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Keitumer Predigten   Traugott Giesen   17.09.2000

Der Grund des Glaubens II

Noch mal: Wie gehört Glaube an Gott und Glaube an Jesus Christus zusammen. Es gibt nur einen Gott – sagen wir und geben uns tolerant. Aber von welcher Seite ich ihn sehe, welche Geschichten ich mit ihm verbinde, ob ich ihn fürchte oder achte oder liebe oder meditiere, das kommt auf meine Verbindung zu ihm an. Ob Mose mein Gewährsmann ist oder Mohammed oder Buddha oder Jesus, das macht viel aus, das prägt Person und Gesellschaft.
Die Wahrheit des Glaubens ist Gott, aber der Grund, aus dem die Wahrheit zu mir hin quillt, ist Christus. – Er erweckt in mir den Glauben an den totenerweckenden Gott. Jesus durchstösst mit seinem Glauben den Tod, er ruft bildlich gesprochen: Gottesland in Sicht; am Horizont des Todes nicht das Nichts sondern Gott in seiner Fülle. Damit gibt er dem Leben einen Drive der Hoffnung wie kein anderer. Vor uns immer Gott , nicht der Tod – das ist mir die Substanz der Auferstehung Jesu, und damit ist auch das Wesen Gottes geklärt: Nicht wesentlich geht Gott rechtlich mit uns um, nicht majestätisch, nicht schweigend, sondern als zukunftbauend, verwandelnd.
Wie kam das Wissen zu uns?
Paulus schreibt an die Korinther: „Ich habe euch als Hauptstück überliefert, was mir auch schon überliefert wurde: nämlich, dass Christus gestorben ist für unsere Sünden nach der Schrift, und dass er begraben worden ist, und dass er auferstanden ist am dritten Tage gemäss den Schriften, und dass er erschienen ist dem Petrus, dann den Zwölfen. Danach erschien er über fünfhundert Geschwistern auf einmal, von denen die Mehrzahl noch jetzt leben, aber einige sind entschlafen. Danach erschien er dem Jacobus , dann allen Aposteln. Zuletzt von allen aber, wie der Fehlgeburt erschien er auch mir“ (1. Korintherbrief 15, 3 - 8.)
Dieser Text ist etwa 26 Jahre nach dem Tod Jesu geschrieben worden, die Bekehrung des Paulus geschah wohl drei Jahre nach Jesu Tod um das Jahr 30. Paulus sagt, dass auch ihm das Ereignis schon berichtet worden ist, und dass er selbst der Erscheinung teilhaftig wurde. Am Ende einer Erscheinungskette wurde er auch noch beglückt, er, der als Christenverfolger doch einer solchen Begegnung nicht würdig war.
Paulus liegt mit seinem Bericht ganz nah am Ereignis, er kennt die Augenzeugen, sein Bericht ist deren Kontrolle ausgesetzt. Also die Auferstehung ist passiert an historischem Ort zu bestimmter Zeit. „Gestorben, begraben, auferstanden, erschienen“ – ist schon Zitat, ist schon weitergesagt, ist schon Formel, wird nicht mehr bezweifelt. Er ist erschienen – nicht nur: sie haben ihn gesehen sondern: er hat sich sehen lassen. Also nicht die Imaginationskraft der Jünger stellte ihnen den Freund wieder vor Augen. Die Aktivität ging nicht von den Trauernden aus. Er kam auf sie zu. Der die Lebensenergie ausstrahlte, als wäre er deren Schöpfer, hat sie durch den Tod behalten. Im Comic würde man zeigen, wie er den Tod, eine riesigdicke Stahlplatte, durchschreitet wie ein Schneidbrenner; zurück bleibt eine leuchtende Öffnung mit seinem Profil. – Und jetzt werden wir alle den Weg des Lebens gehen durch den Tod als Nadelöhr, nicht mehr als Wand.
Gestorben nach der Schrift – Paulus denkt an die Stelle des Propheten Jesaja 53, 5 – „für unsere Sünden dahingegeben“. Und auferstanden gemäss der Schrift, Prophet Hosea 6, 2: „am dritten Tage“ – so muss „am dritten Tage“ nicht historisch sein; historisch ist aber, dass es geschah. Die Erscheinungen vollzogen sich über drei Jahre hin, Paulus nimmt seine Bekehrung als letzten Auftritt des Herrn in dieser Art und Weise. Hier im Korintherbrief, die erste Spur von Ostern, aber hier im ältesten Bericht wie auch in den Evangelien keinerlei Beschreibung der Auferstehung, keine Schilderung des Auferstehungsgeschehens. Die Evangelien schmücken die Erscheinungen aus, je weiter vom Ereignis entfernt um so farbenfroher, und um so leerer ist das Grab. Paulus wusste wohl nichts vom leeren Grab; hat er davon gewusst, hat er dem Vakuum keine Bedeutung beigemessen.
