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Keitumer Predigten   Traugott Giesen   17.02.2002

Der Sündenfall

Bibeltext:

1. Mose 2, 8.9.16.17; 3
Es war zu der Zeit, da Gott der HERR Erde und Himmel machte.
Und Gott der HERR pflanzte einen Garten in Eden gegen Osten hin und setzte den
Menschen hinein, dass er ihn bebaue und bewahre.
Und Gott der HERR ließ aufwachsen aus der Erde allerlei Bäume, verlockend
anzusehen und gut zu essen, und den Baum des Lebens mitten im Garten und den
Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen.
Und Gott der HERR gebot dem Menschen und sprach: Du darfst essen von allen
Bäumen im Garten,
aber von dem Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen sollst du nicht essen; denn
an dem Tage, da du von ihm isst, musst du des Todes sterben.

Aber die Schlange war listiger als alle Tiere auf dem Felde, die Gott der HERR
gemacht hatte, und sprach zu der Frau: Ja, sollte Gott gesagt haben: Ihr sollt
nicht essen von allen Bäumen im Garten?
Da sprach die Frau zu der Schlange: Wir essen von den Früchten der Bäume im
Garten;
aber von den Früchten des Baumes mitten im Garten hat Gott gesagt: Esset nicht
davon, rühret sie auch nicht an, dass ihr nicht sterbet!
Da sprach die Schlange zur Frau: Ihr werdet keineswegs des Todes sterben,
sondern Gott weiß: an dem Tage, da ihr davon esst, werden eure Augen aufgetan,
und ihr werdet sein wie Gott und wissen, was gut und böse ist.

Und die Frau sah, dass von dem Baum gut zu essen wäre und dass er eine Lust
für die Augen wäre und verlockend, weil er klug machte. Und sie nahm von der
Frucht und aß und gab ihrem Mann, der bei ihr war, auch davon und er aß.
Da wurden ihnen beiden die Augen aufgetan und sie wurden gewahr, dass sie
nackt waren, und flochten Feigenblätter zusammen und machten sich Schurze.
Und sie hörten Gott den HERRN, wie er im Garten ging, als der Tag kühl
geworden war. Und Adam versteckte sich mit seiner Frau vor dem Angesicht Gottes
des HERRN unter den Bäumen im Garten.
Und Gott der HERR rief Adam und sprach zu ihm: Wo bist du?
Und er sprach: Ich hörte dich im Garten und fürchtete mich; denn ich bin
nackt, darum versteckte ich mich.
Und er sprach: Wer hat dir gesagt, dass du nackt bist? Hast du nicht gegessen
von dem Baum, von dem ich dir gebot, du solltest nicht davon essen?
Da sprach Adam: Die Frau, die du mir zugesellt hast, gab mir von dem Baum und
ich aß.
Da sprach Gott der HERR zur Frau: Warum hast du das getan? Die Frau sprach:
Die Schlange betrog mich, sodass ich aß.
Da sprach Gott der HERR zu der Schlange: Weil du das getan hast, seist du
verflucht.
Und zur Frau sprach er:; Unter Mühen sollst du Kinder gebären. Dein Verlangen
soll nach deinem Mann sein, aber er soll dein Herr sein.
Und zum Mann sprach er: Weil du gehorcht hast der Stimme deiner Frau und
gegessen von dem Baum, von dem ich dir gebot und sprach: Du sollst nicht davon
essen -, verflucht sei der Acker um deinetwillen! Mit Mühsal sollst du dich von
ihm nähren dein Leben lang.
Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen, bis du wieder zu
Erde werdest, davon du genommen bist. Denn du bist Erde und sollst zu Erde
werden.[a]
Und Adam nannte seine Frau Eva; denn sie wurde die Mutter aller, die da
leben.
Und Gott der HERR machte Adam und seiner Frau Röcke von Fellen und zog sie
ihnen an.
Und Gott der HERR sprach: Siehe, der Mensch ist geworden wie unsereiner und
weiß, was gut und böse ist. Nun aber, dass er nur nicht ausstrecke seine Hand
und breche auch von dem Baum des Lebens und esse und lebe ewiglich!
Da wies ihn Gott der HERR aus dem Garten Eden, dass er die Erde bebaute, von
der er genommen war.
Und er trieb den Menschen hinaus und ließ lagern vor dem Garten Eden die
Cherubim mit dem flammenden, blitzenden Schwert, zu bewachen den Weg zu dem Baum
des Lebens.

