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Keitumer Predigten   Traugott Giesen   20.10.2002

Alles hat seine Zeit: in sich gehen und sich äußern, Tun und Lassen, Hinreise und Rückreise.

Zum Beispiel Elia

1. Könige 18

Elia - einer der ersten Propheten Israels, um 850 vor Christus, steht in erbittertem Streit mit König Ahab. Dessen Frau hatte ihren Glauben aus ihrer Heimat mitgebracht, und so langsam den Ahab auf ihre Seite gezogen. Der Glaube der Isebel war erdhaft, deftig, ihre Gottheit nannte sich Baal, der Herr der Natur, im Werden und Vergehen zuhause, in Zeugen und Gebären stark, mächtig an Gewalt. Das alles konnte der Gott Israels auch sein, aber dazu verlangt er Gehorsam, Nächstenliebe, Gerechtigkeit. Und will ein Reich Gottes auf Erden bauen, Baal dagegen läßt die Menschen in Ruhe, Gott aber treibt vorwärts - so verstand es Elia.

Und darum fand er sich nicht ab, mit den pompösen Opferfesten, dem Baal zu Ehren, wo man maßlos aß und trank, statt in sich zu gehen, wo man auch König und Königin als Oberpriestern huldigte. Die sakralen Feiern waren mehr Staatsschauspiel als Gottesdienste. Da schlug Elia dazwischen.

Er wollte ein Gottesurteil herbeizwingen, ob dieser Regenzauber-Baal Herr ist oder Gott, der Schöpfer, und der unsere Mitarbeit will nach seinen Geboten. Es muß da ein großes Drama sich abgepielt haben am Berg Karmel: das Volk, an die 30 000 Menschen sollen sich versammelt haben; in der Mitte zwei Altäre - einen bedienten die Baalsprister, ein ganzes Heer davon. Der andere Altar, nur mit Elia - und seiner mächtigen Stimme:

„Volk, wie lange hinkt ihr auf beiden Seiten? Ist der HERR Gott, so wandelt ihm nach, ist's aber Baal, so wandelt ihm nach." Und das Volk antwortete ihm nichts. Da sprach Elia zum Volk: Ich bin allein übrig geblieben als Prophet des HERRN, aber die Propheten Baals sind vierhundertundfünfzig Mann.

Lasst uns doch sehen, wessen Altar Feuer fängt. Ruft ihr den Namen eures Gottes an, aber ich will den Namen des HERRN anrufen. Welcher Gott nun das Opfer auf dem Altar mit Feuer entzündet, der ist wahrhaftig Gott. Und das ganze Volk antwortete und sprach: Das ist recht. Und die Propheten Baals nahmen den Stier, den man ihnen gab, und richteten zu und riefen den Namen Baals an vom Morgen bis zum Mittag und sprachen: Baal, erhöre uns! Aber es war da keine Stimme noch Antwort. Und sie hinkten um den Altar, den sie gemacht hatten.

Als es nun Mittag wurde, verspottete sie Elia und sprach: Ruft laut! Denn euer Baal ist wohl in Gedanken oder ist über Land oder schläft vielleicht; ruft, dass er aufwache. Und sie riefen laut und ritzten sich mit Messern und Spießen nach ihrer Weise, bis ihr Blut herabfloss. Aber da war keine Stimme noch Antwort, war keiner, der aufmerkte.

Da sprach Elia zu allem Volk: Kommt her zu mir! Und richtete das Holz zu und zerstückte den Stier und legte ihn obenauf. Und als es Zeit war, das Speisopfer zu opfern, trat der Prophet Elia herzu und sprach: HERR, Gott Abrahams, Isaaks und Israels, lass heute kundwerden, dass du Gott in Israel bist und ich dein Knecht und dass ich das alles nach deinem Wort getan habe! Erhöre mich, HERR, erhöre mich, damit dies Volk erkennt, dass du, HERR, Gott bist und ihr Herz wieder zu dir kehrst! Da fiel das Feuer des HERRN herab und fraß Brandopfer, Holz, Steine und Erde. Als das alles das Volk sah, fielen sie auf ihr Angesicht und sprachen: Der HERR ist Gott, der HERR ist Gott!“

Elia soll dann noch die Baalspriester alle umgebracht haben, und natürlich endete die Dürre mit einem großen Regen.

Dann sandte Isebel einen Boten zu Elia und ließ ihm sagen: Die Götter sollen mir dies und das tun, wenn ich nicht morgen um diese Zeit dir tue, wie du diesen getan hast!

Da fürchtete er sich, machte sich auf und lief um sein Leben und kam nach Beerscheba in Juda, er schickte seinen Diener weg und ging hin in die Wüste eine Tagereise weit und kam und setzte sich unter einen Wacholder und wünschte sich zu sterben und sprach: "Es ist genug, HERR, nimm meine Seele; ich bin nicht besser als meine Väter."

