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Keitumer Predigten   Traugott Giesen   19.03.2000

Zur Konfirmanden-Prüfung

Nachdenken über Tradition

Christus spricht: Gehet hin in alle Welt und lehret alle Völker, dass sie halten, was ich euch gesagt habe: Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende (Matthäus 28).
Mit diesem Wort hält sich die Christenheit vor, dass sie etwas weitersagen soll, von einer Generati-on zur andern weitergeben, hinübergeben soll – transdare Traditio. – Welche Tradition gilt uns und der nächsten Generation? Das ist auch die Frage, wenn Konfirmanden fürs Leben etwas mitbe-kommen sollen.
Was von einer Generation zur Nächsten mitgegeben ist, ist die Bibel. Darin ist bewahrt ein Text, sicher 2600 Jahre alt; dieser Text handelt von dem, was den jungen Leuten in Israel damals einge-schärft wurde. Hört mal:
5. Mose 5, 2 - 3: Gott hat mit uns einen Bund geschlossen am Sinai. Er hat ihn nicht nur mit unsern Vorfahren geschlossen, sondern auch mit uns, die wir heute hier sind und leben.
5. Mose 6, 4 - 5: Also höre Gemeinde: Der Herr ist unser Gott. Und du sollst Gott lieben von gan-zem Herzen und mit all deiner Kraft.
Und deinen Nächsten wie dich selbst (3. Mose 19, 18).
5. Mose 6, 6 -7: Diese Worte, die ich dir heute gebiete, sollst du zu Herzen nehmen und sie deinen Kindern einschärfen.
6. Mose 6, 20: Wenn dich nun dein Sohn, deine Tochter fragt: Was sind das für Gebote, wie kam es dazu? So sollst du deinen Kindern sagen:
5. Mose, 26, 5: Ein umherirrender Aramäer war mein Vater. Dem Umkommen nahe zog er hinab nach Ägypten und war dort ein Fremdling mit wenig Leuten, und sie wurden ein grosses Volk. Aber wir wurden zu Sklaven gemacht, die Pyramiden zu bauen. Da schrien wir zum Herrn. Und er rettete uns durch Zeichen und Wunder und brachte uns ins Land Israel.
Hier feiern wir jetzt Dank und sind fröhlich über alles Gute, das Gott uns gibt und dem Fremdling, der bei uns lebt.
5. Mose 6, 18: Und auch wir wollen tun, was recht und gut ist vor den Augen des Herrn.
Das ist in etwa die Lesung, die fromme Juden am Sabbat lesen. Sie sehen sich eingefügt in eine Geschichte, die von Abraham und Jakob bis hierher hält.
Schon vor 2600 Jahren sah Israel sich angeschlossen an die 700 Jahre vorher Geretteten. Und über die Abgründe der Geschichte hin, über die 80 Generationen seit der Zerstörung des Tempels durch die Römer unter Trajan 67 n. Chr., und über die Vernichtung durch Deutschland hin sagen die Juden am Sabbat: Höre Israel. Der Herr, unser Gott, ist der Herr allein und hat uns am Roten Meer errettet.
Juden sind bis heute eingebunden in eine Geschichte. Die gibt ihnen Halt, Auftrag, Selbstbewusst-sein, und fordert auch Gehorsam gegen die zehn Gebote.
Jesus hat dann die Menschheit eingegliedert in die Heilsgeschichte. Das war ja die Stärke der Christenheit, dass sie weltumspannend denken lernten, ganz früh; nicht Familie, Volk, Nation son-dern Heiliger Geist, eine heilige christliche Kirche, Sammelbecken der ganzen Menschheit, mit den Ahnen, auch mit Abraham , dem umherirrenden Aramäer.
Hitler und die ihm glaubten haben den Zusammenhalt der Menschheit furchtbar zerrissen, rein aus dem Wahn, die Deutschen wären zur Weltherrschaft bestimmt. Dieser Grössenwahn zerschmetter-te zum Glück.