Die ersten Erscheinungen haben sich wohl in Galiläa ereignet, wohin die Jünger zurückgegangen waren (nach späten Berichten waren sie hinbestellt). Es gab keine Erscheinung vor einer neutralen Kommission. Die ihn sahen, glaubten; es war ihnen Begegnung, Wiedererkennen, neue Beauftragung. Sie waren betroffen, es war ein Kennen, ein Wissen, das durch das Sterben hindurch erhärtet wurde. Die seine Auferstehung bezeugen, sagen nicht: Sein Tod sei rückgängig gemacht, nicht kehrte er zurück ins Irdische, so dass er Sterben noch mal vor sich hätte. Die seine Auferstehung bezeugen, sagen, er hat den Tod hinter sich, er hat dem Tode die Macht genommen, von Gott zu trennen. Jesus Christus ist bei Gott und darum in der Mitte der Wirklichkeit, jeder Zeit gleichzeitig, ist hier, mitten unter uns, als Seelenführer, als Freund, als Souffleur der Liebe Gottes.
Die Liebe ist stärker als der Tod, das zeigt der Zeuge des Glaubens. Für die ersten Christen, Frauen, Männer, geht das Leben mit Jesus weiter in einem Augenblick innigsten Wiedererkennens. Aber keine körperliche Nähe – das „Rühr mich nicht an“, dem Jesus später an Magdalena in den Mund gelegt (Johannes-Ev. 20, 17), ist deutlich. Und die späte Erzählung, dass der ungläubige Thomas dem Jesu die Hand in dessen Wunde legen durfte, ist ein verzweifeltes Bild der Christen in der dritten Generation: Denen verflüchtigt sich die Auferstehung zu einer schönen Idee, dagegen setzen sie die Hyperrealität der offenen Wunde, drohen aber dem, der nicht glaubt sondern sehen will (Johannes-Ev. 20).
Eben das gab es nicht zu sehen, was man anfassen und hätte testen können. Er erschien, er ass mit ihnen, er tröstete, er schickte sie los, das Reich Gottes weiter zu verkünden. Merkwürdig die Geschichte der Jünger von Emmaus: Sie trafen einen, der ihnen darlegte, wie das Sterben des Jesus doch habe sein müssen, der ass mit ihnen, dann verabschiedete er sich. Die Jünger gingen dann auch ihres Weges und beim Weitergehen sagten sie: „Brannte nicht unser Herz, als er uns die Schrift öffnete?“ (Lukas 24, 32). Dieses Herzbrennen ist doch spüren, dass die Liebe sie trägt, ist ihr Erkennen und Sehen.
Und damit sind wir den ersten Jüngern gleichgestellt. Sie hatten auch nicht mehr als wir. Kein wunderbarer Vorgang zwang sie in den Glauben, kein erst Sehen – dann Glauben. Das „liefe groteskerweise darauf hinaus, dass diejenigen, die als erste den Glauben predigten, selbst nicht darauf angewiesen waren zu glauben. Sondern durch das Sehen vom Glauben freigestellt waren. Vielmehr handelt es sich um ein glaubendes Sehen“ (G. Ebeling).
Die ersten Zeugen und wir sehen den liebenden Christus, der an der Gewalt der Welt umkam und doch hier ist, mitten unter uns. – Auch uns kann ein Damaskus-Erlebnis des Paulus widerfahren
Apostelgeschichte 9: Der hiess Saulus, ein Gesetzesfrommer, er schnaubte mit Drohen und Morden gegen die Jünger, die Anhänger des neuen Weges, dem Jesus nach den Frieden mit Gott zu glauben und unter den Menschen auszubreiten. Irgendwann in Damaskus umleuchtete ihn plötzlich ein Licht, und er fiel zu Boden und hörte eine Stimme: Saul, Saul, warum verfolgst du mich? Er aber sprach: Herr, wer bist du? Der sprach: Ich bin Jesus, den du verfolgst. – Und er konnte drei Tage nichts sehen, essen oder trinken. Dann kam ein segensreicher Mensch zu ihm, legte ihm die Hände auf und sprach: Lieber Bruder Saul, der Herr hat mich gesandt, Jesus, der dir auf dem Weg erschienen ist, dass du wieder sehend und mit heiligem Geist erfüllt werdest. Und sogleich fiel es ihm wie Schuppen von den Augen, und er stand auf und liess sich taufen.
