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Keitumer Predigten   Traugott Giesen   21.05.2000

Heute 6 Taufen im Gottesdienst

Lasset die Kinder zu mir kommen und hindert sie nicht. Denn das Himmelreich ist ihres (Matthäus 19, 14)
Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht ins Himmelreich kommen (Matthäus 18, 3)

Die Menschen sollen nicht so viel nachdenken, was sie tun sollen; sie sollen vielmehr bedenken, was sie sind, so Meister Eckhart. Wohl für ein Menschenfeld gilt das besonders: Wieviel Ratgeberbücher für Kindererziehung? Wieviel Gruppen voller Ratschläge, was mit Kindern zu tun sei? Doch wer sind die Kinder?
So viel Zittern, Bangen Hoffen, Ängsten, Mühen – und dann ist das Kind ist geboren – dies Bündel der Mutter auf den Bauch gelegt, dem Vater in die Arme – das Glück ist vollkommen. Alles ist gut. Dieser Augenblick ist Himmelreich, ist Freude, Geachtet- und Auserwähltsein. Das Kind ist eine Offenbarung, es öffnet uns unser innerstes Wissen: Wir sind Kinder Gottes und haben ein Kind Gottes anvertraut bekommen.
Ihr Eltern von Carina, Dana, Guilia, Morten, Joanis und Tom – ihr kommt doch, eure Kinder zu taufen. So besiegelt ihr, dass ihr Mitarbeiter Gottes seid am Glück seines Kindes. Wir können nicht hoch genug vom Menschenkind reden. Aus dem Mund der Kinder bereitest du, Gott, dir eine Macht, die Gewalt stillt. (Psalm 8, 3).
Wer sind die Kinder. Vor allem lasst uns nicht biologisches Wissen für das Ganze halten.
Biologisch gesehen, pflanzlich verglichen kommt ein Ableger dazu, oder tierhaft geredet: da zwingt das Leben einen neuen Wurf hervor. Darwin kann unsere Kinder aus Zwängen erklären. Doch die Evolutionslehre ist eine rückwärtsgewandte Wissenschaft. Sie kennt keine Zielgerichtetheit, keine Zukunft. Aber wir Menschen sind ausgestreckt auf ein Gutfinden, ein Gutgefundenwerden. Wir brauchen es, gesegnet zu werden. Uns ist wichtig, dass wir nicht egal sind, Ja, dass uns was hält, dem wir nicht egal sind. Wir müssen glauben können, du Mensch, bist ewig unterscheidbar, einmalig, wunderbar, du bist für die Freiheit bestimmt, immer neu beginnen zu können. Du kein Klon, keine Dublette, keine Kopie sondern Original, ein Bild Gottes.
Wir bekommen Kinder, damit ist uns eine neue Schöpfung anvertraut. Sein Wesen ist nicht biologisch fassbar, nicht chemisch zu analysieren; sein Wesen ist in Himmelsschrift ihm auf die Stirn geschrieben. Kind Gottes, eben.
Gut, dass wir uns nicht fortpflanzen müssen. Wir dürfen und können Zeugen verhüten. – Und das genau zu der Zeit, da erfüllt ist das Gebot: „Seid fruchtbar und mehret euch und füllet die Erde“ (1. Mose 1, 28). Wir müssen Kinder wollen, um sie zu bekommen. Ja, auch Ungewollte kommen, auch Erflehte kommen nicht – aber wir dürfen mitreden, ob wir als Eltern von der Schöpfung gebraucht sein wollen.
Der Wunsch nach Kindern hat viele Gründe.
Zu allererst: Wir dürfen sorgen, lieben, teilen; wir dürfen unsere Vorstellungen weitergeben; dürfen uns als jung zuschauen.
Ein Kind ist es, was einen fest an den Boden bindet. Auch verschaffts, dass ich Mitte sein darf eines warmen Lebenskreises (R. Musil).
„Nach mir die Sintflut“ darf keiner sagen, mit Kindern kann es eigentlich keiner sagen. Sie verpflichten uns, den nächsten Generationen noch Lebensmittel zu überlassen.
Kinder fordern uns heraus, Leben mit ihren Augen zu schauen. Die Fragen von früher hören wir neu und merken, dass unsere Antworten hölzern sind, mehr die Schublade schliessen, als das Netz zeigen.
„Ich muss meinen kleinen Sohn in die Gesellschaft einführen, die ich für verbraucht und debil ansehe“ klagt Botho Strauss. Auch er möchte gern schützen gegen schlechte Wirklichkeit. Doch wir müssen die Gesellschaft achten, sonst wird das Kind zum Verächter. Und spätestens im Kindergarten werden die Dünkel der Eltern an den Kindern heimgezahlt.
Ja Kinder auch, aus Sehnsucht nach Dank und Teilnahme und Interesse: Kinder auch, weil man an den eigenen Eltern gesehen hat, wie arm ihr Leben gewesen wäre ohne den Gesprächs- und Streit- und Versöhnungsstoff Kinder.
Mit unserm Wunsch nach Kinder, Enkeln sehen wir uns in die Kette gestellt. Wir sind Zeugen, dass über uns hinaus Gewolltes weitergeht. Und auch, wenn wir nicht selber zeugten und gebaren, sind wir doch Teilhaber an den Generationen, überliefern mit. Dank an alle Onkel und Tanten, Paten auch Steuerzahlende – ein Kind braucht viele Helfende.