Danach blieb offen, zu welcher Geschichte wir gehören, wo unsere Wurzeln her sind.
Aber aus dem Erbe der Christenheit ist ja die Berufung der einzelnen Person so wichtig, die Würde des einzelnen Gewissens, und dass der Mensch mehr ist als Materie, die wieder zu Staub zerfällt; sein Ich ist unsterblich, weil mein/ dein Ich Gott gehört. Und darum immer hast du Zukunft vor dir, immer Anfang. Also gelte das „Prinzip Hoffnung“. Seit Abraham und Jakob, und Israel und Christus erst recht: Vor uns immer Gott und Arbeit und Freude, daher die Gewissheit: Das Leben, es ist gut. Und so haben wir doch noch was, was wir den Konfirmanden heute noch weitersagen können.
Und wir haben St. Severin, haben hier seit 1000 Jahren christliche Gemeinde. Heute 6 junge Leute aus Keitum, Archsum, sie wollen konfirmiert werden. Jetzt sollen sie etwas Beute aus 11/2 Jahren Konfirmandenunterricht zu Gehör bringen.
Aber haben wir noch Geschichte, in die wir und die nächsten Generationen eingebettet sind? Ach nicht wir haben Geschichte, wenn, dann hat sie uns – mit den Kindern – und dahinter schimmert doch so was wie Gott
Darum hört jetzt mit Wohlwollen die Bruchstücke christlichen Wissens aus dem Mund der jungen Leute.
Glaubensbekenntnis, 10 Gebote, Psalm 23, Vaterunser
und: Taufe, Konfirmation, Hochzeit, Tod, Gottesdienst, Gemeindeleben.
Wir haben stundenlang das Leben bedacht, Probleme, aus Schule und Fernsehen. – Es ist eine Frömmigkeit da, die fast nur diesen einen kurzen Satz braucht: Gott liebt. Und das Gebet: Von gu-ten Mächten.
Da ist ein Zipfel Christenglaube doch zu fassen – vielleicht ist auch bei uns Älteren nicht viel mehr sagbarer Wissensstoff. Am nächsten kommt der Christenstoff den Kindern, wenn er mit Lebenslauf verbunden ist: Taufe, Konfirmation, Trauung, Beerdigung, und Gottesdienst und Gemeindeleben.
Dazu ein paar Schnipsel und Blitzlichter einer Tagesfahrt, gestern nach Hamburg. –
Christlicher Glaube ist Lebensmut, Nachdenken, Hoffnung, Liebe. Keine starken Kader mehr, In-stanzen, Verbände. Eigene Seelenstärke wird wichtig, der Mensch und seine Persönlichkeit, Auf-merksamkeit und Achtung und Liebe werden wichtiger denn je. – Und so kommt die Berufung des Christus neue Geltung: Du wunderbar, wichtig, du erhoben aus dem Staub der Nichtachtung. Du erlöst durch dein Merken; dein Aufmerksamkeit-schenken ist Mitschaffen.
Ein soziales Netz, Rechtssicherheit, Meinungsfreiheit, Arbeit; aber keine Laufbahnen mehr, kein Immer-und-Ewig – auch der Glaube muss täglich frisch sein.
Es bahnt sich eine neue Verknüpfung an, Netze, Kommunikation, alle können alles Wissen abru-fen. Internet, eine Weltfamilie, eine Ethik: Teilen.
Wir sind doch in einer Geschichte – der Liebe.
Und die nächste Generation macht es besser, wird sanfter, ist mit Elektronik grossgeworden, glaubt an den Zusammenhang und Zusammenhalt aller Dinge. Spürt Gott schwirren in den Elektronen. Wird dankbar und mutig und bleibt auch bedürftig. Es soll nicht das Wesentliche sein, was man aus dir gemacht hat. Sondern das Wesentliche soll sein, was du aus dem machst, was man aus dir gemacht hat. Sicher sind wir von Zuhause geprägt. Doch was wir daraus gemacht haben und noch machen – ist das Wichtige. Das stellt uns mit den Jungen in eine Reihe. Gut, dass wir uns haben.
 


 



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