Eine innere Kraft schafft sich in mir, dir Geltung, erweckt den Glauben, dass ich geliebt und gebraucht bin von dieser Liebe, die stärker ist als der Tod, abgebildet in der Person Jesus Christus. Jesus Christus ist mir, dir der Offenbarer, dass uns nichts scheiden kann von der Liebe Gottes. Nicht wichtig, ihn zu irdischen Lebzeiten gekannt zu haben, das hat Paulus auch nicht gehabt. Nicht wichtig ist, Jesu Biographie vor Augen zu haben; „und wenn wir Jesus gekannt hätten, so kennen wir ihn nach dem Fleisch nicht mehr“ (2. Korinther 5, 16) sagt Paulus und meint: Wichtig ist: Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur (2. Korinther 5,1 7).
Glauben an Christus, heisst sich einverleibt wissen in einen guten Zusammenhang aller Dinge. Jesus sah alles Gottwidrige in Gott integriert, sah zuletzt auch den Tod als Ereignis in Gott, und dieser Jesus Christus vollzieht diesen guten Zusammenhang, indem er mich zum Glied an seinem Leib macht.
So weiss dich in ihm geborgen, sing das auch „und fahr ich durch die Höll, ist Christus mein Gesell“, wie es im Gesangbuch heisst – „also nicht bloss ein durch Jesus, der Glaube hervorruft, sondern ein an Jesus haftender, in Gemeinschaft mit ihm existierender Glaube“ (G. Ebeling).
Jesus Christus als mein Glaubensgrund, enthebt mich nicht zu glauben. Aber als „Begründer und Vollender des Glaubens“ (Hebräerbrief 12, 2) brauch ich ihn, und fast ist die Gewissheit seines Leuchtens in mir, dir doch die Garantie, dass er auch existiert hat. Sein Existierthaben ist Tatsache. Aber nicht kann ich mich erst vergewissern seiner Wunderbarkeit, doch kann ich ihn mit Wunderbarkeit existent wissen. Ich kann mich auch nicht erst der Liebe eines Menschen vergewissern und dann beschliessen, ihn zu lieben. – Ich kann nicht erst die Auferstehung bewiesen kriegen, dann halte ich sie auch für mich wichtig, sondern Jesus begründet in mir Glauben und vollendet ihn auch. Und du brauchst dich auch nur dem erreichbaren Wissen von und über Jesus Christus aussetzen – und du wirst in seinem Beziehungsgeflecht dich wahrnehmen – du siehst mit seinen Augen die Welt, und du bist ein anderer, eine neue Kreatur
Schläft ein Lied in allen Dingen, die da träumen fort und fort, und die Welt hebt an zu singen, triffst du nur das Zauberwort (Eichendorff), oder das Zauberwort trifft dich: ein Herzwort des Jesus: etwa „Wem viel anvertraut ist, von dem wird viel erwartet“ (Lukas 12, 48), oder „Gott ist grösser als unser Herz, wenn es uns verurteilt“ (1. Johannesbrief 3, 20), oder, oder...
An Jesus glauben, heisst, mit ihm glauben, ihm nach glauben, sich auf dem neuen Weg sehen mit ihm; der bürgt dafür, dass uns nichts scheiden kann von der Liebe. – Und darum können wir unsern Argwohn fahren lassen und unsere Kontroll-Lust, können lernen, Verantwortung zu übernehmen und auf sich beruhen zu lassen – also glaub dich als Teilhaber an der Allmacht Gottes.
Gott macht den Sonnenaufgang und ruft die Kinder in die Chromosomen, Gott will dich, liebt dich, braucht dich – und weckt auf von den Toten. Jesus hat uns Gottes Kompetenz beglaubigt. Ich liebe ihn, weil er an ihn glaubte und ihn uns zuführt, ihn uns entdeckt, ihn uns entlarvt als mütterlich-väterlichen Grund, uns darin einlässt – im Bild: Jesus Christus macht mich, dich fromm, bekehrt uns zu unserm wahren Selbst, zu Kindern Gottes, einander Geschwister. Amen.