Schon das Mitlesen dieser riesigen Geschichte lässt uns eine Reise tun in die Mitte der Lebensgeschichte dieses Gotteskämpfers Elia. Er hat den Glauben an den großen Gott ausgebreitet, hat sich verausgabt und in Lebensgefahr begeben, hat anscheinend allein gekämpft, sah das Volk schon auf der andern Seite, bei den Halodrie-Göttern; der Königin Fleischtöpfe, verabreicht an den Baals-Altären lockten, „Brot und Spiele“ wirkten den Glaubenswechsel. Elia stand allein am Altar - dem letzten, der noch dem „Gott der Väter“ geweiht war. Und dann hat er eine Gewalttat vollbracht: er hat ein Gottesurteil herausgefordert. Ein Altar für Baal- ein Altar für Gott. Und welcher Opferaltar vom Himmel her mit Blitz in Brand gesetzt würde, der soll als wahrer Gott erwiesen sein: Gott oder Baal - was auch heißt Elia oder die andern. Und es wird erzählt, dass Elias Altar allein das Feuer bekam, und die andern waren als Irrgläubige, als Götzendiener als Betrogene Betrüger entlarvt.-

Wir Aufgeklärten wissen natürlich, dass das so nicht geht. Klar kann Gott so ein Spiel machen. Aber es ist unter seinem Niveau. Darum hat Jesus auf Wunder als Beweis für seine Gottesnähe verzichtet; Sie wollten ihn ja zum Brotkönig machen (Johannes 6,15), nur weil er aus Mitleid mal einige gesättigt hat, ohne dass er mit vollen Taschen kam. Er hat aus Erbarmen sicher auch Diesem und Jenem Heilung angetan, aber nicht um seinen Gott zu erweisen.- Hochriskant ist es, für Gott einzutreten durch Erzwingen eines Wunders. Jesus brandmarkt diese Herausforderung Gottes als Sünde: Es ist Einflüsterung des Teufels, das Versprechen Gottes zu einer Vorführung zu missbrauchen. "Er wird dich auf Händen tragen und hat seinen Engeln befohlen, dich zu behüten , dass du an keinen Stein stößest." - Also schmeiß dich herab vom Tempel.- Da sagt Jesus: heb dich hinweg Satan, du sollst Gott nicht versuchen, nicht ihn herbeizwingen, nicht ihn missbrauchen“ (Matthäus 4,7).

Wir müssen Gott nicht glauben, das ist seine und unsere Größe. Würde uns Gott sein Herrsein beweisen mit Auf-den-Kopf-stellen seiner Naturgesetze, dann müssten wir, vom Augenschein bezwungen ihn anbeten, aber nicht mit dem Herzen. Schon eine Isebel hat sich von dem Gewaltakt nicht überzeugen lassen: der so was fertig bringt, der ist des Teufels, sagt sie und trachtet ihm nach dem Leben.

Ob nun ein Blitz in den richtigen Altar einschlug damals oder nicht - Elia ist fertig, er ist ausgebrannt, er hat riesige Erfolge gefeiert, "jetzt ging er hin in die Wüste eine Tagereise weit und kam und setzte sich unter einen Wacholder und wünschte sich zu sterben und sprach: Es ist genug, so nimm nun, HERR, meine Seele; ich bin nicht besser als meine Väter."

Man kann das Stöhnen förmlich hören über die Jahrtausende. Elia möchte entbunden werden vom Hiersein. - Entbunden, das klingt nach loswerden dürfen die Last, die zu tragen aufgegeben war; nimm meine Seele- mein Ich, erlöse mich von der Mühe des Lebens. War es denn nicht schön, ja köstlich? Doch ja, Aber, man hat sich bemüht, mehr gibt es doch nicht zu sagen; Ich armer „Madensack“ (M. Luther), bin es nicht wert, dass ich dein Sohn heiße, ich bin auch nicht besser als meine Eltern. Der große Gottesstreiter, auch nur recht und schlecht, ein Mensch eben enttäuscht von sich. Er hätte es doch besser wissen müssen. Ich habe auch nur Gewalt mit Gewalt beantwortet. Zorn hat mich geritten, ein Schlächter unterwegs im Dienste des Herrn. Aber "Man kann das Lied der Liebe nicht auf dem Instrument der Gewalt spielen" (St. Lec). Ich habe dich dabei zum Baal herabgewürdigt, lass mich sterben.

Und er legte sich hin und schlief unter dem Wacholder. Und siehe, ein Engel rührte ihn an und sprach zu ihm: Steh auf und iss! Und er sah sich um, und siehe, zu seinen Häupten lag frisches Brot und ein Krug mit Wasser. Und als er gegessen und getrunken hatte, legte er sich wieder schlafen. Und der Engel des HERRN kam zum zweiten Mal wieder und rührte ihn an und sprach: Steh auf und iss! Denn du hast einen weiten Weg vor dir. Und er stand auf und aß und trank und ging durch die Kraft der Speise vierzig Tage und vierzig Nächte bis zum Berg Gottes, dem Horeb für einen neuen Auftrag.

