auch anderen ein Dolmetscher sein für die Wirklichkeit, dass sie diese chancenreich erleben und sich nicht dauernd im Weg stehen.

Es gibt eine wunderbare Wortschöpfung für die vom Heiligen Geist gedolmetschte Wirklichkeit. Wenn uns das Dasein als gottdurchwirkt aufgeht, dann leben wir „enthusiastisch“ - wörtlich: „in Gott“ seiend.

Natürlich sind wir auch manchmal arm dran, haben bedrückende Nachricht, müssen klein beigeben, und dennoch dich, mich hält Gott hoch, krönt dich mit Gnade und Barmherzigkeit, macht dich zu einer großen Tat Gottes. Bitte denk begeistert von dir und dem Nächsten auch, was hat er alles Menschenmögliche, und wie viele Kammern seinerselbst sind noch nicht aufgetan. Wie viel Wunderbarkeit hast du noch nicht bewundert, wie viel deiner Begabungen noch nicht ans Licht geholt. Wieviel Schwachsinn haben ich und du bei uns noch nicht abgestellt? Ja, komm, Schöpfer, heiliger Geist. Amen.

Schlussgebet


 



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