Keitumer Predigten   Traugott Giesen   17.09.2000
 

Der Grund des Glaubens II

Noch mal: Wie gehört Glaube an Gott und Glaube an Jesus Christus zusammen. Es gibt nur einen Gott – sagen wir und geben uns tolerant. Aber von welcher Seite ich ihn sehe, welche Geschichten ich mit ihm verbinde, ob ich ihn fürchte oder achte oder liebe oder meditiere, das kommt auf meine Verbindung zu ihm an. Ob Mose mein Gewährsmann ist oder Mohammed oder Buddha oder Jesus, das macht viel aus, das prägt Person und Gesellschaft.
Die Wahrheit des Glaubens ist Gott, aber der Grund, aus dem die Wahrheit zu mir hin quillt, ist Christus. – Er erweckt in mir den Glauben an den totenerweckenden Gott. Jesus durchstösst mit seinem Glauben den Tod, er ruft bildlich gesprochen: Gottesland in Sicht; am Horizont des Todes nicht das Nichts sondern Gott in seiner Fülle. Damit gibt er dem Leben einen Drive der Hoffnung wie kein anderer. Vor uns immer Gott , nicht der Tod – das ist mir die Substanz der Auferstehung Jesu, und damit ist auch das Wesen Gottes geklärt: Nicht wesentlich geht Gott rechtlich mit uns um, nicht majestätisch, nicht schweigend, sondern als zukunftbauend, verwandelnd.
Wie kam das Wissen zu uns?
Paulus schreibt an die Korinther: „Ich habe euch als Hauptstück überliefert, was mir auch schon überliefert wurde: nämlich, dass Christus gestorben ist für unsere Sünden nach der Schrift, und dass er begraben worden ist, und dass er auferstanden ist am dritten Tage gemäss den Schriften, und dass er erschienen ist dem Petrus, dann den Zwölfen. Danach erschien er über fünfhundert Geschwistern auf einmal, von denen die Mehrzahl noch jetzt leben, aber einige sind entschlafen. Danach erschien er dem Jacobus , dann allen Aposteln. Zuletzt von allen aber, wie der Fehlgeburt erschien er auch mir“ (1. Korintherbrief 15, 3 - 8.)
Dieser Text ist etwa 26 Jahre nach dem Tod Jesu geschrieben worden, die Bekehrung des Paulus geschah wohl drei Jahre nach Jesu Tod um das Jahr 30. Paulus sagt, dass auch ihm das Ereignis schon berichtet worden ist, und dass er selbst der Erscheinung teilhaftig wurde. Am Ende einer Erscheinungskette wurde er auch noch beglückt, er, der als Christenverfolger doch einer solchen Begegnung nicht würdig war.
Paulus liegt mit seinem Bericht ganz nah am Ereignis, er kennt die Augenzeugen, sein Bericht ist deren Kontrolle ausgesetzt. Also die Auferstehung ist passiert an historischem Ort zu bestimmter Zeit. „Gestorben, begraben, auferstanden, erschienen“ – ist schon Zitat, ist schon weitergesagt, ist schon Formel, wird nicht mehr bezweifelt. Er ist erschienen – nicht nur: sie haben ihn gesehen sondern: er hat sich sehen lassen. Also nicht die Imaginationskraft der Jünger stellte ihnen den Freund wieder vor Augen. Die Aktivität ging nicht von den Trauernden aus. Er kam auf sie zu. Der die Lebensenergie ausstrahlte, als wäre er deren Schöpfer, hat sie durch den Tod behalten. Im Comic würde man zeigen, wie er den Tod, eine riesigdicke Stahlplatte, durchschreitet wie ein Schneidbrenner; zurück bleibt eine leuchtende Öffnung mit seinem Profil. – Und jetzt werden wir alle den Weg des Lebens gehen durch den Tod als Nadelöhr, nicht mehr als Wand.
Gestorben nach der Schrift – Paulus denkt an die Stelle des Propheten Jesaja 53, 5 – „für unsere Sünden dahingegeben“. Und auferstanden gemäss der Schrift, Prophet Hosea 6, 2: „am dritten Tage“ – so muss „am dritten Tage“ nicht historisch sein; historisch ist aber, dass es geschah. Die Erscheinungen vollzogen sich über drei Jahre hin, Paulus nimmt seine Bekehrung als letzten Auftritt des Herrn in dieser Art und Weise. Hier im Korintherbrief, die erste Spur von Ostern, aber hier im ältesten Bericht wie auch in den Evangelien keinerlei Beschreibung der Auferstehung, keine Schilderung des Auferstehungsgeschehens. Die Evangelien schmücken die Erscheinungen aus, je weiter vom Ereignis entfernt um so farbenfroher, und um so leerer ist das Grab. Paulus wusste wohl nichts vom leeren Grab; hat er davon gewusst, hat er dem Vakuum keine Bedeutung beigemessen.