Also Elia, muß noch wieder los. Er wird noch nicht in den Ruhestand entlassen, geschweige denn aus dem Leben. Er ist müde. Er schläft, er wird gestärkt, er schläft wieder, es rührt ihn wieder ein Bote an: Komm, geh. Und kraft der Speise ging er.

Auch wir sind auf dem Weg. Sind durchs Leben hin auf der Reise, bis wir hinweggenommen werden von hier. Wir brauchen auf dieser Reise Rückzugszeiten, Rückzugsorte, Rastzeiten, wir brauchen Speise, kraft derer wir wieder an die Arbeit gehen.

Elia geht in die Wüste: Jesus zieht sich auch in die Wüste zurück, geht weg von Menschen, oder rudert mit einem Boot auf den See, um zu sich zu kommen. Einmal ging er auf einen hohen Berg, mit nächsten Freunden, kehrt sich da zum All hin, zu der Heiligkeit des Lebens, und die Freunde sind so weltabgewandt verzückt, daß sie sagen: „Lass uns hier Hütten bauen, für Mose eine, Elia eine, und für Dich und uns auch eine - so richtige Aussteiger wollten sie sein, ewig im Gespräch mit den Heiligen, Aber Jesus steigt wieder ab, kehrt zurück an seine Arbeit, seine Passion (Matthäus 17,4).

Diese Wechsel von Arbeiten und Ausruhen ist wie Einatmen und Ausatmen, wir brauchen auch Stille. Schweigen muß auch mal um uns sein, dass wir endlich auch unser Inneres hören können. Ein Mensch wusste diese Notwendigkeit urplötzlich bei einem abendlichen Strandspaziergang. Und sie legte ihr Handy ab und ihre Uhr - nicht sehr bedacht, wohin, nur lossein wollte sie die Zeiger der Pflichten, des Verknüpftseins. Das ist schon ein rigoros, so endlich sich Ruhe zu verschaffen.

Hoffentlich sind wir achtsamer, nehmen uns die Auszeiten und lauschen nach innen, hören den Blutkreislauf rauschen, ziehen uns die Sternendecke oder den Klangteppich des Meeresrauschn über und sind vor dem All hingekniet. Schlafen ist so ein Zurückgehen, Zurücksinken, Ertrinken, Sich verlassen. Der Schlaf, - ein kleiner Tod. Aber doch immer in der Gewißheit, dass man aufwachen wird. Der Schlaf ist das rascheste Mittel, den Morgen zu erreichen (C. Pavese).

Elia wollte keinen weiteren Morgen hier, keine tägliche Folter namens Zeit mehr (E. M.Cioran). Aber er bekam eine Speise, die ihn wieder gehen ließ: Was brachte ihn wieder auf die Beine? Die Gewissheit, gern noch von Gott hier gebraucht zu werden.- Jetzt nicht mehr um sich kämpfend, seinem Gott und damit sich die Ehre zu mehren.- Sondern er geht behände. Er findet Stärkung in einem Wissen, der Alltag ist gut, ich kann darin eins sein mit Allem, nichts kann mich mir entfremden, ich kann wählen und mir Böses fernhalten. In der Stille wächst mir, dir dies Vertrauen wieder zu: Du, gut gehimmelt, kannst mit dir einig sein, was dich dir entfremdet, das lass am Rande. Ruhe und Gebet flößen dir Kraft ein, mit dem Leben zu leben und dem Leben geben, was es braucht, um dich glücklich zu machen. Diese Hinreise zu dir musst du machen, wenn dein Alltag dich verschluckt und du nur noch funktionierst. Dann musst du wieder erfahren: Ich darf sein, darf ich sein, darf den andern lassen, darf meinen Weg gehen, der Liebe und des Gewährens. Das erfahre dir. Nimm dir Ruhezeiten, Ruheorte. Auch jeden Tag eine Zeitoase, da zieh dich zurück um dann wieder einzusteigen und zu teilen. Dazu von Marie Luise Kaschnitz: „Im Schreibwarenhandel gibt es kleine, auf bestimmte Weise hergerichtetet Tafeln, auf denen man, durch einen einzigen Handgriff, die vorher in die weiche Fläche eingegrabene Schrift auslöschen kann. Tatsächlich brauchen wir, um etwas zu erfinden, in uns eine solche Leere, Stand im Frühlicht, von den Wellen glatt gewaschen, noch keine Fußspur im Sand.“ Dann kann es geschehen, wir sind von einem Engel angefasst: und wissen was wir müssen. Amen.


 



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