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Keitumer Predigten   Traugott Giesen   03.09.2000

Die Wahrheit des Glaubens

Aus Psalm 19:
Die Himmel erzählen die Ehre Gottes, und die Feste verkündigt seiner Hände Werk.
Ein Tag sagt's dem andern, und eine Nacht tut's kund der andern.
Er hat der Sonne ein Zelt am Himmel gemacht;
sie geht heraus wie ein Bräutigam aus seiner Kammer und freut sich wie ein Held, zu laufen ihre Bahn.
Sie geht auf an einem Ende des Himmels und läuft um bis wieder an sein Ende, und nichts bleibt vor ihrer Glut verborgen.
So vollkommen ist auch der Wille Gottes und erquickt die Seele.
Das Zeugnis des Herrn ist gewiss und macht die Unverständigen weise.
Seine Gebote erfreuen das Herz.
Und sie erleuchten die Augen.
Und wer sie hält, der hat grossen Lohn.
Ach, lass dir gefallen die Rede meines Mundes und das Gespräch meines Herzens vor dir, Gott, mein Fels und mein Erlöser.

Christus spricht: Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan (Lukas 11, 9).

Aus Apostelgeschichte 17:
Paulus hatte den Athenern, darunter etliche Philosophen, das Evangelium von Jesus und von der Auferstehung verkündigt.
19: Sie nahmen ihn aber mit und führten ihn auf den Areopag und sprachen: Können wir mehr von deiner neuen Lehre erfahren?
21: Alle Athener hatten nichts anderes im Sinn, als etwas Neues zu sagen oder zu hören.
22: Paulus aber stand mitten auf dem Areopag und sprach: Ihr Männer von Athen, ich sehe, dass ihr die Götter in allen Stücken sehr verehrt.
23: Ich bin umhergegangen und habe eure Heiligtümer angesehen und fand einen Altar, auf dem stand geschrieben: Dem unbekannten Gott. Nun verkündige ich euch, was ihr unwissend verehrt.
24: Gott, der die Welt gemacht hat und alles, was darin ist, er, der Herr des Himmels und der Erde, wohnt nicht in Tempeln, die mit Händen gemacht sind.
25: Auch lässt er sich nicht von Menschenhänden dienen, wie einer, der etwas nötig hätte, da er doch selber jedermann Leben und Odem und alles gibt.
26: Und er hat aus einem Menschen das ganze Menschengeschlecht gemacht,
27: damit sie Gott suchen sollen, ob sie ihn wohl fühlen und finden könnten; und fürwahr, er ist nicht ferne von einem jeden unter uns.
28: Denn in ihm leben, weben und sind wir; wie auch einige Dichter bei euch gesagt haben: Wir sind seines Geschlechts.
Die Wahrheit des Glaubens ist Gott. In der Wahrheit Gottes sein, ist: ich will mich mit ihm einlassen; vor allem, ich weiss mich eingelassen.
Also Gott nicht oben, der gestirnte Himmel über uns; auch nicht vorne, am Ziel der Geschichte nur; auch nicht Gott in uns als das Gewissen – sondern du, ich, in ihm: „Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir“ (Psalm 139, 5) – genommen von dem Kind im Mutterleib. Das Kind erkennt Mutter auch an. Aber viel mehr als das: das Kind lebt von ihr, in ihr, mit ihr. So umfassend Gott wissen, nicht als dünne Formel am Anfang, nicht als Gesetzgeber und Richter weit weg, nicht als theoretisches Gehirn der Weltgeschichte – sondern als Vater/ Mutter des Lebens, die Erde, aus der wir blühen, er ist die Wirklichkeit: der, die, das Gute Ganze.
In ihm leben, weben und sind wir – von ihm, zu ihm, durch ihn; und noch stärker: Keiner lebt sich selber, keiner stirbt sich selber. Leben wir, so leben wir aus Gott, sterben wir, so sterben wir in Gott, ob wir gleich leben oder sterben, sind wir sein (Römerbrief 14, 7f).
„Gott ist schaffendes Sein, gewährendes, nährendes Sein, nichts Getrenntes neben dem Sein der Welt, sondern ist das Zusammensein Gottes und der Welt“ (Ebeling, Dogmatik I). Luther nennt ihn einen „glühenden Backofen voller Liebe“ –also ist Gottes Sein „ein ausstrahlendes Mitteilen dessen, was ihn erfüllt“ (Ebeling, D.). Gott ist das, worin Raum und Zeit ist. Raum und Zeit ist Gottes Zeit-Raum und Revier, die Geschichte läuft in ihm.