Die ersten Erscheinungen haben sich wohl in Galiläa ereignet, wohin die Jünger zurückgegangen waren (nach späten Berichten waren sie hinbestellt). Es gab keine Erscheinung vor einer neutralen Kommission. Die ihn sahen, glaubten; es war ihnen Begegnung, Wiedererkennen, neue Beauftragung. Sie waren betroffen, es war ein Kennen, ein Wissen, das durch das Sterben hindurch erhärtet wurde. Die seine Auferstehung bezeugen, sagen nicht: Sein Tod sei rückgängig gemacht, nicht kehrte er zurück ins Irdische, so dass er Sterben noch mal vor sich hätte. Die seine Auferstehung bezeugen, sagen, er hat den Tod hinter sich, er hat dem Tode die Macht genommen, von Gott zu trennen. Jesus Christus ist bei Gott und darum in der Mitte der Wirklichkeit, jeder Zeit gleichzeitig, ist hier, mitten unter uns, als Seelenführer, als Freund, als Souffleur der Liebe Gottes.
Die Liebe ist stärker als der Tod, das zeigt der Zeuge des Glaubens. Für die ersten Christen, Frauen, Männer, geht das Leben mit Jesus weiter in einem Augenblick innigsten Wiedererkennens. Aber keine körperliche Nähe – das „Rühr mich nicht an“, dem Jesus später an Magdalena in den Mund gelegt (Johannes-Ev. 20, 17), ist deutlich. Und die späte Erzählung, dass der ungläubige Thomas dem Jesu die Hand in dessen Wunde legen durfte, ist ein verzweifeltes Bild der Christen in der dritten Generation: Denen verflüchtigt sich die Auferstehung zu einer schönen Idee, dagegen setzen sie die Hyperrealität der offenen Wunde, drohen aber dem, der nicht glaubt sondern sehen will (Johannes-Ev. 20).
Eben das gab es nicht zu sehen, was man anfassen und hätte testen können. Er erschien, er ass mit ihnen, er tröstete, er schickte sie los, das Reich Gottes weiter zu verkünden. Merkwürdig die Geschichte der Jünger von Emmaus: Sie trafen einen, der ihnen darlegte, wie das Sterben des Jesus doch habe sein müssen, der ass mit ihnen, dann verabschiedete er sich. Die Jünger gingen dann auch ihres Weges und beim Weitergehen sagten sie: „Brannte nicht unser Herz, als er uns die Schrift öffnete?“ (Lukas 24, 32). Dieses Herzbrennen ist doch spüren, dass die Liebe sie trägt, ist ihr Erkennen und Sehen.
Und damit sind wir den ersten Jüngern gleichgestellt. Sie hatten auch nicht mehr als wir. Kein wunderbarer Vorgang zwang sie in den Glauben, kein erst Sehen – dann Glauben. Das „liefe groteskerweise darauf hinaus, dass diejenigen, die als erste den Glauben predigten, selbst nicht darauf angewiesen waren zu glauben. Sondern durch das Sehen vom Glauben freigestellt waren. Vielmehr handelt es sich um ein glaubendes Sehen“ (G. Ebeling).
Die ersten Zeugen und wir sehen den liebenden Christus, der an der Gewalt der Welt umkam und doch hier ist, mitten unter uns. – Auch uns kann ein Damaskus-Erlebnis des Paulus widerfahren
Apostelgeschichte 9: Der hiess Saulus, ein Gesetzesfrommer, er schnaubte mit Drohen und Morden gegen die Jünger, die Anhänger des neuen Weges, dem Jesus nach den Frieden mit Gott zu glauben und unter den Menschen auszubreiten. Irgendwann in Damaskus umleuchtete ihn plötzlich ein Licht, und er fiel zu Boden und hörte eine Stimme: Saul, Saul, warum verfolgst du mich? Er aber sprach: Herr, wer bist du? Der sprach: Ich bin Jesus, den du verfolgst. – Und er konnte drei Tage nichts sehen, essen oder trinken. Dann kam ein segensreicher Mensch zu ihm, legte ihm die Hände auf und sprach: Lieber Bruder Saul, der Herr hat mich gesandt, Jesus, der dir auf dem Weg erschienen ist, dass du wieder sehend und mit heiligem Geist erfüllt werdest. Und sogleich fiel es ihm wie Schuppen von den Augen, und er stand auf und liess sich taufen.
