L e b e n s m u t
 
Herzlich willkommen auf der Homepage von Traugott Giesen, ehem. Pastor in Keitum auf Sylt!

Aktuelles

Predigten
Kolumnen
Bibelenergie
Tägliche Losung
Gastpredigten
 

Archiv

Archiv Predigten
Archiv Kolumnen
Themenverzeichnis
Weitere Texte
Bibelstellen
Aufgelesenes
 

Informationen

Bücher
Links
 

Kontakt
Emailkontakt
Webmaster
Gästebuch
Impressum

Besucher seit
12.03.2001

Keitumer Predigten   Traugott Giesen   16.01.2000

Selig sind, die da Leid tragen, denn sie sollen getröstet werden (Matthäus 5, 4) und Jesaja 40, 1, 2, 6, 8, 11, 26 - 31).

Trösten gehört zu den Begabungen, die uns menschlich bleiben lassen. Trauernde besuchen, begleiten, ihnen schreiben – das zeigt, dein Leid geschieht uns mit; so fühlt der, „den um Trost sehr bange ist“, sich nicht allein. Die ihm beistehen, die bei ihm stehen, halten ihn „im Lande der Lebendigen“ – speisen ihn, locken ihn zu reden, auf daß der Mund nicht zuwachse und die Seele verschmachte. Daß andere da sind, ist ein Zeichen, noch ist irgendwo Land, andere sehen für mich mit noch wieder Land. Trösten macht, daß du in deinem Schmerz nicht ertrinkst – es ist noch Aussicht für dich und für den, den du betrauerst.
Die Bibel ist ja voll Schicksal, und wie das in Gottvertrauen zu ertragen ist. Es gab einen Propheten, der hat nicht die Menschen beschimpft, sie nicht geängstet, sie nicht klein gemacht. Er heißt der Trostprophet. – Wir wissen von ihm nichts Persönliches, kein Name, kein biographisches Detail – nur seine Stimme klingt bis heute. An seiner Flamme entzünden die Menschen noch immer Feuer des Trostes. Hört es:
„Tröstet, tröstet mein Volk! spricht euer Gott. Redet mit Jerusalem freundlich, predigt ihr, daß ihre Knechtschaft ein Ende hat, ihre Schuld vergeben ist.
Er wird seine Herde weiden wie ein Hirte. Er wird die Lämmer in seinen Arm sammeln und im Bausch seines Gewandes tragen und die Mutterschafe führen.
Ja, alles Fleisch ist wie Gras und all seine Güte ist wie eine Blume auf dem Felde. Das Gras verdorrt, die Blume verwelkt, aber das Wort unseres Gottes bleibt in Ewigkeit.
Hebt doch eure Augen in die Höhe und seht! Wer hat dies geschaffen? Er führt das Heer der Sterne vollzählig herauf, ruft sie alle mit Namen. Seine Macht ist so groß, daß nicht eins von ihnen fehlt. Warum sprichst du denn, Jakob, und du, Israel, sagst: „Mein Weg ist dem Herrn verborgen, und mein Recht geht an meinem Gott vorüber“?
Weißt du nicht? Hast du nicht gehört? Der Herr, der ewige Gott, der die Enden der Erde geschaffen hat, wird nicht müde noch matt, sein Verstand ist unausforschlich. Er gibt den Müden Kraft, und Stärke den Unvermögenden. Männer werden müde und matt, und Jünglinge straucheln; aber die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft, daß sie auffahren mit Flügeln wie Adler, daß sie laufen und nicht ermatten, nicht müde werden ( Jesaja 40, 1, 2, 6, 8, 11, 26 - 31).
587 vor Chr. vernichtete der babylonische König Nebukadnezar Judäa und Jerusalem mit Tempel: Die Einwohner vertrieb er – das Volk saß an den Wassern Babylons und weinte. Sein Gott schien entkräftet, der Glaube entleert. Unter König Kyros 537 vor Chr. konnten die Kinder und Enkel wieder heimkehren ins Land ihrer Eltern.
Zerbrochen war der Glaube an den mächtigen Lenker der Geschichte, der für sein Volk andere darangibt – der seine Lieblinge erhebt und andere mit Füßen tritt. Die Christen hatten auch mal so einen Nationalgott – Kaiser Konstantin, Karl der Große, die Kreuzzüge: immer wurde mit dem Kreuz vorweg in Kriege gezogen und Macht gefestigt.
Aber die Vorstellung eines Blut- und Eisen-Gottes, der einem Volk, einer Nation Schutzherr ist, die geht nicht mehr, die ist zerschlagen schon in den Tagen des Exils, vor 2600 Jahren.
Auch ging da verloren ein Gott, der unsere einzelnen Lebenswege kurz oder lang dosiere. Nein, es ist so, sagt der Trostprophet: Alles Fleisch ist wie Gras: kurzes, langes, hartes, weiches; und alle unsere Qualität ist wie eine Blume auf dem Felde – wenn der Wind darüber weht oder die Sonnenglut oder irgendwer verkürzt unser Dasein – wir sind zerbrechlich, wir gehen schnell dahin, als flögen wir davon.
Aber denk nicht, das sei als Belohnung oder Bestrafung zugeteilt – vielleicht aus dem vorigen Leben deiner Vorfahren. Es ist nicht schon Mangel, kurz zu leben; es ist nicht schon Glück, lange hier zu sein. Im Glücksfall hat einer andern was bedeutet – dann wird er fehlen.
