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12.03.2001

Keitumer Predigten   Traugott Giesen   01.01.2000

Neujahr

Die Jahreslosung 1999: Jesus Christus spricht: Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende. (Matthäus 28, 20)
Die Jahreslosung 2000: Gott Spricht: Wenn ihr mich von ganzem Herzen suchen werdet, so will ich mich von euch finden lassen. (Jeremia 29, 13-14)
Wir sahen die Zeit ablaufen eines Jahres, eines Jahrhunderts, eines Jahrtausends.
Und wenn wir schon innehalten bei einem ganz privaten Jubiläum, 40 werden oder 60, oder Ehe- oder Firmenjubiläum, dann erst recht doch, wenn Milliarden Menschen ein neues Jahrtausend einläuten.
Die letzten Minuten des Jahres – wer das Glück hatte, sie in St. Severin zu erleben, empfand das sicher tiefgreifend: Die Minuten zogen sich, fünfmal kreiste der Sekundenzeiger, 5 mal 60mal schnellte das Silicium in die Figurationen von 0 bis 9 – fünf Minuten Stille, Lauschen, Warten, Hoffen, Erinnerungsfetzen, und Hinfühlen, ob es gut ist mit dir.
Und nun steht ein Vielfaches für uns bereit. – Wir betreten das Neue Jahr als weiten Raum, als Chancenland. Persönlich und in Gemeinschaft.
Insgesamt werden wir mehr fürs Gemeinwesen tun. Indem wir einander die Begabungen fördern und ausbreiten helfen, einander dienen – ein weites Feld, wie das in jedem einzelnen Fall zu entgelten ist, muß man sehen. Aber wie veröffentlichen wir Bedürfnisse und Begabungen? Wie tauschen wir – auch mit dem Wenigbemittelten, und das auch auf Länderebene. – Elend, wen’s auch trifft, wird immer den Menschheitskörper treffen. Das Bild von der einen Erde, mit der einen Menschenfamilie, der eine Körper der Kreatur – wird uns in Fleisch und Blut übergehen. –
Und wir werden viel tun, um gemeinsames Glück zu schmecken, schon die Feier rund um den Erdball in den verschiedenen Zeitzonen, Feier des einen gemeinsamen Kalenders, Feier des Wunders, daß da nicht Abbruch und Untergang war sondern – die Zeit weiter mit uns geht. Nie hat wohl die Menschheit einen Termin, ein Ereignis so fröhlich gefeiert. Und es war ja das Ereignis einer weltweiten Verabredung.
Ein Glaube trägt die Menschheit: Daß es weitergeht mit uns.
Wer ist das Es, das weitergeht mit uns? –
Das Es, das weitergeht mit uns, nenn es Zeit, Schicksal, Gott – wir haben gute Gründe, dieses Es als persönlich gestaltetes Gegenüber zu wissen.
Der einen Namen hat, sich rufen läßt, „Ich bin bei euch“ ist sein Name, hebräisch: Jahwe – mit andern Vokalen: Jehova – die pure Lust, zu schaffen, zu lieben, zu überraschen; die pure Lust, sich zu fühlen in den freudvollen Empfindungen; die Lust, den Mangel und die Schmerzen zu lindern – und so sind wir seine Rezeptoren, seine Nervenenden mit Spielraum, mit Freiheit zu ja und nein.
Es ist weiter mit uns gegangen. Er, Sie, Es, Gott, das Geheimherz der Zeit ist weiter mit uns gegangen – und sagt: Ich will mich von euch finden lassen.
Ein anrührendes Bild:
Kinder spielen Verstecken und einer hat sich so gut versteckt, daß die Kameraden es aufgeben, ihn zu suchen – und dann haben wir uns bemerkbar gemacht – und dies Erschrecken, Enttäuschtsein, keiner sucht mehr. – So Gott auch. Was sind seine Verstecke?
Auch im naturwissenschaftlichen Wissen versteckt sich Gott: “Der erste Schluck aus dem Becher der Wissenschaft macht atheistisch, aber auf dem Grund des Bechers wartet Gott“ so der wunderbare Satz von Max Planck.
Die besondere Form diese Verstecke zu öffnen, ist die Zärtlichkeit. Daß Gott diese „Türöffnermethode“ gefunden hat, ist doch Gottesbeweis, allein dieser Gedanke, daß nicht mit Brachialgewalt wir zu öffnen sind, sondern, ja, durch Wiedererkennen des einen im andern. Zartheit – und auf der Haut die Seele, die schön wird. Und die Bedürftigen, die warten auf den neuen Verband, ein frisch gemachtes Bett, brauchen heute den Anruf, daß mit ihnen noch zu rechnen ist.
Chancenland – dein Gott dir mit im großen Zeitraum – dein Projekt zu betreiben. Dein Projekt muß sein, daß du gern du bist, das ist eine Blüte Gottes – dein Du, deine Seele, Blüte Gottes – das denk. Und du weißt, was gut und böse ist. Und was dich vom Ziel abbringt, und was dich näher bringt diesem Fühlen von Lob und Dank und Gern-du-sein.
Es ist dir aufgegeben, dein Glück zu betreiben; Gott will sich darin finden lassen, in deinem Aufatmen, deinem Spüren von Entflammtsein, deinem Gelingen – und es wird immer auch was abwerfen für den Nächsten. Das ist sowieso Gottes Kunstwerk, dies Verknüpfen, von einem und dem andern.
Gott, Sinn. Das Ganze bleibt verborgen: Du hast es erlebt: Du bist bewahrt und gefordert worden, beschenkt und beschwert, bist verantwortlich und fahrlässig, wurdest schuldig und Rettendes gelang mit dir auch. Wir haben auch gelitten und wurden getröstet, wir liebten und vergaßen, wir wurden Zeugen neues Lebens und kommen dem Sterben näher. Wir waren ganz da in der Zeit und verschliefen ein Drittel der uns genehmigten Frist. Und so wird’s weiter gehen – wir sind getragen. Die Zeit trägt uns.
Wir werden danken, daß wir da sind. Ich bin, hier und jetzt. Für diese wichtigste Zutat unseres Lebens können wir nichts. Wir sind ins Sein gerufen, gerade jetzt, dürfen noch hiersein auf dieser schönen Erde. Wir können noch den Problemen uns widmen. Was hilft, ist findbar. Die Urheber von Furcht sind bekehrbar. Lebensangst soll nicht sein.
Auch wenn ihm Gottes Adresse nicht klar wäre – die Richtung zeigt auf Hoffen hin: Daß wir es richtig machen und in unserm Kopf es weiter richtig tickt. Und daß wir freundschaftlicher werden, wir uns nicht wegstoßen sondern durch Mehrarbeit mehr auf den gemeinsamen Tisch bringen. Segen über das, was war und was kommt. In dem undurchsichtigen Sack Zukunft steckt auch Entzücken.
Hoffnung ist der bessere Wegweiser als die Angst. Gott wird sich finden lassen – Er trägt uns ja. Amen.
 


 



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