Eine innere Kraft schafft sich in mir, dir Geltung, erweckt den Glauben, dass ich geliebt und gebraucht bin von dieser Liebe, die stärker ist als der Tod, abgebildet in der Person Jesus Christus. Jesus Christus ist mir, dir der Offenbarer, dass uns nichts scheiden kann von der Liebe Gottes. Nicht wichtig, ihn zu irdischen Lebzeiten gekannt zu haben, das hat Paulus auch nicht gehabt. Nicht wichtig ist, Jesu Biographie vor Augen zu haben; „und wenn wir Jesus gekannt hätten, so kennen wir ihn nach dem Fleisch nicht mehr“ (2. Korinther 5, 16) sagt Paulus und meint: Wichtig ist: Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur (2. Korinther 5,1 7).
Glauben an Christus, heisst sich einverleibt wissen in einen guten Zusammenhang aller Dinge. Jesus sah alles Gottwidrige in Gott integriert, sah zuletzt auch den Tod als Ereignis in Gott, und dieser Jesus Christus vollzieht diesen guten Zusammenhang, indem er mich zum Glied an seinem Leib macht.
So weiss dich in ihm geborgen, sing das auch „und fahr ich durch die Höll, ist Christus mein Gesell“, wie es im Gesangbuch heisst – „also nicht bloss ein durch Jesus, der Glaube hervorruft, sondern ein an Jesus haftender, in Gemeinschaft mit ihm existierender Glaube“ (G. Ebeling).
Jesus Christus als mein Glaubensgrund, enthebt mich nicht zu glauben. Aber als „Begründer und Vollender des Glaubens“ (Hebräerbrief 12, 2) brauch ich ihn, und fast ist die Gewissheit seines Leuchtens in mir, dir doch die Garantie, dass er auch existiert hat. Sein Existierthaben ist Tatsache. Aber nicht kann ich mich erst vergewissern seiner Wunderbarkeit, doch kann ich ihn mit Wunderbarkeit existent wissen. Ich kann mich auch nicht erst der Liebe eines Menschen vergewissern und dann beschliessen, ihn zu lieben. – Ich kann nicht erst die Auferstehung bewiesen kriegen, dann halte ich sie auch für mich wichtig, sondern Jesus begründet in mir Glauben und vollendet ihn auch. Und du brauchst dich auch nur dem erreichbaren Wissen von und über Jesus Christus aussetzen – und du wirst in seinem Beziehungsgeflecht dich wahrnehmen – du siehst mit seinen Augen die Welt, und du bist ein anderer, eine neue Kreatur
Schläft ein Lied in allen Dingen, die da träumen fort und fort, und die Welt hebt an zu singen, triffst du nur das Zauberwort (Eichendorff), oder das Zauberwort trifft dich: ein Herzwort des Jesus: etwa „Wem viel anvertraut ist, von dem wird viel erwartet“ (Lukas 12, 48), oder „Gott ist grösser als unser Herz, wenn es uns verurteilt“ (1. Johannesbrief 3, 20), oder, oder...
An Jesus glauben, heisst, mit ihm glauben, ihm nach glauben, sich auf dem neuen Weg sehen mit ihm; der bürgt dafür, dass uns nichts scheiden kann von der Liebe. – Und darum können wir unsern Argwohn fahren lassen und unsere Kontroll-Lust, können lernen, Verantwortung zu übernehmen und auf sich beruhen zu lassen – also glaub dich als Teilhaber an der Allmacht Gottes.
Gott macht den Sonnenaufgang und ruft die Kinder in die Chromosomen, Gott will dich, liebt dich, braucht dich – und weckt auf von den Toten. Jesus hat uns Gottes Kompetenz beglaubigt. Ich liebe ihn, weil er an ihn glaubte und ihn uns zuführt, ihn uns entdeckt, ihn uns entlarvt als mütterlich-väterlichen Grund, uns darin einlässt – im Bild: Jesus Christus macht mich, dich fromm, bekehrt uns zu unserm wahren Selbst, zu Kindern Gottes, einander Geschwister. Amen.
 


 



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