Jesus war, ist Vorleber dieses Ineins mit Gott sein. In ihn eingelassen, redete er aus ihm: sprach los vom Urteil anderer, gab den Nächstbesten als Allernächsten auf. Jesus nahm teil an Gottes Allmacht, nahm sie in Gebrauch, etwa beim Heilen, und spricht uns dieselbe Vollmacht zu, Gottes Allmacht auszugeben – das eröffnet uns auch die wahre Bestimmung unserer Begabungen und Vermögen – sie sind Teil der Allmacht, sind Talente aus Gottes Schatz, und die sind heiligmässig zu handhaben.
Und die Feinde Jesu – wie sieht Jesus König Herodes, den Fuchs, und wie Pilatus, den Seine-Hände-in-Unschuld-Wascher? Letztlich sind sie Stacheln in Gott, widerborstig, mit denen Gott selbst fertig werden muss.
Jesus sieht das Leben als gotthaltig an, alles Fülle für Dank – und an den Rändern Wundmale und Kälte und Gewalt. Der Gekreuzigte steht in Gottes Hand – so auch das Bild  Keitumer Altar. –
Erst mit dem Kreuz Jesus im Leib ist Gott richtig dimensioniert. Gott hat nicht nur die Welt erschaffen, wie ein Uhrmacher, der dann sein Werk laufen lässt; sondern Gott ist die Schaffe-Energie, die Urkraft, aus dem Nichts etwas hervorzurufen: Aus der Leere die Fülle, aus dem Dunkel das Licht, aus dem Bösen das Gute, das Leben aus dem Tod. „Gott ist nicht ein Gott der Toten, sondern der Lebenden“ (Markus 12, 27). Weil, so Luther: „Mit wem Gott gesprochen, wie auch immer, er ist dadurch unsterblich.“ Als von Gott Gemeinte haben wir Bleibe bei ihm. Ja, er hat die Welt geschaffen und auch mich, dich: Aber noch mehr ist Gott Schöpfer, weil Tod des Todes. Gott beendet das Enden – alles Enden ist nun ein Münden; wie die Flüsse ins Meer, so ergiessen sich unsere Iche mit den dazugehörenden Lebensläufen in Gott – besser: wir werden von ihm angesogen.
Und Gott hat teil am Leid, er unterzieht sich den Mühsalen seiner Schöpfung. – Er haftet für das Böse in der Welt, indem er es sich geschehen lässt, er verdirbt sich an Mord und Totschlag den Magen, aber verdaut so das Ungestalte, Ungeliebte, Unschöne, Unwerte – zwingt das Böse, letztlich dem Guten zu dienen.
Wie Jesus sich dem Bösen unterzieht, das ist Bild für Gottes Tun. Er nimmt eben nicht das Schwert, sondern – auf die linke Wange geschlagen, hält er die rechte auch hin – sanftmütig trägt er die Last der Welt. Das Kreuz tragend, lässt er die Gewalt über sich ergehen, leidet lieber Unrecht, als Unrecht zu tun. Das ist darum unendlich viel mehr als nur ein Aufruf zur Gewaltlosigkeit – es beschreibt Gottes Inneres, Gott unterzieht sich dem Bösen, leidet es am eigenen Leib. Und Gott schluckt und verdaut seinen ärgsten Widerspruch, den Tod, das Vernichten und Ausmachen. Im Bild: Gott geht durch die Hölle und schliesst sie – noch schöner: Der Himmel ist Gottes Tanzsaal, aber es passen nicht alle rein, da reisst er die Wand zur Hölle ein, und es gibt nur einen Himmel. Eine Zukunft.
Wenn schon in der irdischen Raumzeit viele sich von Gott verlassen vorkamen und wenn schon zu Erdenzeiten viele sich selbst zum Gott ausriefen und sich aufspielten, als wären sie die kings – dann wird Gott seine Kreatur doch durch den Tod hindurch reissen zur Rettung und Klärung, auch damit die Herrischen dieser Erde nicht für immer triumphieren.
Also, Gott ist Schöpfer nicht nur des Anfangs sondern erst recht des Zukünftigen; indem er aus dem Dunkel das Licht gebiert und aus dem Bösen die Sehnsucht nach Vergebung und Heilung, und den Tod verwandelt er zur Wandelkammer für ewiges Leben. Und ist auch darin Schöpfer, dass er uns erkennen lässt.
Ein Bild sagt, dass wir alle den Leib Christi bilden. Nimmt man das zusammen mit: Gott schuf den Menschen sich zum Bilde, als Mann und Frau – dann, wissend ein Körper besteht aus Milliarden Zellen, kann es sein, dass Gott sich durch uns Menschen einen Leib gibt, wir also seine Sinnesorgane sind, seine Bruchstücke, auch die Pixel seiner Wahrheit.