Aber er selbst fehlt sich nicht – er bleibt doch auf dem Weg in die Liebe, in das umfassende Ganze. Wir Irdischen und die Vorweggenommenen gehören weiter zu seiner Herde, Gott nimmt uns auf, wie ein Hirte sein Lamm in den Bausch seines Mantels. Wir müssen die uns Verlorenen geborgen wissen in Gottes Gewand. Dies Bild tröstet: Lebende und uns Gestorbene sind in Gottes Schutz und Halt.
Eugen Drewermann hat von Hans Christian Andersen mir die Geschichte wiederentdeckt von den „Blumen der kleinen Ida“. Sie kommt gelaufen und findet ihre Blumen, am Tag vorher noch blühend und schön, jetzt welk, mit hängenden Köpfchen. Jeder Vernünftige wird ihr sage: ja, so sind die Blumen, vergänglich. Aber, Gott sei Dank, in der Stube der kleinen Ida wohnt ein Student, und der sagt: Das ist so mit den Blumen: wenn du nachts die Augen zumachst, dann tanzen sie. Das kannst du nicht sehen, aber sie sind nur müde, die Blumen. – Die Nacht darauf träumt Ida davon, wie ihre Blumen in der Stube tanzen, alle möglichen wunderschönen, von weit her gekommen. Am andern Morgen selbstverständlich stehen sie alle wieder in der Vase, aber sie haben Ida was im Traum gesagt: Die Blumen, die verwelken, möchten beigesetzt sein, in der Erde, in einem Kästchen, einem ganz bestimmten, schönen, und sie würden wieder hervorkommen im nächsten Frühling.
Andersen dachte sich in die Trauer eines Kindes hinein. Und was, wenn einem Kind der Hund stirbt, oder uns ein geliebter Mensch. Vergänglich ist alles Fleisch. Aber das Wort unseres Gottes bleibet ewig: Er hat mit dir geredet, der du von hier fort bist, so weiß ich, daß er weiter mit dir redet. Und mein mit dir Reden ist ein Silberstreif von der ewigen Zwiesprache Gottes mit dir. Das Ewiggültige schimmert hier auch in Bildern und Sachen. Was er berührte, behält einen Hauch seines Atems.
Wie sie früher in den Generationen die alten Bauernhäuser bewohnten, und wie wir heute – auch nur Vorübergehende – St. Severin als unsere Kirche wissen, so stärkt der Abglanz aller Hiergewesenen auch das Energiefeld dieser Kirche.
Die Zeit ist der Weg, den Gott mit uns nach vorn geht. Wir sind in Fluß ohne Umkehr. Man kann den Film von einem Unfall rückwärts drehen, dann fliegen die Teile zurück zu ihrem vorherigen Zustand, das Auto scheint wieder zusammengesetzt – aber nichts ist rückgängig zu machen. Nicht mal eine zerbrochene Tasse kann man wieder unzerbrochen machen. Auch Gott macht nichts ungeschehen. Er ist ja der Strom des Geschehens, in dem wir zusammen bleiben. So ist alles wichtig, weil einmalig und nichts ist aussichtslos. Es bleibt ja in Gottes Mache.
Auch die Natur ist ein Wort Gottes. „Hebet eure Augen in die Höhe. Sieh die Sterne. Wenn ihm kein Stern fehlt, kennt er auch dich und hat dich lieb“ – so sagt es der Prophet. Auch ein treuer Freund ist ein Trost im Leben (Sirach 6, 16). Durch den Trost der Schrift können wir die Hoffnung festhalten (Römer 15, 4), und der Trost der Liebe (Philipper 2, 1) und des guten Gewissens (Hebräer 13, 18), Feingold als Trost (Hiob 31, 24), mein Bett (Hiob 7, 13), Kinder, Trost unseres Alters (Tobias 5, 25).
Und der Trost der Bäume.
Und die Sonne, sie macht dich besonnt.
Du, Gott, bist doch alle Zeit meines Herzens Trost und mein Teil (Psalm 73, 26). Und der Tröster, der heilige Geist, wird euch alles lehren (Johannes 14, 26).
Die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft. – Ihr wißt ihn ja, als Fluchtpunkt unserer Seelen. Selbst, die uns gestorben, sind im Großen geblieben. Unsern vier Wänden, unsern Armen sind sie entkommen. Aber sie sind im Himmel, im Heil – wo aller Kummer gestillt ist.
Die wir verloren, hatten wir doch gefunden ohne eigenes Verdienst. Es so sehen: Wir geben zurück dem Herrn, von dem wir empfangen haben. – Das beschafft neue Kraft. Es bleibt so viel: Geliebt-haben, Geliebt-worden-sein bleibt doch als Heiliges bei uns und treibt uns an zu neuem Lieben. Auffahren mit Flügeln wie Adler – Heiliger Geist trägt uns, lehrt uns wie wir nach vorn getragen werden zu neuen Pflichten und Freuden.
„Unser Kerker, da wir saßen und mit Sorgen ohne Maßen uns das Herze selbst abfraßen, ist entzwei und wir sind frei“ (Stettiner Gesangbuch 1843). – Wir werden es sehen: Leidende sollen getröstet werden. Amen.
 


 



Service

Startseite
Druckvorschau

Presse-Feed EKD

© 1996-2017 Evangelische Kirche in Deutschland
Weitere News...