Predigt:

Wir glauben Gott als Schöpfer von Himmel und Erde, wissen ihn auch als Schöpfer von dir und mir. Er hat mein Sein geschaffen - aber auch mein Schwierigsein, mein Bösesein? Und das meiner Eltern, meines Heimatlandes? Mehrere tausend Menschen sind eingesperrt, weil unser Staat sie wieder in ihre Herkunftsländer abschieben will, - abschieben - das Wort verrät, daß wir mit einer lästigen Sache, meinen zu tun zu haben, nicht mit Mitmenschen gleicher Würde. Und wir, ich, du sagen nicht laut, daß wir sie zu Nachbarn haben wollen.-
Woher das Sündigen an Mitmenschen, das Schuldigwerden an meinem eigenen Gutseinwollen. Wir waren doch von Gott gut erschaffen? Oder war immer schon der Wurm drin?-

Die alte Geschichte vom Ursprung erzählt, wie es anfangs war mit uns, von Anfang an war mit uns. Die Geschichte vom Sündenfall Adams und Evas handelt von uns Menschen, Adam und Eva sind keine Eigennamen sondern: Adam - der Mann-Mensch; Eva - Frau und Mutter des Lebendigen.
Sie lebten in einem Garten, der alles hatte, um glücklich zu sein, wenn sie ihn denn bebauten und bewahrten. Also, Arbeit war immer dabei, und damit ein Grund für Streit, ob der eine soviel arbeitet wie der andere; Ob der eine soviel bekommt von den Früchten wie der andere. Ob einer mehr aufhebt von seinem Anteil als der andere, einer durch Verzicht jetzt in der Zukunft mehr hat. Und dann Neid erzeugt und was hat, um Gehorsam zu verlangen. Aber diese Unterschiede beschafften Bundheit, nicht Machtansprüche, weil man sich im Garten Gottes wusste, eine Familie mit Gott.

Aber der Wurm war mit drin von Anfang an, im Bild gesprochen: die Schlange - sprechend - ein Symbol für das, was uns wurmt, was tief in unserem Inneren rumort. Listig ist sie, - etwas spricht in uns, das uns hereinlegen kann, das uns übermag und anstachelt, größer von uns zu denken, uns für cleverer zu halten - und dann stehen wir da als betrogene Betrüger.
Wie beginnt das Böse?
Durch Diskussion, ob das Gute gut ist oder es nicht doch noch zu steigern wäre.
Die Schlange fragt, was denn Gott nun gesagt habe. Sollte Gott gesagt haben, von dem Baum sollt ihr nicht essen - ja, wozu ist er denn da, und die Früchte sind verlockend. Könnte Gott was für sich aufsparen und nicht teilen wollen die Freuden? Wir dürfen sie anschauen, aber nicht haben?
Erst scheint der Mensch das Verbot hinzunehmen als: so ist es. Etwas Geringes bleibt unerreichbar, leicht hinnehmbar die Einschränkung, der Garten ist groß, das Glück riesig, das Leben schön. Dann bohrt es in ihr. Nur ja nicht anfassen, nur ja nicht dran rühren, schon das würde Strafe nach sich ziehen. Der Mensch spürt sein Begehren, gerät in Angst vor sich selbst, verschiebt die Angst in Richtung Urheber der Einschränkung. Sollte Gott das Beste für sich reserviert haben?