Die Wahrheit des Glaubens ist Gott. Aber die Wahrheit Gottes ist das Leben, wie die Wahrheit der Sonne ihr Scheinen ist. Gott will nicht allein sein, darum schuf er die Welt – kurz gesagt, damit was los ist. Und schuf und schafft die Natur, weil er sprüht vor chemischen und physikalischen Einfällen – allein der Duft von Sellerie, die Musik von Mozart, die Farben von Tizian, die Gestaltefreude der Designerinnen, die Ingenieurkunst der Männer, die Lust auf Kinder bei den Frauen dieser Erde sind doch Erfindungen von Gott, väterlich, mütterlicher Grund; seine Liebe und Schaffenslust ist ohne Ende, darum sind wir immer bei ihm.
Und uns Menschen hat er sich aus der Natur herausentwickelt zu Gefährten, was der Hund für den Mensch, ist in etwa der Mensch für Gott – aber uns ist mehr Freiheit eingeräumt zum Bösen, das ist unsere Grösse, an der sich Gott selbst verletzt. Und wir sind auch die Copartner, deren Einfälle Gott auf seine noch unentdeckten Ideen bringt.
Gott ist. Er ist uns letzte Adresse für Dank und Klage. Wem danken wir für die gute Heimkehr, wem klagen wir das Verlassensein? – Keine irdische Instanz reicht, unser Glück zu begründen, unser Leid zu teilen. Unser Glück jauchzt zum Himmel, unsere Klage schreit gen Himmel. Wäre Gott nicht, wären alle Tränen nur Wasser, alle Freude nur Lappalie. – Du rufst über Menschen hinaus, flehst um Heiligen Geist. Du betest. Das macht, dass dir Gott ist.
Andere können, müssen vielleicht Atheisten sein. Du aber lebst vom Atem Gottes und weisst es. Gott zwingt uns nicht, an ihn zu glauben, der Hund muss an seinem Herrchen hängen. Der Mensch kann nein sagen auch zu der Hand, die ihn nährt. Gott hat uns so geschaffen, dass wir uns selbst zu Göttern ausrufen können. Und es gibt eine Weltsicht, die uns verpflichtet sieht, die Welt zu regieren, als gäbe es keinen Gott. Dass Gott über allem wacht und uns nur machen lässt, was er will – dieser Glaube ist spätestens mit Hitler und Stalin und anderen Massenmördern zerbrochen. Das war auch eine Vorstellung von Allmacht, die Jesus nie gehabt hat.
Wohl: Es fällt kein Haar von eurem Kopf, ohne dass Gott es weiss. Alle Bewegung ist Teil von der einen unteilbaren Energie. – Ihr Herz nennen wir Gott. Schwerkraft und Fliehkraft sind Gottes Macht, der Wind und der Durst und der Hunger, und die Lust, sich aneinander zu schmiegen, alles Wollen der Menschen ist Treibekraft Gottes. Auch die missbrauchte Macht bleibt Gottes Macht. Darum haftet Gott letztlich auch für das Unrecht, das Menschen einander antun. Im Bild: Gott gibt Kain sein Zeichen, damit niemand ihn töte. Und so trägt Gott auch das Kainszeichen an sich. Das Böse in der Welt ist Schatten, den Gottes Licht wirft.
Es kann aber nicht sein, dass der Atheismus mit der Vernunft geht und der Glaube mit der Unvernunft, der Atheismus mit dem Fortschritt und der Glaube mit dem Festhalten an Vergangenem. In 11 Staaten der USA darf die Lehre Darwins im Biologieunterricht nicht mehr mitgeteilt werden, weil das dem biblischen Schöpfungsbericht widerspräche. Tut es aber nicht, wenn man Entwicklung als eine Methode der Schöpfung sieht. Und Gott musste nicht Erde nehmen für den Ersten Menschen, sondern Erde ist doch das alte Wort für Materie, Gott nahm Materie und hauchte ihm die Hörfähigkeit für Gott ein; dann kann die Materie doch statt Erde eine Sorte Affen gewesen sein, die Gott zum Menschen entwickelte. Als Atheist wird man nicht geboren – zum Atheisten wird man gemacht, auch durch trostlose Unwahrheiten, wie etwa, Aids sei als Strafe für verbotenen Lebenswandel von Gott geschickt. Jesus hat das Gegenteil gelebt: Er hat Kranke geheilt, weil Gott ins Leid mitgeht und hindurchführt.
Gott ist. Das weisst du für dich und ich für mich. Dein Glaube macht dir Gott und Abgott – hat schon Luther gesagt. Mir ist Gott der, der mich ins Leben gerufen hat, der mich mit Lieben ansteckt, den ich letztlich enttäusche, und nicht nur den Nächsten – und von dem ich auch letztlich Vergebung brauche. Gott ist mir letztlich die Sättigung meiner Sehnsucht, warum das Lieben hier schon Gestreiftwerden von Gottes Flügel ist. Amen.
 


 



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