Ein Kind ist eine neue Schöpfung, vollkommen klar: Jedes Kind bringt uns den Ursprung bei, wir sind ins Leben gerufen, wir sind auf die Welt gekommen, wir sind ins Sein geschickt. Wir müssen so was wie Gott denken, wozu sonst das Ganze. Wir machen doch keine Kinder, sondern werden zueinander hingefügt, dass Kinder kommen können. Ein Projekt der Zukunft fügt die Gegenwart, zu einer günstigen Bedingung für die Werdewelt. Wir sehen uns doch im Dienst der grossen Mutter, namens Gott. – Unser Kind ist kein Zufall, sondern ein wunderbarer Einfall der Schöpferkraft, eine absichtsvolle Intelligenz, die die physikalischen Konstanten und die Startbedingungen der Welt präzise festgelegt hat und Neuland betritt mit jedem neuen Kind.
Du hältst dein Kind für eine einzigartige Person, weil du dein Kind für ewig gewollt und wichtig hältst, darum entdeckst du dich auch neu für wichtig. Die übrige Menschheit, der Kosmos geht dir auf als geheiligt. Du wirst wieder fürsorglich zum Ganzen, wirst der nächsten Generation noch Lebensmittel zu überlassen.
Dein Kind macht dich fromm, dankbar, nachdenklich. Dass ein Wesen ist, sein Existieren ist so unwahrscheinlich, dass weder Raum noch Existenzzeit unseres Universums ausreichen, um dieser Struktur zufällig zu begegnen. Bereits ein einfacher Virus ist eine von etwa 10 hoch 5000 möglichen Strukturen (M. Eigen).
Dein Kind ist gewollt, und du weisst es. Und selbst wenn die Liebe zweier Menschen verfliegt, sie musste diesen Augenblick sein, um dies Kind zu erden. Dein Kind ist eine Idee Gottes, sein Wille in Fleisch eingehüllt, ein Wille Gottes auf zwei Beinen, eurer Fürsorge anvertraut – du weisst es. Es kommt mit einem ungeheuren Selbstbewusstsein in die Welt: Tochter, Sohn Gottes, unbekümmert verhält es sich getreu seinen Launen, noch Sternstaub in den Augen; noch huscht dies uns verwirrende Lächeln über ihr Antlitz, wenn sie schlafen, das wir später, selten genug, noch wieder finden – und sofort ist das Ehrfurchtgebietende dieses Lächelns wieder da.
Wir sind diesem Kind gewidmet, wir sind abgeordnet, ihm den weitest möglichen Freiraum zu sichern – für die Weile des Kindseins. Wir werden für sie vereinnahmt. Zu ihren Gunsten sollen wir voreingenommen sein.
Ja, unser Lieben hat Grenzen, Kinder können unsere Toleranz schnell ausschöpfen und wir haben pädagogische Gründe genug zur Hand, uns ihrer zu erwehren. Auch werden die lieben Kleinen grösser und ihre Ansprüche wachsen mit den Kameraden und wir schmücken uns mit ihrem Outfit. Nichts schlimmer, als dass unsere Kinder uns nachweisen, dass wir ihnen ein minderwertiges Fahrrad gekauft haben. Und wir geben die notwendigen Lügen weiter, hören uns unsere Eltern zitieren und erschrecken.
Erst sehen wir uns ihrer Heiligkeit nicht gewachsen, dann sehen wir ihre Heiligkeit schwinden, sie werden wie wir, der Vergebung und der klaren Kante bedürftig. Wir vergessen ihre und unsere Gotteskindschaft, was unser Selbstbewusstsein kleiner und kleiner macht – bis uns ein Kind neu erweckt.
Ein Kind, schau es an, lass dich von ihm rufen und du wirst neu gestimmt. Schau ihre Bewegungen, du wirst dich reduziert erleben – schmeiss das Stillsitzenmüssen von dir ab. Auch du bist doch noch im Werden. –
Eigenartig: Jesus, der wunderbare Mensch sagt: Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder. – Ziel ist, mit aller Erfahrung, durch alle Erfahrung hindurchzugehen ins Kindsein. Behütet, gelassen, unbekümmert, mitfühlend, dankbar, arglos, beseelt von Wirkenwolllen; zweifellos sind sie gern sie selbst, sie suchen Gemeinschaft, wissen sich mit Bössein geliebt, sind schnell bereit zu vergeben, begehren kräftig, sind gern hilfreich, sind phantasievoll, gern lachend, gern lernend, gern tröstend, sie sind Kinder Gottes, das Himmelreich ist ihres: Sie sind hier zuhause, sie sind im Glück, in Gott, wie der Fisch im Wasser, ganz eingehüllt von Liebe, von einer ansteckenden Heiligkeit.
Wir müssen nicht eigene Kinder haben aber mit Kindern sein. Mit Kindern ist Gott noch näher. Amen.
 


 



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