Die Versuchung wird beim kreisenden, bohrenden Nachdenken immer begieriger: erst war man gern Kind Gottes, im Garten der fast unbegrenzten Möglichkeiten. Dann beim Wachsen des eigenen Ichs kommt Argwohn. Vielleicht ist Gott gar nicht so ein guter mütterlicher Vater, sondern will uns klein halten? Die Menschheit in der Pubertät, wie jeder einzelne auch: Im Angesicht der elterlichen Autorität: Lüge oder Diebstahl. Und sie aß. Und gab ihrem Mann auch davon, und er aß.
Da wurden ihrer beider Augen aufgetan. Und sie sahen, daß sie nackt waren. Sie erkennen sich als Mängelwesen, als schuldig, sie schämen sich voreinander. Wie ja gemeinsam begangene Untaten überhaupt Menschen nicht verbinden, sondern machen, dass sie sich aus dem Weg gehen, so erinnern sie einander fortan an ihr gemeinsames Ungenügen. Und werden sich oft runterziehen, kurz halten, beargwöhnen, erziehen: jeder will den anderen zum besseren Menschen machen.

Die Liebe des Paradieses ist verloren gegangen - dieses Miteinander: jeder gibt, was er hat und nimmt, was er braucht. Eingebettet in ein großes Gottvertrauen, vertraut man sich und einander. Aber weil wir Gott misstrauen und beargwöhnen, ist auch der Nächste mit Vorsicht zu genießen. Und die Liebe ist zerbrechlich. Wir suchen Sichtschutz voreinander - auch Denkschutz. Wie oft verwischt man Spuren im Gespräch, um sich nicht zu sehr zu offenbaren - das hieße, zu sehr sich ausliefern.

Die alte Geschichte erzählt die Menschheitsleiden als Strafen, verhängt von einem in seiner Ehre verletzten Gott. Aber das ist so nicht gemeint. Was nach Vertreibung aussieht ist ein Verlorengehen. Uns ist das Paradies, die völlige Gottinnigkeit verloren gegangen. Wir siedeln jenseits von Eden. Aber - und das
ist das wunderbare Wissen Israels und der Christen: Gott geht mit. Und sät seinen Segen, sät Lebensmut ein in unser mühsames Irdisches, wo wir einander Pfänder vom Paradies geben können. Wie Gott den Menschen Röcke schneiderte, daß sie sich wärmen und sogar schmücken konnten, so lässt und beschafft er uns Kultur.

Das Wort Sünde bewart das alte Wort "Sund" auf: das, was trennt. Was uns von Gott trennt, sind nicht einzelne Verfehlungen, sondern das Misstrauen, Gott liebe uns nicht oder weniger als andere oder sei überhaupt nicht mehr da. Diese Schlange im Denken bricht uns den vertrauensvollen Hintergrund weg. Dann sind wir nicht mehr geborgen im Ring der Liebe und argwöhnen unser Lieben sei Illusion, nur ein bißchen Trost eben, eine Sache der Nerven nur. Verliert die Liebe den Segen von oben, ist sie von Herrschsucht und ins Leere laufender Sehnsucht bedroht. Was als Quelle der Freude gedacht ist vom Schöpfer - die Liebesumarmung und Kinder - ist mit Schmerzen verbunden. Die Menschenliebe ist doch Feuerschein der Liebe Gottes. Ist aber Gott uns leer, kann auch das Lieben uns leer werden und Kinder eine schmerzensreiche Beziehung.
Und die Arbeit, wenn sie nicht als Mitarbeit an Gottes Reich verstanden wird, also nur Nahrung beschafft, dann ist sie doch Fron. Und wenn wir aus der Verbundenheit mit Gott falllen, sind wir nur Materie, nur Staub. - Doch Gott schafft uns wieder neu das Hintergrundswissen: Von guten Mächten wunderbar geborgen sind wir, sind nicht Asche, sondern Gottes Freunde. Amen.

Schlußgebet




 



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